vertuschen . Er sprang also aus dem Wagen , eilte auf Oswald zu und sagte : Um Himmelswillen , Oswald , lassen Sie uns fort . Es ist ja ein Leichtes , zu erfahren , wo die Leute wohnen ; Sie können sie ja zu jeder andern Zeit aufsuchen . Oswald , welcher jetzt , nachdem sich das erste überwältigende Erstaunen , die Czika unter solchen Verhältnissen wieder zu finden , bei ihm gelegt hatte , die Wunderlichkeit der Situation wohl erkannte , fand Franz ' Rath zu vernünftig , als daß er demselben nicht hätte folgen sollen . Die Czika hatte ruhig , als wäre nichts vorgefallen , ihr Sammelgeschäft wieder begonnen ; ja , sie warf nicht einmal einen Blick auf Oswald , der jetzt , von Franz beinahe gezogen , nach dem Wagen zurückschritt . Der Wagen rollte davon . Die Menge verlief sich um so schleuniger , als die Kühle des bereits stark dunkelnden Abends sie an die warme Suppe in der warmen Stube zu Hause mahnte . Viertes Capitel Es war etwa eine Stunde später . Der Abend war vollends herabgesunken . Die Berge von Fichtenau hatten sich in den doppelt dichten Schleier der Nacht und des Nebels gehüllt ; vom dunkeln Himmel blinkten zwischen treibenden Wolken hier und da einzelne Sterne hervor . In den Straßen des Städtchens war es still geworden ; aus den Fenstern der niedrigen Häuser schimmerten Lichter . Die Leute saßen nach dem frugalen Abendessen um das Ofenfeuer und erzählten einander von den Wundern der Stärke , Geschicklichkeit und Gewandtheit , deren Zeuge sie draußen auf der Finkenwiese gewesen waren , und von dem verrückten Herrn , der das hübsche Zigeunerkind , während es mit dem Teller umherging , vor allen Leuten umarmt hatte . - Die alte halbtaube Großmutter , die neben dem Ofen in ihrem Lehnstuhl nickte und die Geschichte nur halb gehört hatte , meinte : Ja , ja , Zigeuner sind Kinder des Satans , das weiß alle Welt . Mein Ur-Großvater selig hat noch ihrer fünf mit verbrennen helfen auf der Finkenwiese . In der » Grünen Mütze « , einer Fuhrmannskneipe am Eingange in das Städtchen , nahe an der Finkenwiese , ging es heute Abend sehr lebhaft zu . Die » grüne Mütze « war das Hauptquartier der wandernden Seiltänzerbande und mithin in diesen Tagen für das Fichtenauer Publikum ein anziehender Punkt . Der lange Tisch in der tabaksraucherfüllten Trinkstube konnte heute die Zahl der Gäste nicht fassen , obgleich sie sich eng genug auf den Bänken zusammendrängten ; besonders nach dem obersten Ende zu , wo die Künstler im vollen Gefühl ihrer Bedeutung und im Hochgenuß einer freien Zeche saßen und tranken . Der Director , Herr Caspar Schmenckel , präsidirte , wie sich ' s gebührte . Er hatte die Zipfelmütze abgesetzt und die große blaue Schürze sammt den hineingestopften Kissen bei Seite gethan , und erschien nun in der ebenso bequemen , wie eleganten Tracht eines Herrn , der Rock und Weste ausgezogen hat und sich über die mangelhafte Reinlichkeit seiner Wäsche im Bewußtsein seines Künstlerruhmes und seiner breiten gestickten Beinkleiderträger hinwegsetzt . - Eine größere Veränderung hatte Herr John Cotterby aus Aegypten , der seinem Herrn und Meister zur Rechten saß , mit seiner Toilette vornehmen müssen . Er trug jetzt einen grauen kurzen Rock mit grünen Aufschlägen und sah , Alles in Allem , einem hübschen Tyroler-Burschen , der er in Wirklichkeit war , ähnlicher als einem Sohne des geheimnißvollen Landes , welches der Nil durchströmt , wenn nicht der schmale Messingreif , der noch immer seine dunkeln Locken zusammenhielt , und das entsetzliche Deutsch , welches er höchst kunstreich radebrechte , seine mystische Abstammung hinreichend documentirt hätten . - Von den beiden andern Künstlern , die weiter unten am Tisch saßen , war der Eine ein bescheidener , stiller , langer Mensch , der es mit seiner Kunst ernst nahm und stets darüber grübelte , wie er in seiner berühmten Production » das tanzende Riesenfaß « noch einen neuen Zug anbringen könnte , der andere , der Clown der Gesellschaft , eine kugelrunde , possirliche Person , die jedesmal , wenn sie mit einem der Gäste anstieß , eine neue Fratze schnitt . Der Vorfall heute Abend auf der Finkenwiese zwischen dem Reisenden und der Czika , über welchen sehr eifrig debattirt wurde , war zu merkwürdig , als daß ihn Herr Schmenckel nicht in seiner Weise hätte ausbeuten sollen . Nun war freilich die Zigeunerin erst vor einigen Tagen , als er mit seiner Truppe durch die Berge von Braunburg nach Fichtenau zog , ganz zufällig mit ihrem Kinde zu ihm gestoßen , und Herr Schmenckel wußte von ihrer Vergangenheit so wenig wie irgend einer der Anwesenden ; aber um so freieres Spiel hatte seine Phantasie bei der Erfindung eines Märchens , das sich den neugierigen Gästen aufheften ließ . Ja , Ihr Herren , sagte Director Schmenckel , das ist eine geheimnißvolle Geschichte , und ich möchte sie wohl erzählen , wenn selbige nicht gar so sehr unglaublich wäre . Erzählen Sie , erzählen Sie , Herr Director , schrie ein halbes Dutzend Stimmen . Ein neues Seidel für den Herrn Director , ein anderes halbes Dutzend . Darf ich erzählen , Cotterby ? fragte Herr Schmenckel . Fiderunkankinsavalilaloramei , antwortete der Aegypter , der keine Ahnung hatte , wozu sein Herr und Meister die erbetene Erlaubniß haben wollte . Danke , Cotterby , sagte Herr Schmenckel ; meine Herren ! Ihr Wohl ! - also wie ich die Bekanntschaft von Madame Xenobi , oder Kussuk Arnem , wie sie eigentlich heißt , gemacht habe . Aber die Geschichte ist fast unglaublich und spielt in gewisse Regionen hinein , die mich zwingen , nur in allgemeinen Andeutungen - O , das thut nichts ! - Erzählen Sie nur ! riefen die Zuhörer , noch näher zusammenrückend . Na , so hören Sie denn ! - Kurze Zeit , nachdem ich Herrn Cotterby in Aegypten für