geizen , weil eine solche meistens nur mit einer größeren Unsicherheit des Stammvermögens zu erzielen ist . Sei immer deines Grundvermögens sicher , und mache die dadurch entstehende kleinere Rente durch Mäßigkeit größer . Solltest du den Rat deines Vaters einholen wollen , so wird dir derselbe nie entzogen werden . Wenn ich sterbe , oder freiwillig aus den Geschäften zurück trete , so werdet ihr beide auch noch von mir eine Vermehrung eures Eigentums erhalten . Wie groß dieselbe sein wird , kann ich noch nicht sagen , ich bemühe mich , durch Vorsicht und durch gut gegründete Geschäftsführung sie so groß als möglich und auch so sicher als möglich zu machen ; aber alle stehen wir in der Hand des Herrn , und er kann durch Ereignisse , welche kein Menschenauge vorher sehen kann , meine Vermögensumstände bedeutend verändern . Darum sei weise , und gebare mit dem Deinigen , wie du bisher zu meiner und zur Befriedigung deiner Mutter getan hast . « Ich war gerührt über die Handlungsweise meines Vaters , und dankte ihm von ganzem Herzen . Ich sagte , daß ich mich stets bestreben werde , seinem Vertrauen zu ent sprechen , daß ich ihn inständig um seinen Rat bitte , und daß ich in Vermögensangelegenheiten wie in anderen nie gegen ihn handeln , und daß ich auch nicht den kleinsten Schritt tun wolle , ohne nach diesem Rat zu verlangen . Eine Wohnung außer dem Hause zu beziehen , solange ich in unserer Stadt lebe , wäre mir sehr schmerzlich , und ich bitte in dem Hause meiner Eltern und an ihrem Tische bleiben zu dürfen , solange Gott nicht selber durch irgend eine Schickung eine Änderung herbei führe . Der Vater und die Mutter waren über diese Worte erfreut . Die Mutter sagte , daß sie mir zu meiner bisherigen Wohnung , die mir doch als einem nunmehr selbständigen Manne besonders bei meinen jetzigen Verhältnissen zu klein werden dürfte , noch einige Räumlichkeiten zugeben wolle , ohne daß darum der Preis unverhältnismäßig wachse . Ich war natürlicher Weise mit allem einverstanden . Ich mußte gleich mit der Mutter gehen und die mir zugedachte Vergrößerung der Wohnung besehen . Ich dankte ihr für ihre Sorgfalt . Schon in den nächsten Tagen richtete ich mich in der neuen Wohnung ein . Den Winter benutzte ich zum Teile mit Vorbereitungen , um im nächsten Sommer wieder große Wanderungen machen zu können . Ich hatte mir vorgenommen , nun endlich einmal das Hochgebirge zu besuchen und in ihm so weit herum zu gehen , als es mir zusagen würde . Als der Sommer gekommen war , fuhr ich von der Stadt auf dem kürzesten Wege in das Gebirge . Von dem Orte meiner Ankunft aus wollte ich dann in ihm längs seiner Richtung von Sonnenaufgang nach Sonnenuntergang zu Fuße fort wandern . Ich begab mich sofort auf meinen Weg . Ich ging den Tälern entlang , selbst wenn sie von meiner Richtung abwichen und allerlei Windungen verfolgten . Ich suchte nach solchen Abschweifungen immer meinen Hauptweg wieder zu gewinnen . Ich stieg auch auf Bergjoche , und ging auf der entgegengesetzten Seite wieder in das Tal hinab . Ich erklomm manchen Gipfel und suchte von ihm die Gegend zu sehen und auch schon die Richtung zu erspähen , in welcher ich in nächster Zeit vordringen würde . Im ganzen hielt ich mich stets , soweit es anging , nach dem Hauptzuge des Gebirges , und wich von der Wasserscheide so wenig als möglich ab . In einem Tale an einem sehr klaren Wasser sah ich einmal einen toten Hirsch . Er war gejagt worden , eine Kugel hatte seine Seite getroffen , und er mochte das frische Wasser gesucht haben , um seinen Schmerz zu kühlen . Er war aber an dem Wasser gestorben . Jetzt lag er an demselben so , daß sein Haupt in den Sand gebettet war und seine Vorderfüße in die reine Flut ragten . Ringsum war kein lebendiges Wesen zu sehen . Das Tier gefiel mir so , daß ich seine Schönheit bewunderte und mit ihm großes Mitleid empfand . Sein Auge war noch kaum gebrochen , es glänzte noch in einem schmerzlichen Glanze , und dasselbe , so wie das Antlitz , das mir fast sprechend erschien , war gleichsam ein Vorwurf gegen seine Mörder . Ich griff den Hirsch an , er war noch nicht kalt . Als ich eine Weile bei dem toten Tiere gestanden war , hörte ich Laute in den Wäldern des Gebirges , die wie Jauchzen und wie Heulen von Hunden klangen . Diese Laute kamen näher , waren deutlich zu erkennen , und bald sprang ein Paar schöner Hunde über den Bach , denen noch einige folgten . Sie näherten sich mir . Als sie aber den fremden Mann bei dem Wilde sahen , blieben einige in der Entfernung stehen und bellten heftig gegen mich , während andere heulend weite Kreise um mich zogen , in ihnen dahin flogen , und in Eilfertigkeit sich an Steinen überschlugen und überstürzten . Nach geraumer Zeit kamen auch Männer mit Schießgewehren . Als sich diese dem Hirsche genähert hatten und neben mir standen , kamen auch die Hunde herzu , hatten vor mir keine Scheu mehr , beschnupperten mich , und bewegten sich , und zitterten um das Wild herum . Ich entfernte mich , nachdem die Jäger auf dem Schauplatze erschienen waren , sehr bald von ihm . Bisher hatte ich keine Tiere zu meinen Bestrebungen in der Naturgeschichte aufgesucht , obwohl ich die Beschreibungen derselben eifrig gelesen und gelernt hatte . Diese Vernachlässigung der leiblichen wirklichen Gestalt war bei mir so weit gegangen , daß ich , selbst da ich einen Teil des Sommers schon auf dem Lande zubrachte , noch immer die Merkmale von Ziegen , Schafen , Kühen aus meinen Abbildungen nicht nach den Gestalten suchte , die vor mir wandelten . Ich schlug jetzt einen andern Weg ein . Der Hirsch ,