ein hübsches Talent des Reimens zu patriotischen Huldigungen an das angestammte Fürstenhaus benutzt , auch in öffentlichen Gesinnungskundgebungen war sie bereits so oft aus dem Kreise des Gewöhnlichen heldenmüthig herausgetreten , daß man ihr unstreitig einen Anflug höherer inspirirter Schwärmerei zuerkennen und den strengen Aufschlag ihrer großen blauen Augen unter solchen Verhältnissen bedeutend finden mußte . Siegbert betrachtete sie nun nicht ohne eine gewisse Ehrfurcht . Denn dies feierliche Mädchen war es ja , die neuerdings auch den sogenannten Reubund mit hatte stiften helfen . Eine Anzahl verwandter Seelen war ja aus eigenem freien Triebe vor kurzem zusammengetreten , um durch mancherlei Einwirkungen auf die öffentliche Meinung dem Fürstenhause zu erkennen zu geben , daß das Volk , für dessen wahre Vertreter sie sich erklärten , die Art und Weise , wie es bei den letzten Stürmen den Fürsten gewisse Concessionen abgetrotzt hatte , jetzt bereue . Keine Dame , die mit einem Offizier oder Beamten verheirathet war , unterließ es , sich in diesen Reubund aufnehmen zu lassen , für dessen Seele und eigentliche höhere Schwinge Friederike Wilhelmine von Flottwitz gelten konnte . Wo nur irgend ein tapferes Regiment triumphirend zu empfangen , eine Kaserne mit zweckentsprechenden Blumen zu schmücken war , ordnete sie diese vom Reubunde unterstützten Manifestationen in eigener Person an . Manchen Kuß schon hatten ihre jungfräulichen Lippen auf die Hände eines tapfern alten Generals gedrückt ; zu ihrer seligsten Befriedigung auch schon einen auf die silberne Schärpe des Prinzen Ottokar , als dieser von der Unterdrückung einer anarchischen Bewegung im Osten siegreich zurückkehrte . Während sich Siegbert über diese unerwartete und jedenfalls höchst interessante Bekanntschaft in schweigende Bewunderung verlor , fuhr Frau von Trompetta mit immer festerer Bestimmtheit und ihres hohen Einflusses bewußt fort : Ihr Bild , bester Freund , ist wunderschön , vortrefflich der Ausdruck des Molay und der Tempelherren , die mit ihm verbrannt werden , ich sage ganz hinreißend , aber -der Kunstverein ist schwierig . Wissen Sie ' s schon ? Ich weiß , was Sie sagen wollen , gnädige Frau , fiel Siegbert erröthend ein , Propst Gelbsattel haßt Alles , was an den Lessing ' schen Huß und die Physiognomieen der Cardinäle erinnert , die ihn verbrennen ließen . Propst Gelbsattel bestimmt die Meinung des Kunstvereins ; folglich wird man meinen Molay nicht ankaufen ..... Es wäre nicht unmöglich , sagte Frau von Trompetta ; allein , geben Sie mir den Arm - man hat Connexionen , Gelbsattel protegirt mich , und Fräulein Friederike Wilhelmine interessirt sicher auch den Reubund für den Ankauf Ihres Bildes . Aber dann muß ich mir bedingen , Wildungen , daß Sie mir auch in mein Gethsemane ein Blatt malen , hören Sie , daß ist die Bedingung ! Wann darf ich Ihnen das Format schicken ? Was wollen Sie malen ? Und wann hab ' ich Ihren Beitrag zu erwarten ? Siegbert war schon vollkommen unterrichtet , was das Gethsemane der Frau von Trompetta zu bedeuten hatte . Unter dem Titel jenes Gartens , in welchem der Heiland der Welt unter Thränen betete , ehe er den schweren Gang seiner Leiden antrat , beabsichtigte die rührige und in der systematischen Wohlthätigkeit unübertreffliche Frau ein Album anzulegen , in welches ihr die vorzüglichsten Künstler die einzelnen Blätter , wie sich von selbst versteht unentgeltlich , malen mußten . Durch diese Zumuthung war die gute Frau freilich eine rechte Plage der Kunstwelt geworden , der Schrecken aller Ateliers ; allein die löblichen , von dem Hofe protegirten Zwecke dieser Dame machten eine Weigerung , ihren Ansinnen zu entsprechen , kaum möglich . Das Gethsemane sollte , wenn es vollendet war , entweder vom Hofe angekauft und im Landesmuseum niedergelegt oder auf dem Wege einer Lotterie für irgend einen glücklichen Treffer ausgespielt werden . Welchem barmherzigen Institut , welchem mildthätigen Zwecke der Ertrag dann zuzuwenden , behielt sich Frau von Trompetta noch vor , und man kann sich denken , wie sehr ihr deshalb von vielen Seiten ebenso sehr gehuldigt , wie von den unglücklichen gepreßten Malern heimlich und wol auch offen geflucht wurde . Um heute nur von ihr loszukommen und der durch diese Begegnung angeregten schmerzlichen Gefühle Herr zu werden , sagte Siegbert in Gottes Namen zu und gelobte , auch seinerseits in das Gethsemane irgend ein frommes buntes Blatt zu stiften . Als er ihr feierlich die Zusage gegeben hatte , binnen vier Wochen seinen Beitrag abzuliefern , winkte Frau von Trompetta dem Wagen , der ihnen langsam gefolgt war . Fräulein Wilhelmine , die unterwegs jeden Krieger , der ihnen begegnete , liebevoll und fast vertraulich gegrüßt hatte ( denn es war eine Hauptaufgabe des Reubundes , das durch jene erwähnten Concessionen untergrabene Selbstvertrauen des Kriegerstandes wieder mehr zu heben und zu kräftigen ) , wandte sich rasch dem geöffneten Wagenschlage zu , als belästige sie die Überzeugung , daß Siegbert ' s Gesinnung der ihrigen nicht verwandt war . Frau von Trompetta aber hatte alle strengen Falten ihres Antlitzes nun verscheucht und lobte den jungen Maler überdiemaßen , daß er sie begleitet , vortrefflich unterhalten und vor allen Dingen sich für ihr Gethsemane hatte gewinnen lassen . Beim endlichen Abfahren rief sie ihm noch zu : Zur Belohnung , Wildungen , sage ich Ihnen , daß Ihr Bruder Dankmar angekommen ist . Ich sah ihn unter dem großen Thorweg der Lasally ' schen Reitschule . Damit rollte der Wagen die Chaussee entlang , dem schon ganz nahen Tempelheide zu , dessen kleine Kirchenfenster in den goldener werdenden Strahlen der sich senkenden Sonne feurig herüberblitzten . Mein Bruder schon da ! rief es laut in Siegbert , während er sich eilends in Bewegung setzte , um die verlorene Strecke wieder einzuholen . Diese abscheuliche Frau ! Sie erfuhr von mir , wie sehnsüchtig ich den Bruder erwartete , und statt mir seine Ankunft sogleich herzlich mitzutheilen , schleppt die Falsche , die Heuchlerin mich den Weg zurück nur um ihres Vortheils willen , um dieses zudringlich erbettelte Gethsemane ! Welche Lüge