die Grisi sah , da war ich fest davon überzeugt , daß Gott den Menschen nur der Beine wegen geschaffen hat ; gern hätte ich mich köpfen lassen ; es wäre mir einerlei gewesen ; ich hielt den Kopf für wertlos , und ich begriff nicht , weshalb die Beine nicht die Ehre haben , oben zu stehen , und weshalb der Kopf nicht nach unten geht - mit einem Worte : die Beine hatten meinen Verstand auf den Kopf gestellt . Ist es die Kraft des kleinen Fußes , aus dem das Bein so schlank emporsteigt wie ein Lilienstiel aus der Wurzel , der den ganzen Leib so graziös zu tragen weiß wie der Stamm einer Fächerpalme seine prächtig harmonische Krone - oder ist es der Schwung des ganzen Körpers , wenn er in sanften Wellenlinien melodisch dahinschaukelt und all unsere Gedanken mit fortreißt in das wogende Meer der Sinnlichkeit , was uns dem Tanz einer Grisi mit wahrhaft religiöser Andacht zuschauen läßt ? Ich weiß es nicht , aber ich danke dir , Mutter Natur , daß du nicht nur deine Vulkane ihre Flammen gen Himmel schleudern und deine tannenbewachsenen Felsen so herrlich mit blitzendem Schnee prangen läßt , sondern daß du auch Rosen und Lilien geschaffen hast , und ich liebe dich , weil du so graziös und so bezaubernd bist , herab von den ewigen Sternen , dort oben in dem Blau der Unendlichkeit , bis hinunter in die Fußspitze eines schönen Weibes . Ähnliche wohlfeile Betrachtungen durchfuhren auch den Ritter Schnapphahnski , als er nach einigen aufmerksamen Studien , zwar nicht Helenen in jedem Weibe und nicht die Grisi in jeder Korpsspringerin entdeckte , wohl aber die Bemerkung machte , daß auch in der untern Sphäre der menschlichen Gesellschaft für Geld und gute Worte des Süßen viel zu erwarten ist . Es rieselt uns kalt über den Rücken - - zum ersten Male müssen wir von Geld und zugleich von Liebe sprechen . Ja wahrhaftig , wir sehen unsern Ritter abermals eine Stufe hinabrutschen - was ihm früher die Götter aus freien Händen gegeben : er kauft es ! Liebe kaufen ! Gibt es etwas Gemeineres ? Als einst am 1. Mai die Welt begann - ich glaube nämlich , daß die Welt am 1. Mai ihren Anfang nahm und nicht am 1. Januar , wie man fälschlich vermuten möchte , sintemalen die armen nackten Menschen , da sie nicht mit Stiefeln und Sporen auf die Welt kamen , ja im Januar sofort wieder erfroren wären - als , wie gesagt , die Welt am 1. Mai ihren Anfang nahm und die goldne Sonne lachte und die Blumen dufteten und die Quellen rieselten , da sprach der Spatz zu der Spätzin : Spätzin , ich achte dich ! Da sprach der Haifisch zu seinesgleichen : Fräulein Haifisch , ich verehre Sie ! Da brüllte der Löwe zu der Löwin : Löwin , du gefällst mir ! Und der Mann sprach zum Weibe : Frau , ich liebe dich ! Das war eine schöne Hochzeit . Man trank Burgunder und aß Austern nach Herzenslust . Menschen und Tiere saßen in bunter Reihe , und als das Bankett vorüber war , da siedelten sich die Spatzen in den Lüften an , die Haifische im Wasser , die Löwen in der Wüste und die Menschen in Ninive , Babylon , Bagdad , Petersburg , Paris , Wien , Breslau usw. Lange Zeit ging dies gut . Die Männer fanden stets ihre Frauen und die Frauen ihre Männer , was die vielen artigen Buben und Mädchen bezeugen , die heuer in der Welt herumstreifen , und die Männer und die Frauen nahmen sich einander , wie es gerade kam , so und so . Als dann aber mit der Zeit die Zahlen und das Geld erfunden wurden und das Wechselrecht und die politische Ökonomie und als die Menschen immer klüger und gescheiter wurden und folglich immer eitler und wählerischer , da hörten sie auch allmählich auf , sich so ohne weiteres zu lieben , und jeder trachtete nur danach , sich eine solche Frau zu verschaffen , wie sie gerade für seinen Beutel , für seine Wechsel oder für seine Ökonomie paßte . Mit einem Worte : Es stellte sich eine durch Interessen geregelte Nachfrage nach Menschen ein , der durch eine angemessene Zufuhr begegnet wurde . Der Weltmarkt der Heirat begann , die Männer und die Frauen fingen an , sich gegenseitig zu kaufen ! - Von diesem Augenblick an kann man alles Unglück datieren . Die Ökonomie war in die Liebe gefahren , der Mensch wurde ein Artikel , der nun hinfort von der Nachfrage und der Zufuhr abhing und alle Leiden der Überproduktion mit der Wolle , der Baumwolle , dem Flachs usw. teilte . Wer nicht ein verheirateter Gardemajor , ein Landgerichtsrat , ein Bankier , ein Bischof wurde , der sank zu einem Schneider , zu einem Steinklopfer , zu einem Tagelöhner oder dergleichen hinab , und die lieblichen Weiber , die keine Gräfinnen , Hauptmänninnen , Kaufmannsfrauen oder sonst etwas wurden , die endeten als Gemüseweiber , Bajaderen und mitunter auch als Ballettänzerinnen . Eine solche , aus der Überproduktion hervorgegangene Ballettänzerin kaufte sich unser Schnapphahnski . Armes Kind ! Wenn du getanzt hattest , so mußtest du lieben - weder aus Liebe tanzen noch aus Liebe lieben , sondern tanzen und lieben des lieben Brotes wegen - den Brottanz der Liebe ! Doch unser Ritter hatte ein ritterliches Herz . Eines Tages , als er die Reize seiner Schönen genugsam bewundert , als er ihren Fuß geküßt , ihre Taille umfangen und ihre schwarzen Flechten um die weiße patrizische Hand gewickelt hatte , da schwur er bei allem , was ihm heilig war , bei den Lakaien in O. , bei dem Duell in Troppau und bei dem Hohnlächeln Carlottens , daß er ihr , seiner Tänzerin , einen Schmuck kaufen wolle , reich wie ihre Haarwellen , funkelnd wie ihre Augen