ihr Liebesglück zerstört . Nun reisten die beiden Frauen , da sie sich in Paris nicht sicher glaubten , nach Wien . Denn Alice hatte es über sich genommen , das arme Kind , das sie als ein letztes heiliges Vermächtniß aus einer Zeit betrachtete , wo sie selbst noch wahrer Liebe fähig war , vor dem Pesthauch frivoler Verhältnisse zu bewahren . Von Wien aus schrieb sie an den Fürsten , machte ihm wegen seines Verraths Vorwürfe und kündigte ihren festen Entschluß an , ihre Freundin gegen seine Verfolgungen zu schützen . Er kam darauf selbst nach Wien und versprach Alicen , von nun an keinen Schritt zu thun , der ihr Mißfallen erregen könne . - So kehrte das alte vertraute Verhältniß zwischen ihm und Alice zurück und durch seine Vermittlung war sie in den engeren Kreis des Metternichschen Hauses eingeführt worden , wo sie durch ihre unendliche Anmuth und durch den unwiderstehlichen Reiz , welcher ihr ganzes Wesen durchwehte , sich in kurzer Zeit ein festes Terrain zu erobern , und besonders das Vertrauen der Fürstin zu erwerben gewußt hatte . Der Einfluß , welchen sie durch ihre Zurückhaltung und die Kunst bescheidener und feiner Schmeichelei gewann , wurde in ihrer geschickten Hand zu einem Schlüssel für manches bald diplomatische bald neotische Geheimniß , und nur ihrer großen Vorsicht hatte sie es zu danken , wenn dieser Schlüssel ihr nicht wieder genommen wurde . So hatte sie es bald dahin gebracht , daß sie in dem Hause der Fürstin keinen Feind - ja - was noch mehr sagen will - keine Feindin und nur sehr wenige Beobachter hatte . Unter diesen fürchtete sie jedoch nur einen ; es war der Beichtvater der Fürstin - Pater Angelikus . Vor seinen Blicken - das fühlte sie wohl - konnte die Rolle , welche sie spielte , nicht ganz undurchschaut bleiben : so faßte sie - - nach dem Grundsatz : » nur ganzes Vertrauen schützt gegen den Mißbrauch des halben « - den Plan , nicht etwa , ihn zu ihrem Vertrauten zu machen , sondern sich selbst , durch den Schein ihres Vertrauens , zu seiner Vertrauten zu machen . Und dies gelang ihr endlich , nachdem sie lange vergebens alle ihre Mittel verschwendet . Schon das erste Mal , als sie mit dem Beichtvater und Lichninsky bei der Fürstin Metternich zusammentraf , gewahrte sie durch die dicke Rinde , mit der der Pater seine Brust und die darin gährenden Leidenschaften umpanzert hatte , den tiefen Haß desselben gegen den Fürsten hindurchscheinen . Ein zweiter Blick auf Lichninsky belehrte sie , daß dieser , dessen Charakter zu studiren sie hinlänglich Gelegenheit gehabt , zwar keine Ahnung von diesem Hasse hatte , dennoch aber die Gesellschaft des Paters gerade nicht aufsuchte . - Die Ursache dieses eigenthümlichen Verhältnisses zu erforschen , wollte ihr lange Zeit nicht gelingen . Endlich griff sie zu dem äußersten Mittel , den Pater als Seelenarzt bei Lydia einzuführen . Der Eindruck , welchen das Schicksal und der wehmüthige Anblick des guten Kindes auf Angelikus hervorbrachte , war ein gewaltiger . Der harte , kalte Priester war bis ins Innerste erschüttert . Jetzt hatte Alice , die während der ganzen Scene keinen Blick von seinen Zügen verwandt , auch den Schlüssel zu diesem Geheimniß gefunden . Es ist wahr , ihre arme Freundin verdiente gewiß das tiefste Mitgefühl , aber solchen Eindruck , wie sie ihn auf den Pater hervorbrachte , konnte nur aus ähnlicher Erfahrung , aus gleichen Leiden hervorgehen . Ein Gedanke an Lichninskys frivolen Charakter führte Alicen schnell auf die richtige Vermuthung , daß ihr eigenes Schicksal vielleicht mit dem des Paters große Aehnlichkeit habe . - Gestehen Sie , Angelikus - sagte sie einige Wochen nach jener Scene , während dessen der Pater seine Besuche bei Lydia eifrig fortgesetzt hatte , im Verfolg eines Gesprächs über den religiösen Trost gegen das Unglück der Liebe - gestehen Sie , daß im Grunde damit nur erreicht wird , daß man eine Schwärmerei gegen die andre austauscht . Oder glauben Sie - Alice legte einen Nachdruck auf das letzte Wort - daß die Religion gegen den Schmerz betrogener Liebe wirklich tröstet ? Bei Lydia würden Sie sich gewiß täuschen . - Ich verstehe Sie nicht , theure Freundin - erwiederte Jener , der sehr gut verstand , indem er seine Bewegung zu verbergen suchte . - Sie verstehen mich sehr wohl . Sind Sie , antworten Sie aufrichtig , durch den Trost der Kirche von allen Leidenschaften , von Liebe und Haß , geheilt ? - O , frommer Vater , Sie täuschen mich nicht . Sie lieben und hassen noch , eben so glühend wie früher , vielleicht noch glühender . - Der Pater schwieg , aber eine flüchtige fieberhafte Röthe bedeckte seine Stirne , als er aufstand und , Alicen die Hand reichend , mit bebender Stimme und düsterer Miene sagte : Wohlan , Sie mögen Recht haben , und weil Sie Recht haben , so will ich von diesem Augenblick Ihr Freund sein , weil ich Ihr Feind zu sein nicht den Muth habe . Sie sehen , daß ich aufrichtig bin . Aber nun dringen Sie nicht in mich . Später werde ich Ihnen den Beweis geben , daß , wo ich liebe und hasse , ich Grund zu Beidem habe . Mit einem Blicke , in dem eine bis zur Wildheit tiefe und verzehrende Leidenschaft blitzte , verließ er sie schwankenden Schrittes . Seit diesem Gespräch hatten sie absichtlich dies Thema vermieden . Alice war nicht neugierig , und sie beruhigte sich über das Schweigen des Paters mit dem Grunde , daß er selber nicht wissen konnte , wie weit sie bereits in sein Geheimniß eingedrungen sei . Selbst als sie seiner Forderung , Zeuge des Gesprächs mit Lichninsky zu sein , nachgab , hatte sie keine derartige Bedingung gestellt , weil sie in dieser Forderung selbst schon eine Concession erblickte . Kehren wir nun nach dieser Abschweifung zu