Haus und versprachen sie als ihre Söhne aufzuziehen . War es darum , daß Hans Jochem von der Mutter noch eine fette Erbschaft liegen hatte , die ward verwaltet beim Dom zu Havelberg , und Hans Jürgen war blutarm ? Die Edelfrau hatte doch gesagt , als sie die Waisen in ' s Schloß nahm , sie sollten sein , da der Herrgott ihr und ihrem Gottfried keine Söhne geschenkt , als ihre eigenen Söhne , und viel Liebes und Gutes hatte sie noch gesprochen über die armen Kindlein , denen der Herr erst die Mütter genommen und dann die Väter . Die Edelfrau war eine wackere Frau , und was sie sprach , das meinte sie ; aber Worte sind Wind , wenn die Thaten nicht darauf folgen , und der Sinn des Menschen ist wandelbar . Hans Jochem hatte ein glatt Gesicht und ein paar muntere Augen , er wußte es Allen recht zu machen , und sie lachten und waren ihm gut ; aber Hans Jürgen - man weiß nicht , wie man mit ihm dran ist , sagten , die nichts Schlimmes sagen wollten . Böses wußte man nicht von ihm , aber warum that er nichts Gutes ? Andere hätten fragen mögen , aber warum that er nicht , was gut war , daß es die Leute sahen ? Er ist tückisch , sagten Einige , denn er thut das Maul nicht auf . Aber wenn er es aufthat , ließen ihn die Anderen nicht zu Worte kommen . Er kann nichts Gescheidtes vorbringen . Er hatte ja nicht Zeit dazu ; sein Mundwerk ging langsam , und wenn er anfangen wollte , setzte ein Anderer fort , was er sagen wollte , aber nicht wie er es wollte , und wenn er ein ernstes Gesicht machte , lachten sie aus vollem Halse . Ihm fehlen die Gedanken , sagte der Dechant . Sie ließen ihn ja nichts denken , dachte Hans Jürgen . Glatt war sein Gesicht nicht und munter seine Augen auch nicht ; es lag darin ein Ausdruck , ich weiß nicht wie , aber die Leute sagten , das ist ein verdrossener Bursch oder er ist schläfrig . Wenn Hans Jürgen das Bild lange im Fließ sah , wurde das Gesicht allmälig ein anderes , und es tropfte etwas in ' s Wasser . Aber nur auf einen Augenblick , denn gleich darauf war es ganz roth , und ärgerlich wischte er mit dem Ellenbogen über die Augen : » ' S ist gut , daß das Keiner gesehen hat , « murmelte er und warf sich in die Brust . Aufgerichtet ging er , den Hals weit aus den Schultern , am Fließe auf und ab und dachte wieder : » wenn ich auf einem gerüsteten Pferde säße , wir wollten doch sehen , ob ich nicht auch ein Ritter würde . « Aber wenn das laute Gelächter von drüben herschallte , war ' s , als fuhr er wieder zusammen . Die andern spielten Plumpsack mit den nassen Tüchern , sie neckten , haschten und warfen sich , wie lustige Kinder thun , denen jede Arbeit zum Spiele wird . Wer allein ist , hascht und neckt sich nur mit seinen Grillen und bösen Gedanken . Nicht , daß er Stund aus Stund ein bei dem Leder Schildwacht hätte stehen müssen , und keinen Fuß breit fortgedurft , aber er gehörte doch nicht zu den anderen . Wäre er zu ihnen getreten , sie hätten ihn nicht fortgewiesen , aber er wäre immer an der Reihe gewesen beim Suchen und Haschen , und wenn die Knechte die großen Decken spannten und loosten , wer in die Luft fliegen sollte , so wußte er , das Loos hätte ihn getroffen . Er wußte auch , daß die Andern dachten , er sei muckisch , er halte nicht zu ihnen , weil er was für sich sein wollte . » Und das will ich auch , « brach ein verstohlener Gedanke unwillkürlich aus seiner Brust , » laßt mich nur älter werden und größer , « und dabei stieß er den kurzen Jagdspieß so fest vor sich , daß er mit dem stumpfen Ende in dem Boden wurzelte . Es war ganz still geworden , die Abendluft wehte drüben durch die Elsenbrüche ihm recht erquicklich auf das heiße Gesicht . Von dem fernen Kloster Lehnin klang die Abendmette . Er schüttelte den Kopf : » Nein , ein Mönch will ich nicht werden . « - » Auch so Einer nicht , « setzte er nach einer Weile hinzu , als er den Krämerwagen in das Lager einbiegen sah . Wie schon über den Gedanken unwillig , wandte er ihm rasch den Rücken . Der Wind , der zwischen den Hügeln sich fing , fuhr ihm entgegen , und er empfand einen heftigen Schlag in ' s Gesicht . Hans Jürgen hob zornroth den Arm - aber es war kein Lebendiger , der es sich erfrecht , auf ihn zu schlagen , kein Mensch , kein Arm , den er wieder schlagen konnte , es war das Stück Wäsche , davor er Schildwacht stand . Aufgeschwellt von der Luft , schwenkte es hin und her , und die willenlosen nassen Beinriemen waren ' s , die ihm um die Ohren peitschten . Es zuckte ihm durch die Finger , er war wieder hochroth , aber jetzt war es Scham wie Zorn und schon hob er die Hand auf nach dem verdrießlichen widerwärtigen Leder : » Mag der alte Herr Götze , « dachte oder kochte es in ihm , » auf dem bloßen Sattel reiten , ich will nicht länger Fahnenwache stehen vor seinen Büchsen ! « Die schöne , feingegerbte Elennshaut , so sauber gewaschen , geklopft , gerieben und gebürstet , war in Gefahr , in den Sand geworfen zu werden , wenn nicht ein Schrei ihm in ' s Ohr geklungen hätte . Ein durchdringender , feiner Schrei