Familie eingeflößt . Wenn nun Clara nach solcher Mittheilung ihre kleine Freundin glücklich pries , und sie um die Eintracht ihrer Eltern und die Liebe ihres Bruders beneidete , da sie Beides entbehrte , wenn Jenny sie dringend bat , zu ihr zu kommen und das Alles mit ihr zu genießen , hatte Clara immer verlegen geantwortet , sie dürfe das nicht . Endlich hatte Jenny sie einmal beschworen , ihr den Grund zu sagen , warum sie nicht zu ihr kommen könne , da hatte Clara ihr mit Thränen erklärt , sie dürfe nicht , weil Jenny ' s Eltern Juden wären und ihre Eltern diesen Umgang niemals gestatten würden . Jenny wurde glühend roth , sprach aber kein Wort , und gab nur schweigend der weinenden Clara die Hand . Die nächsten Stunden saß sie so zerstreut da , daß weder Lehrer noch Mitschüler sie erkannten . Sie dachte über Clara ' s Worte nach , und es wurde ihr klar , wie sie allein und einsam in der Schule sei , wie keines von den ihr befreundeten Mädchen sie besuche , oder ihre Einladungen annähme , außer bei solchen Gelegenheiten , wo man die ganze Klasse einlud , und sie , ohne es zu auffallend zu machen , nicht zurücklassen konnte . Sie erinnerte sich der ewigen Frage , bei wem sie eingesegnet werden würde , und des Lächelns , wenn sie den Namen des jüdischen Predigers nannte . Es schien ihr unerträglich , künftig in diesem Kreise zu leben , und als sie nach Hause kam , warf sie sich weinend den Eltern in die Arme , flehentlich bittend , man möge sie aus der Schule fortnehmen . Alle Thränen , die sie in der Schule standhaft unterdrückt hatte , brachen nun gewaltsam hervor . Eduard kam dazu , und bei der Schilderung , die sie von ihrer Zurücksetzung und Ausgeschlossenheit machte , deren sie sich jetzt plötzlich bewußt geworden war , fühlten ihre Eltern und ihr Bruder nur zu lebhaft , daß sie auch dies geliebte Kind nicht gegen die Vorurtheile der Welt zu schützen , ihm nicht die Leiden zu ersparen vermochten , die sie selbst empfunden hatten und nun wieder mit ihm erdulden mußten . Jenny länger in der Anstalt zu lassen , fiel Niemand ein , weil man das bei ihrem Charakter fast für unthunlich hielt und mit Recht fürchtete , daß ihre Fehler , die man zu bekämpfen wünschte , dort unter diesen Verhältnissen nur wachsen könnten . Man gab also den Besuch der Schule wieder auf , und Jenny sollte wieder zu Hause unterrichtet werden , wobei man aber die Aenderung machte , daß man ihr Therese Walter , die Tochter einer armen Beamtenwittwe , zur Gefährtin gab , die in der Nachbarschaft wohnte und mit der sie von früh auf bekannt gewesen war . Jenny hatte bis dahin für Therese keine besondere Zuneigung gefühlt . Jetzt , getrennt von der Schule , in welcher Umgang mit Mädchen ihr zum Bedürfniß geworden war , wurde Therese ihr Ersatz für diese Entbehrung , ja , ihr einziger Trost . Es bildete sich dadurch allmälig eine Freundschaft zwischen den beiden Mädchen , die sich sonst wohl niemals besonders nahe getreten wären , da Theresens mittelmäßige Anlagen , ihr ruhiges und stilles Wesen zu Jenny ' s Art und Weise nicht recht paßten , und sie derselben unterordneten , was aber freilich dazu beitrug , das Verhältniß zu befestigen . Als es nun nöthig wurde , einen Lehrer für die beiden , jetzt fast fünfzehnjährigen Mädchen zu wählen , schlug Eduard seinen Freund Reinhard dazu vor , der in sehr beschränkten Verhältnissen noch immer in der Universitätsstadt lebte , in welcher die Freunde einander begegnet waren . Reinhards Bemühungen , nach gemachtem Examen eine Pfarre zu bekommen , waren an dem Einwande gescheitert , den man gegen ihn wegen seiner burschenschaftlichen Verbindungen machte . Ein paar Jahre war er Hauslehrer gewesen , hatte die Stelle aber aufgegeben , weil sein Gehalt zwar für seine Bedürfnisse hinreichte , jedoch nicht groß genug war , seiner Mutter die Unterstützung zu gewähren , deren sie bedurfte . Seitdem hatte er durch Unterrichten und durch literarische Thätigkeit für sich und seine Mutter zu sorgen gesucht . Von Eduard Beistand anzunehmen , hatte er verweigert , und nur mit Vorsicht konnte derselbe ihm den Vorschlag machen , nach dessen Vaterstadt zu kommen , um den Unterricht der beiden Mädchen unter den vortheilhaften Bedingungen , die man ihm stellte , zu übernehmen . Eduard ' s Plan gelang . Er sah seinen Freund nach mehrjähriger Abwesenheit wieder , und fand in ihm mit großer Freude den alten treuen Gefährten , den er verlassen hatte ; doch war er im Denken und Fühlen mannigfach verändert . Ein düsterer Ernst hatte sich seiner bemächtigt . Die Armuth hatte ihn stolz , mißtrauisch und reizbar gemacht , und dadurch die Schönheit seines Charakters beeinträchtigt . Im höchsten Grade streng gegen sich selbst , wahr gegen seine Freunde , glühte er für Recht und Freiheit , hing er mit dem alten schwärmerischen Glauben dem Christenthume an , das ihm der Urquell der Wahrheit und der Liebe war . Der günstige Erfolg , den sein Unterricht im Meierschen Hause hatte , verschaffte ihm bald so viele Schüler , daß er den Aufforderungen , die in dieser Beziehung an ihn gemacht wurden , kaum genügen konnte , während sie ihm eine sorgenfreie Existenz bereiteten , da der Unterricht in der reichen Handelsstadt ganz anders als in dem kleinen Universitätsstädtchen bezahlt wurde . Er konnte seine Mutter zu sich nehmen , mit der er seine kleine freundliche Wohnung theilte , und die treffliche Frau wurde bald in vielen Familien , besonders aber im Meierschen Hause ebenso geachtet und geliebt , als Reinhard selbst . - Auf Jenny hatte der neue Lehrer einen eigenthümlichen Eindruck gemacht . Weil Eduard ihn so hoch hielt , hatte sie im Voraus die günstigste Meinung für ihn gehegt , und als