Richard gab nun ebenfalls das Schreiben auf , und die Folge davon war , daß er weder an Eltern noch Vaterland weiter dachte , und sich da , wo es ihm so wohl erging , so ganz daheim fühlte , daß ihm zu Muthe war , als sei es immer so gewesen . Master Wood war aber auch wirklich in Nottingham vom Morgen bis zum Abend dermaßen mit Arbeit belastet , daß er kaum zu sich selbst kommen konnte . Seine Londoner Freunde hatten ihm ihr Versprechen gehalten ; mit ihrer Hülfe war es ihm gelungen , sein Fabrikgeschäft um mehr als das doppelte zu erweitern , und den mit ihm rivalisirenden Nachbar Bird völlig zu überflügeln ; aber nun gab es auch doppelt zu thun . Es gab so viele Geschäftsbriefe zu schreiben , daß für andre , die ihm ohnehin nie sonderlich aus der Feder fließen wollten , weder Zeit noch Lust übrig blieb . Zeit , Gewöhnung , häusliche Leiden und Freuden , hatten auch die Thränen der Mutter früher getrocknet , als sie selbst es gedacht , und über die Trennung von ihrem Lieblinge sie getröstet . Freilich hätte sie anfangs ihm gern geschrieben , wäre sie nur in Behandlung der Feder etwas geübter gewesen ; als nun aber , mit dem steigenden Wohlstande ihres Hauses , auch ihr Haushalt sich bedeutend vergrößerte , und späterhin sogar ein neuer kleiner Ankömmling die Lücke wieder ausfüllte , welche Richards Entfernung in die Reihe ihrer Kinder gebracht , so daß sie deren wieder vierzehn um sich sah , da begnügte die gute Frau sich ganz gelassen mit den Nachrichten von ihrem abwesenden Sohne , die sie zuweilen durch Vermittelung der Londoner Geschäftsfreunde ihres Mannes aus der dritten Hand erhielt . Sie waren bis jetzt noch immer erfreulich ausgefallen ; Master Wood versäumte nie , den Richard betreffenden Punkt aus Sir Johns oder Master Smith ' s Briefen ihr vorzulesen . Ist es nicht vernünftig , für etwas das man ohne Mühe und Kosten erlangen kann , sich unnütze Schreibereien , und obendrein das theure Postgeld zu ersparen ? pflegte er gewöhnlich nach einer solchen Vorlesung zu seiner Frau zu sprechen ; und Sally nickte ihm beifällig zu , und wiegte ihr Neugebornes . Früher noch als man es gehofft stieg Moskau , gleich dem Vogel Phönix verjüngt und verschönert , aus der Asche jenes weltgeschichtlichen Brandes wieder auf , dessen unabsehbare Folgen kommenden Beschreibern unsrer merkwürdigen Zeit noch nach Jahrhunderten Stoff zu Hypothesen liefern werden . Die reichen und vornehmen Bewohner der uralten Stadt , welche , um den Schrecken jener furchtbaren Katastrophe zu entgehen , sich bei Zeiten aus derselben entfernt hatten , kehrten nach und nach in ihre wieder hergestellten Paläste zurück , und auch Fürst Andreas beeilte sich , Petersburg , wohin er damals mit den Seinen sich geflüchtet hatte , wieder zu verlassen , um bei der Vollendung seines prachtvollen Baues in Moskau selbst gegenwärtig zu sein , und die innre Einrichtung und Ausschmückung desselben , nach seinem im Auslande geläutertem Geschmacke , unter seinen eignen Augen besorgen zu lassen . Sobald alles zu ihrem Empfange eingerichtet war , folgte die Fürstin ihrem Gemahl . Nur ihre beiden Töchter und der jetzt neunjährige Eugen nebst seinem von ihm unzertrennlichen Gefährten Richard begleiteten sie . Der älteste ihrer Söhne , Prinz Isidor , blieb mit seinem Hofmeister zurück , um seine Vorbereitung zur Universität Dorpat , die er im nächsten Jahre beziehen sollte , zu vollenden . Alexis , der zweite Sohn , wurde einer der kaiserlichen Anstalten für die Bildung zur Marine übergeben ; denn diesen beschwerlichen Dienst hatte er aus freiem Antriebe sich erwählt . Das ewig heitre , mitunter wilde Treiben der beiden Knaben , die sie einen wie den andern ihre Söhne nannte , belustigte die Fürstin ungemein . Die von einem so bedeutenden Umzuge unzertrennliche Unruhe , das Hin- und Herlaufen der Arbeitsleute und Bedienten , das Packen und Hämmern , das Rufen und Lärmen vor der Abreise , und endlich die Reise selbst , beschäftigte die Kinder so angenehm und anhaltend , daß sie gar nicht dazu gelangen konnten , sich über den Abschied von ihren Petersburger Spielkameraden gehörig zu betrüben . Während der Reise , vorzüglich aber in Moskau selbst , gefiel ihnen alles ganz unendlich , denn alles war ihnen neu ; der mildere Himmel , die schönere Natur rings um Moskau , verfehlten späterhin nicht , diesen Eindruck bleibend zu machen . Prinzeßchen Natalie war schon zu wohlgezogen , um mit den beiden wilden Knaben sich viel abzugeben , die sie zwar recht lieb hatte , deren lärmende Spiele ihr aber oft Unlust und Mißvergnügen erregten . Die kleine Helena hingegen , die indessen jetzt fest genug auf ihren Füßchen stand , um sich nicht so leicht umrennen zu lassen , war und blieb ihre treue Spielgefährtin , lief , kletterte , sprang mit ihren beiden Brüdern , wie sie sie nannte , um die Wette . Zwar war auch sie einer Gouvernante , und zwar einer Deutschen jetzt übergeben , doch ihre Amme Elisabeth war , von der Fürstin Eudoxia dazu berechtigt , dennoch in Rang und Würden bei ihr geblieben . Sobald es nicht dem eigentlichen Unterrichte galt , den sie freilich ihr nicht ertheilen konnte , hatte Elisabeth die specielle Aufsicht über das Kind ihres Herzens sich nicht nehmen lassen . Nach alter , ächt orientalischer Sitte , spielen überhaupt in den Familien der russischen Großen die Ammen eine sehr bedeutende Rolle . Frauen aus den höchsten Ständen hängen lebenslänglich mit unverbrüchlicher Liebe an der treuen Pflegerin ihrer hülflosen Kindheit ; sie bleibt ihre Rathgeberin , die Vertraute ihrer Leiden und Freuden , und behält bei jeder großen oder kleinen Angelegenheit ihres Lebens eine oft entscheidende , nie unbeachtete Stimme . Alle vier Kinder wuchsen im geselligsten Familienleben mit einander heran . Mit der Zeit wurden der Spielstunden weniger , der Stunden des Unterrichts hingegen mehr , und manche der letzteren wurden ihnen