, schöpfte tief Atem und rief : » Nein , Ew . Durchlaucht , in dieser Anstellung bin ich gottlob ! nicht mehr . Nachdem ich die Welt gesehen , in Rom und Neapel meine Seele ausgeweitet , in London und Paris mich in die bewegten Wogen großer Völker gestürzt hatte , mußte ich nun mit erheucheltem Ernste protokollieren und expedieren über Dinge , die selten des Federzugs wert waren . Anfangs , solange mir die Handgriffe noch neu waren , trieb ich die Sache wie einen mechanischen Scherz , bald aber ergriff mich die furchtbarste Langeweile , und ein unergründlicher Ekel an meinen Tagen , welche sich in diesem trocknen Nichts dürr und farblos verzettelten . Das altweiberhafte Helfenwollen , wo die Natur schon immer für die Hülfe gesorgt hatte , das Bevormunden von Menschen , welche gewöhnlich klüger waren , als die Herren Vormünder , dieses norddeutsche Vielgeschrei und Vieltun ! Die unendlichen , müden Sessionen ! Kein Blick aus der quetschenden Grube in die lichte Tageshelle des Geistes , alles umbaut mit Kabinettsbefehlen , Paragraphen , Instruktionen , Akten , Tintefässern , Sandbüchsen ! Mir war in dem Getreibe zumute , wie in einer ewig klappernden und sausenden Mühle ; nur das Mehl sah ich nie , welches zu gewinnen , so viele Räder sich abarbeiteten . Zum ersten Male in meinem Leben war ich unglücklich , und als ich das recht empfunden hatte , fragte ich mich : Warum bist du es denn ? - Da tat ich mit beiden Füßen einen großen Schritt in die Freiheit , und als ich die Tore der Marterstadt hinter mir hatte , jauchzte ich laut , wie Orestes , als die Furien von ihm abließen , und - ich schäme mich des Bekenntnisses nicht - ich habe mich zu Boden geworfen , und habe die grüne Erde geküßt , der ich nach der Fahrt durch ein wüstes Papiermeer nun erst wieder anzugehören glaubte . Nein , Ew . Durchlaucht , ich bin nicht mehr Referendarius ! Ich überlasse das Metier den geistigen Nihilisten , deren ganzer Stolz darin besteht , eine Sache mehr abgemacht und aus der Welt geschafft zu haben , während der geringste Handwerker sich freut , ein sichtbares Produkt von seiner Hände Arbeit in die Welt setzen zu können . « Hermann trocknete von der Stirne den Schweiß ab , in welchen ihn diese leidenschaftliche Herzensergießung versetzt hatte . Der Herzog strich mit einer leichten Bewegung der Hand ihm über die Achsel , als wolle er da etwas wegwischen . Betroffen sah Hermann nach der Stelle hin ; er wußte nicht , was die Gebärde bedeuten sollte . » Beruhigen Sie sich « , sagte der Herzog . » Es kam mir nur so vor , als sei da noch etwas Asche von den Feuern der Wartburg sitzen geblieben ! « Siebentes Kapitel Inzwischen hatten sich andererorten im Gasthofe wichtige Ereignisse zugetragen . Der Wirt war nämlich nicht so bald innegeworden , daß sein verachteter Gast bei dem Herzoge speise , als er zu seiner Frau sagte , daß man einen solchen Herrn unmöglich auf Nummer Zwölf lassen könne . Nun war aber guter Rat teuer , denn zwischen Vormittag und Nachmittag hatte sich neuer Besuch eingefunden , so daß jetzt wirklich kein Zimmer mehr leer stand . Endlich schlug die Wirtin vor , die Kammerjungfer der Fürstin nach Nummer Zwölf zu verweisen , und Hermann dagegen die von ihr bewohnte Nummer Vier zu geben . Wo es Ungerechtigkeiten und Schelmenstücke galt , war der Wirt mit seiner Gattin immer einverstanden . Die Jungfer war , um nach ihrem Anfalle frische Luft zu schöpfen , spazierengegangen . Die redliche Wirtin unternahm es , ihr bei der Rückkunft vorzuspiegeln , daß die Decke in Nummer Vier eingestürzt sei , und daß dieser Umstand eine Quartierverändrung notwendig gemacht habe . Als Hermann vom Herzog kam , wurde er vom Wirt mit vielen Kratzfüßen nach seinem neuen Zimmer , welches sich in einem Nebenhause befand , geführt . Er freute sich der reinlichen Wohnung und des Blicks nach hinten hinaus über grüne Wiesen . Aber leider sollte dieser ruhige Besitzstand bald gestört werden . Denn er hatte kaum einige Minuten dort zugebracht , als er auf der Treppe ein heftiges Gezänk hörte . Die Jungfer war in den Gasthof zurückgekehrt , hatte von der Wirtin die Umquartierung vernommen und Nummer Zwölf besichtigt . Der Anblick dieses schauderhaften Gelasses setzte sie bei ihrer cholerischen Gemütsart in einen großen Zorn . Über den Hof streichend , fand sie die Wirtin an der kleinen Treppe im Nebenhause , und überschüttete die Frau mit einer Flut von beleidigenden Worten . Hermann riet dem Wirte , den er gern loswerden wollte , hinunterzugehn , und seiner Frau beizuspringen . Der Wirt blieb aber , machte ein ängstliches Gesicht , und rief , indem er an den Nägeln kaute : » Wir haben den Skandal hier oben noch früh genug ! « Diese Besorgnis war nur zu gegründet . Denn alsobald betraten beide Frauenzimmer die Stube , die Jungfer , mit Händen und Füßen vorwärtsstrebend , die Wirtin , vergeblich bemüht , sie am Rocke zurückzuhalten . Jene hatte sich mit eignen Augen überzeugen wollen , ob die Decke in Nummer Vier wirklich eingestürzt sei . Da sie nun sah , daß dieselbe so heil war , wie ein neugebornes Kind , so erstarrte sie anfangs über die Tücke der Wirtsleute zu einer stummen Bildsäule . Dann aber brach ein solcher Schwall von Verwünschungen aus ihrem Munde , daß man sich nur wundern muß , wie das Haus stehnbleiben konnte . Sie beschränkte sich nicht auf die eigentlichen Übeltäter , sondern ging bald auch zu Schmähungen unsres Freundes über . Dieser , gescholten , er wußte nicht , weshalb , fragte nach der Reihe herum , was denn der ganze Auftritt bedeuten solle ? Aber keiner gab ihm Antwort . Die Kammerjungfer schrie , in die Höhe deutend : » Ist da etwas eingestürzt ?