der Liebe ging über die Erde auf , und die Schatten gewaltiger , ernster , gothischer Thürme fielen kalt auf die bunten Marktplätze des Lebens . Damals , Madame , damals liebte ich - hatte ein krankes , schwaches , doch unendlich liebenswürdiges Mädchen entdeckt , es war meine eigne Seele . Kennen Sie , Madame , dies seltsame Geschöpf ? Die wahre Liebe zu ihr ist , wie jede Liebe , mit ewigen Schmerzen verbunden , doch diese Schmerzen sind süß . Nun trachtete ich nicht mehr nach den Genüssen meiner raschen Jugend , sondern saß die stillen Nächte bei meiner Liebe , sie in den Schlaf wiegend mit süßen Liedern ; in den goldnen Gärten der Provence gingen wir tändelnd mit einander , an den Altären prangender Münster knieten wir mit einander , in den Minnehöfen bei den Sprüchen schöner Frauen , ewiger Sänger , wurde uns das Räthsel unsrer eignen Glut klar , und in dem Zusammenklang göttlicher Harmonien , in den stürmischen Gebeten glühender Andacht , in Farben , Tönen , Frühlingsglanz und Todesgrauen schlug der goldene Kelch unserer Liebesblume seine prangenden Blätter mit Gesang auseinander , und wankte , von Sonnenglanz umträufelt , in den ewigen Himmel hinein ! - Ach , Freunde , vergebt eine Thräne ! o meine Jugend , meine Jugend ! Seitdem , Madame , seitdem - es muß heraus - bin ich alt geworden , die Geliebte auch . Wir heuratheten uns und bewohnen jetzt verschiedene Seiten . Wir arbeiten jetzt tüchtig an unsrer Vervollkommnung - ach , was habe ich für Schriften und Schriftchen lesen müssen , Bücher , Bücher und immer Bücher ! Dabei tönt mir oft in der Nacht bei der Arbeit das alte sehnsüchtige Lied meiner Jugend in die Ohren ; es ist entsetzlich , mir wird dann so erbärmlich zu Muthe wie einer armen zergangenen Semmel in einer kaltgewordenen Kaffeetasse ! Oh , oh ! ich klagte meine Leiden einem Arzte , der lächelte und sagte , er wüßte schon lange , daß die Zeit krank sey , er verbot mir das lange Nachtsitzen , die antiken Versmaße , und gebot mir dagegen , von den neuen Tagblättern täglich ein Dutzend zu mir zu nehmen . Meiner Frau geht ' s nicht besser , bei der treiben die Philosophen und Frommen ihr Wesen , und sie fühlt sich auch täglich kränker und gibt in matter Leutseligkeit alles zu , was man von ihr verlangt . Ja , es ist Zeit , Freunde , es ist Zeit , Madame , daß wir endlich alle schlafen gehen . Gute Nacht ! « Die Gestalt stieg jetzt vom Stuhl und wollte entschlüpfen , doch sie wurde im Triumph wieder eingeholt . Man hatte Massiello erkannt , und als er jetzt seine seltsame Kleidung näher vorwies , lachte alles , der Herzog am meisten . Die gute Stimmung schien vollkommen wieder hergestellt . Jokonde allein hatte sich im Sessel zurückgelehnt und spielte mit ihren Locken , sie mochte nicht mitlachen , weil sie nicht begriff , worin der Scherz bei der sonderbaren Rede lag , doch war sie am tollen Massiello dergleichen gewöhnt . Sie wußte , daß der Herzog ihn liebte und nicht ohne seinen Humor , wie er es nannte , leben konnte . Die Klostergeschichte des Grafen , sagte der Fürst , läßt noch immer ihre Bitterkeit spüren , da müssen wir schon zu der Musik unsre Zuflucht nehmen , um durchaus jede Spur zu vertilgen . Jokonde und der Abt traten ans Pianoforte und Massiello , der in den Notenblätter wühlte , rief : » Wenn wir Deutschen nur nicht alle Dinge so ernsthaft nähmen ; so besitzen wir auch keine durchaus fröhliche Musik . Wir kennen die kleinen seltsamen Geschöpfe , wie sie da aufs Blatt gezeichnet sind , noch lange nicht von ihrer schalkhaften Seite ; wie es uns an einer Musik fehlt , die den geistreichen Konversationston nachahmt , so ist uns auch jene fremd , welche im bacchantischen Strudel das ganze Füllhorn des Momus umstürzt und auf der Tonleiter bis in die schallenden possenhaften Laute hinauffliegt . Ich wollte einmal alle Thorheiten der Jugend in einem wunderlichen Liede zusammenfassen , es müßte ein höchst ergötzliches Lied werden ; die Musik dazu wäre ein anhaltendes ausgelassenes Gelächter . Ich glaube , damit könnte ich alle Greise und alte Mütterchen wieder jung machen . « - » Ein sonderbarer Gedanke , rief der Herzog , doch nicht ganz ohne Wahrheit ; warum bewegt uns ein herzlich Lachender immerdar zum Mitlachen , wenn wir auch die Ursache des Gelächters nicht kennen , offenbar ist es der Zauber jener hüpfenden , rollenden , schrillenden breitzerplatzenden Töne , die so mächtig auf uns wirken . Unsere Musik entfernt sich zu sehr von der Natur , sie sollte mehr Naturlaute in sich aufnehmen , und weniger Regel und Combination . « - Robert , Massiello und Eduard entfernten sich , um eine Gesellschaft von Freunden zu besuchen , die in zwangloser Laune in einem bekannten Weinhause zusammen zu kommen pflegten . Jokonde und der Abt hatten vor den Notenblättern Platz genommen ; nebenbei lag der Herzog im Armsessel , und spiele mit den Ohren des kleinen Bolognesers . Die Musik hub im weichesten Moll an , die Töne gingen wie fromme Einsiedler ins Gebirge , dann rauschte und lärmte es , wilde Gebirgswasser stürzten in den Weg , plötzlich tönte das laute Gespräch der Einsiedler dazwischen , die sich eine alte verblichene , aber großartige Sage erzählten , alles war dunkel und trübe , endlich zerriß der Wolkenflor , lachende Passagen zogen in die Höhe und ganz oben im Diskant erklang eine alberne Posse und frische Mädchenkörper schüttelten sich im anmuthig kichernden Gelächter dabei ; plötzlich trat im Baß ein alter wahnsinniger König auf und warf ganze Händevoll schwarzer Tulpen und glühender Feuerlilien in den Kreis der Mädchen ; sie flohen erschreckt auseinander , und der alte Wahnsinnige begann , mit Krone und Zepter geziert , einen