- die Kerze in der Faust , die den Sperber zu tragen geschaffen ist . « » Hast Recht ; « sprach der Jüngling , ein wenig nachdenklich werdend : » aber was hilft all das Reden gegen Vatergebot und Muttergelübde ? Die gute Mutter ! Daß sie mich zur Welt gebracht , gab ihr den Tod ; doch um dem Himmel zu danken , daß er nur mich gesund und getrost erschaffen , vermählten mich ihm ihre sterbenden Lippen , und gerne schied sie dahin , weil ich nur athmete . Mein Vater - Du kennst ihn ja , - der alte Diether Frosch , stieß sich in meiner Erziehung wenig an den Schwur der Mutter , und ließ mich adeliches Gewerb lehren . Ich lernte reiten , fechten , wälsch , hungarisch und deutsch tanzen , Falken abrichten und der Jagd obliegen , die Laute spielen und den Ball schlagen . Nothdürftig begriff ich die Kunst des Lesens und Schreibens , und war weit entfernt , zu glauben , daß es jemals Ernst werden sollte mit dem Gelübde der Mutter . Aber , da mein Vater ein anderes Weib nahm , und mir eine böse Stiefmutter gab , wurde es anders . « » Glaub ' s ; « schaltete der Edelknecht ein : » Kann auch ein Liedlein singen , wie ' s den Kindern erster Ehe geht . « » Auf einmal war ander Wetter in unsrem Hause : « fuhr der junge Mann fort . » Die Stiefmutter ein blühendes rundes Weiblein , nicht älter denn ich damals gewesen - nämlich achtzehn Jahren mit Haut und Haar , zog ein in des Bräutigams Gut und Habe , - eine rüstige Abigail zu einem ergrauten David . Seinen Reichthümern hatte die arme Freiin ihre Jugend geopfert ; er hatte seine Selbstständigkeit für die Rosen ihrer Wangen hingegeben . Der Himmel der neuen Ehe war blau , so lang die Hochzeitsfeste dauerten , dann thürmten sich winterliche Wolken daran auf . Die Rosen wollten im Schnee nicht gedeihen ; sehnten sich nach einem andern Gärtner . Der Vater hatte nicht klug daran gethan , den erwachsenen Sohn im Hause zu halten ; und ... doch es gilt Dir gleichviel , wie es geschah , daß ich aus Liebe zum Vater mit der Stiefmutter in Unfrieden gerieth . « » Nur weiter ; ich begreife schon ; « versetzte Gerhard schelmisch lächelnd . » Mit einem Wort « : fuhr der Jüngling fort : » Plötzlich brach die alte Litanei los , von dem Gelübde der Mutter , von der Verpflichtung es zu halten , und da nach Verlauf eines Jahrs die Stiefmutter eines Söhnleins genaß , war mit einem Streich mein Schicksal entschieden . Meine Schwester älter als ich und kühner , hatte schon früher das väterliche Haus im Zwist verlassen , und an Thüringens Grenze ein Gut bezogen , das ihr ein Oheim geschenkt , der Prälat eines Klosters in Wälschland ist , und den sie um Schutz angefleht gegen die böse Mutter . Ich folgte ihr bald nach , und ward zu dem berühmten Predigermönch Johannes in Obhut gethan , der das Privium und Quadrivium volle fünf Jahre mit mir durchstöberte , und mich endlich auf den Punkt gebracht hat , wo man eingeht in das Pfaffenthum . Nun schrieb mein Ohm , der Prälat , dem Vater , und forderte ihn auf , mich ihm zu senden nach Costnitz , we er Pflichtswegen dem Concilio beiwohnt . Ich soll ihm gen Wälschland folgen , auf einer hohen Schule meine Studia vollenden , und durch seinen Einfluß einer fetten Pfründe gewärtig seyn . « » Wohl dem , der heiliger Verwandtschaft sich rühmen kann ; « meinte Gerhard . » Und so ließ ich denn Alles dahinten , « fuhr der Jüngling fort : » Haus und Hof und Geld und Gut gehört dem kleinen Bruder Johannes , und ich überlasse ihm Alles gern , denn er ist ein lieblicher Bube , sofern als ich mich seiner noch entsinnen kann , bevor er seiner Gesundheit halber weggethan wurde in die Kost zu einer Amme unfern des Königsteins . Mag er in Wohlstand leben , mag ihn die Mutter verhätscheln , und der Vater Abgötterei mit ihm treiben ; mir gleichviel . Mich ernährt fürder der Altar , und ein faules Chorherrnleben ist eben nicht das Schlimmste . « » Gott erhalte Eure Lustigkeit , Junker Frosch ! « rief Gerhard : » Mit Euren Schwänken helft Ihr Euch über Alles hinüber . Und Recht habt Ihr , beim Donner . ' Skommt nur darauf an , wie man die Sache nimmt . Seyd Ihr einmal Stiftsherr , hat ' s keine Noth . Die beste Tafel , die süßesten Weine stehen Euch zu Gebot . Dm Morgen verträumt Ihr im Chor , oder schwänzt die Kirche , habt Ihr gerade nicht Lust zum Singen und Plärren . Für die Vesper mögen die Kapläne sorgen , während Ihr in Edeltracht zu Pferde sitzt , oder hinter ' m Brettspiel , oder im kühlen Keller . Die Seelsorge kümmert Euch nicht ; Ihr habt nur die Mühe , das was Ihr gelernt , zu vergessen , und wenn Euch dann nach einem Tage voll Last und Plage Euer seidnes Lager aufnimmt , so finden sich auch wohl ein Paar schöne Arme , die Euch umpfangen , ohne daß der Leutpriester den Segen darüber sprach . « » Ei du ruchloser Gauch ! « lachte der Junker : » Also verunglimpfst Du das geistliche Leben ? « » Straft mich Lügen , wenn Ihr könnt ; « rief Gerhard in Eifer : » Tretet nur einmal in ein vornehm Gestift und Ihr werdet mehr noch sehen . Machen ' s doch die Pfaffen auf dem platten Lande auch nicht besser . Der Pfarrherr hält sein Lieb im Hause , der Vikar sucht es ausserhalb . Der Domherr sieht keine zehnmal im Jahre seinen Chorstuhl , und der Bischof