sich , andere lachten , noch andere weinten . So etwas war ihnen nie widerfahren . Den zweiten und dritten Tag stand Oswald wieder vor der Hausthüre , und so noch manchen Tag , bis alle so säuberlich zur Schule kamen , wie er es befohlen hatte . Nachher empfing er sie im Schulzimmer . Wer dann mit unreinlichem Haare und Gesicht oder unsaubern Händen und Schuhen kam , ward zum Gelächter Aller auf einen Tritt zur Schau gestellt , und nachdem er eine Stunde da gestanden war , heimgeschickt , um sich reinigen zu lassen . Viele Leute im Dorfe verdroß das ; allein sie hatten in der Schule nichts zu befehlen , und mußten geschehen lassen , wie es Oswald wollte . So kam es , daß in wenigen Wochen die Schulkinder , groß und klein , arm und reich , alle äußerst reinlich am Leibe wurden , wenigstens so lange sie beim Schulmeister waren . Oswald ließ es aber dabei nicht bewenden . Nachdem die Kinder ein Vierteljahr lang zur Ordnung gewohnt waren , gab er auf die Reinlichkeit der Kleider Acht . Schmutz , Staub und Koth durften nicht daran haften , wenn auch die Kleider alt und zerrissen waren . Letzteres verzieh er ; das war nicht der Kinder Schuld . Wer die ganze Woche am reinlichsten erschienen war , sowohl in der Schule , als außer derselben , im Dorfe , auf den Gassen , in der Kirche , auf den Feldern , ward sein Liebling . Dem gab er die erste Woche ein Bild , oder ein Stücklein Seidenband , oder einen Bogen feines Papier zum Briefschreiben ; die andere Woche abermals ein kleines Denkzeichen seiner Freundschaft ; zuletzt öffentlich vor Allen einen Kuß auf den Mund , und das geküßte Kind empfing das Recht , am Sonntag mit Oswald spazieren zu gehen , oder wenn es schneite und unfreundliches Wetter war , bei ihm zu sein und sein großes Bilderbuch zu besehen , aus welchem Oswald schöne Geschichten zu erzählen wußte . Oswald war ein Mann , der sich auch bei Erwachsenen in Ansehen zu setzen wußte , der zwar nie schwor und fluchte , aber keinen fürchtete ; kein Wunder , daß alle Kinder Hochachtung für ihn empfanden , und ihn zuletzt fast mehr lieb hatten , als sie ihre Aeltern liebten . Da hätte man sehen sollen , wie ihm alle mit Ehrfurcht schmeichelten ; wie freundlich sie zu ihm liefen , wenn er ihnen begegnete ; wie sie ihm seine Wünsche aus den Augen zu lesen suchten ; wie ein Wink genug war zum freudigen Gehorsam . Das war den Bauern in Goldenthal ganz unbegreiflich , um so mehr , da dieser Schulmeister sich weder des Haselstockes , noch der Birkenruthe bediente . Manche Leute wurden ängstlich und erzählten sich die Historie von einem Ratzenfänger zu Hameln , der auch die Kinder an sich zu locken gewußt , und endlich alle in die Höhle eines Berges geführt habe , wo sie mit ihm verschwunden seien . Einige alte Bauernweiber sagten öffentlich , das ginge nicht mit rechten Dingen zu , und riethen , man solle keine Kinder mehr zum Schulmeister lassen . Doch dazu kam es nicht . Oswald aber redete und sprach : » Reinheit des Herzens ist die Gesundheit der Seele ; Reinlichkeit des Leibes ist die Gesundheit des Körpers . Die Thiere mögen sich wälzen im Koth , aber der Mensch als Gottes Ebenbild , soll sich rein erheben zum reinen Himmel . Solches muß der Anfang aller Kinderzucht sein , daß die Kindlein wissen , sie seien Menschen und viel besser als Thiere . Dann ist aus ihnen Alles zu machen ; aus den Thieren läßt sich nichts machen . « Ferner redete Oswald und sprach : » Ein Schulmeister , welcher nicht einmal versteht , die zarten Kinderherzen durch Ernst und Liebe zu leiten , daß sie ihm willig folgen , der versteht sein Handwerk schlecht . Und man sollte billig den Stock auf des Schulmeisters Rücken zerschlagen , womit er die Kinder züchtigt , als hätte er Affen , Hunde und andere Thiere abzurichten , die keine Vernunft und kein menschliches Herz haben . « 8. Was ferner in der Schule vorgeht . Es ging aber ein Geschrei im Dorfe , der Oswald verführe die Kinder , und bringe ihnen eine neue Religion bei , und die Kinder können nichts bei ihm lernen . Denn es sei erschrecklich anzusehen , wie die Kinder alltäglich daran treiben , um in die Schule zu kommen , da doch sonst die Jugend nicht gern mit dem Schulgehen zu thun hat ; das sei wider die Natur . Desgleichen sei es den ganzen Tag in dem Schulhause todtenstill , wie in einer Kirche , wo man sonst Lärmen und Geschrei der Lernenden weit hinaus über das Dorf seit Menschengedenken gehört habe ; selbst in den Singstunden töne es nur wie Bienengesumse . Ferner vernehme man , daß beim Gebet ärgerliche Neuerungen vorfallen , und daß die Kinder zur Hexerei angeleitet würden , wozu sie schon die verdächtigsten Zeichen malen lernten . Diese und andere Reden gelangten endlich selbst vor die Ohren des Herrn Pfarrers und der hochobrigkeitlichen Schulräthe in der Stadt . Und weil in der That Niemand wußte und begriff , was der Oswald treibe , ward zur Untersuchung und Abhülfe der Beschweren eine Kommission abgeordnet , die aus zwei Herren von der Stadt und dem Herrn Pfarrer bestand . Diese traten eines Morgens unerwartet , ehe die Schule angefangen war , zum Oswald und sagten , was ihr Auftrag sei , und er solle in ihrer Gegenwart lehren , wie er gewöhnlich thue . Da nun die Kinder einzeln ankamen , war auch in armen und zerrissenen Kleidern Sauberkeit und Ordnung lieblich zu schauen , und wie alle erst zum Schulmeister gingen , ihm die Hand küßten , dann sich still zu ihren Sitzen begaben , wo sie fröhlich mit einander flüsterten und auf die