der Papierwand von Vater Bertholds Schlafkammer gelesen , habe ich nicht lesen gelernt an der Stelle , wo der Palast in der Chronik steht , und habe immer heimlich daran gedacht , daß ich ihn finden müßte , und heute habe ich ihn gefunden , als mir die alte lahme Elster beim Heimgehen entlief . O sie weiß nun alles , was ich denke , und so zeigte sie mir den Weg und ließ mich nahe kommen und hüpfte weiter , wenn ich ihr den Finger hinhielt , daß sie darauf springen sollte , und so kletterte ich ihr ärgerlich über drei Mauern nach - ohne mich umzusehen - da erst sah ich mich um , denn sie rief weit von mir , Berthold , Berthold , - und mit freudigem Erschrecken sahe ich mich von den mächtigen Überbleibseln eines wunderbaren Gebäudes umgeben , eine Reihe ritterlicher Steinbilder steht noch fest und würdig zwischen ausgebrannten Fenstern am Hauptgebäude , ich sahe auch das Seitengebäude , ich sahe im Hintergrunde einen seltsamen , dicht verwachsenen Garten und allerlei künstliche Malerei an der Mauer , die ihn umgibt , - das ist Barbarossas Palast . « - » So seltsam rufen sie die Ihren « , sagte Martin in sich , » so viel Tausende haben als Kinder unter diesen Mauern gespielt und keinem fiel dies Gebäude auf , keiner dachte des Barbarossa . « - » Es ist mein « , rief der Knabe , » ich will es aushauen , und will den Garten reinigen , ich weiß schon , wo die Mutter wohnen soll . Komm mit Vater , sieh es an ! Du wirst sie alle wieder kennen in den Steinbildern , unsre alten Herzoge und Kaiser , von denen du mir so viel erzählt hast . « Bei diesen Worten zog er den alten Martin über die Trümmer der wüsten Stadtseite fort und Martin folgte ihm willig , aber mit Mühe , denn in dem einsamen Wächtergange des Turms hatte er seine Sehnen zum Klettern allzu sehr erhärtet . Da stand er endlich atemlos in der grünen Wildnis vor den Steinbildern und rief : » Wie sie mit Epheu bewachsen sind und ich erkenne sie doch , sieh , das ist Barbarossa , es ist mir doch nie so wohl geworden wie an diesem Flecke , fänden wir nur die Kapelle der heiligen drei Könige ! « - » Ich war schon drin « , sagte der Knabe » aber ich kann die Türe nicht wieder finden , auch der Alte ist fort der mich hinführte , und je mehr ich sein gedenke , desto sonderbarer fällt es mir auf , daß er dem Steinbilde des Barbarossa ähnlich war . Seht , hier saß ich und staunte alles an , da klopfte er mir auf die Schulter , der Alte in dem seltsam prächtigen Mantel , vorn mit einem roten Steine zugeheftelt , und fragte mich , ob es mir wohlgefalle , dieses Haus in den Trümmern , er habe ein steinern Bild , wie es gewesen , im kleinen ausgeführt , das wolle er mir zeigen , so solle ich es aufbauen und ich würde viel Glück in dem Hause erleben und wenig würde mir von meinen Wünschen unerfüllt bleiben . « - » Und du hast es gesehn ? « fragte Martin , indem er den Knaben auf andre Art als je ansah . » Freilich « , antwortete der junge Berthold ; » und nimmer werde ich das kleine Steinbild vergessen , ich könnte es Euch hier auf dem Boden herzeichnen . Könnte ich nur die Türe wieder finden , wo er mich einführte , es ist als ob der Alte sie mit Schutt bedeckt hat . Hier war es , meine ich , da führte er mich in einen gewölbten Gang , an dessen Ende er eine metallne Türe öffnete . Wie erschrak ich , als wir da eintraten . Das ganze hochgewölbte Zimmer , von zwei hängenden Lampen erleuchtet schien mit Gold und Edelsteinen , wie andre Häuser mit Kalk überzogen , in der Mitte stand ein Sarg und darin lagen drei hochehrwürdige Männer mit Kronen und als ich den Sarg näher betrachtete , war es dies Haus , schön neu und vollendet und schien mir gewaltig groß , ob ich gleich drüber weg und hinein sehen konnte und als ich die alten Männer näher betrachtete , so sah ich , daß der mittlere dem Alten glich , der mich hinein führte . Ich sah mich um nach dem Alten , es war mir , als wäre er es selbst , der da lag mit Königen , aber er war fort , eine Angst füllte mein Herz , ich weiß nicht warum , ich floh aus der Kapelle , aus dem Garten über die Mauer und so fand ich Euch Vater Martin . « - » Warum flohst du dein bestes Glück , unglücklicher Knabe ? « rief Martin . » Aber so ist ' s mit dem Menschen , der bildet sich viel auf seine Natur ein und meint , seine Liebe und sein Haß , seine Furcht und Hoffnung müssen einen wahren Grund und Boden in der Welt haben . « Der Knabe sah den Alten an und verstand ihn nicht , sondern fuhr in seiner Rede fort : » Mir ist noch immer so bange , ich fürchte , der Alte ist ein Geist gewesen . « Martin fuhr eben so in seinen Gedanken fort : » Wir schaudern vor den Geistern und gehen doch lange schon als abgeschiedene Geister umher , wenn uns die Lebenden noch für mitlebend halten . Höre nicht auf mich , mein Sohn , ich bin hier so vergnügt , wie ich lange nicht gewesen und da schwatze ich mit mir selbst . Wie die Linden schön herduften , die den Garten schließen , mir ist nie so wohlgemut gewesen . Gott führt auf immer neuen Wegen zum Heil , unser Leben ist wie