Gott und Menschen zu überlisten trachtet ? Das ist ein eitles , nichtsnutziges Spiel , und es hilft Euch doch nichts , denn es ist nichts groß , als was aus einem einfältigen Herzen kommt . Das heißt recht dem Teufel der Gemeinheit , der immer in der Menge wach und auf der Lauer ist , den Dolch selbst in die Hand geben gegen die göttliche Poesie . Wo soll die rechte , schlichte Sitte , das treue Tun , das schöne Lieben , die deutsche Ehre und alle die alte herrliche Schönheit sich hinflüchten , wenn es ihre angebornen Ritter , die Dichter , nicht wahrhaft ehrlich , aufrichtig und ritterlich mit ihr meinen ? Bis in den Tod verhaßt sind mir besonders jene ewigen Klagen , die mit weinerlichen Sonetten die alte schöne Zeit zurückwinseln wollen , und , wie ein Strohfeuer , weder die Schlechten verbrennen , noch die Guten erleuchten und erwärmen . Denn wie wenigen möchte doch das Herz zerspringen , wenn alles so dumm geht , und habe ich nicht den Mut , besser zu sein als meine Zeit , so mag ich zerknirscht das Schimpfen lassen , denn keine Zeit ist durchaus schlecht . Die heiligen Märtyrer , wie sie , laut ihren Erlöser bekennend , mit aufgehobenen Armen in die Todesflammen sprangen - das sind des Dichters echte Brüder , und er soll ebenso fürstlich denken von sich ; denn so wie sie den ewigen Geist Gottes auf Erden durch Taten ausdrückten , so soll er ihn aufrichtig in einer verwitterten , feindseligen Zeit durch rechte Worte und göttliche Erfindungen verkünden und verherrlichen . Die Menge , nur auf weltliche Dinge erpicht , zerstreut und träge , sitzt gebückt und blind draußen im warmen Sonnenscheine und langt rührend nach dem ewigen Lichte , das sie niemals erblickt . Der Dichter hat einsam die schönen Augen offen ; mit Demut und Freudigkeit betrachtet er , selber erstaunt , Himmel und Erde , und das Herz geht ihm auf bei der überschwenglichen Aussicht , und so besingt er die Welt , die , wie Memnons Bild , voll stummer Bedeutung , nur dann durch und durch erklingt , wenn sie die Aurora eines dichterischen Gemütes mit ihren verwandten Strahlen berührt . « - Leontin fiel hier dem Grafen freudig um den Hals . - » Schön , besonders zuletzt sehr schön gesagt « , sagte Faber , und drückte ihm herzlich die Hand . Sie meinen es doch alle beide nicht so , wie ich , fühlte und dachte Friedrich betrübt . Es war unterdes schon dunkel geworden und der Abendstern funkelte vom heitern Himmel über den Wald herüber . Da wurde ihr Gespräch auf eine lustige Art unterbrochen . Die kleine Marie nämlich , die am Morgen mit dem Jäger auf der Wiese gesungen , hatte sich als Jägerbursche angezogen . Die Jäger jagten sie auf der Wiese herum , sie ließ sich aber nicht erhaschen , weil sie , wie sie sagte , nach Tabaksrauch röchen . Wie ein gescheuchtes Reh kam sie endlich an dem Tische vorüber . Leontin fing sie auf und setzte sie vor sich auf seinen Schoß . Er strich ihr die Haare aus den muntern Augen und gab ihr aus seinem Glase zu trinken . Sie trank viel und wurde bald ungewöhnlich beredt , daß sich alle über ihre liebenswürdige Lebhaftigkeit freuten . Leontin fing an , von ihrer Schlafkammer zu sprechen und andere leichtfertige Reden vorzubringen , und als er sie endlich auch küßte , umklammerte sie mit beiden Armen seinen Hals . Friedrich schmerzte das ganze lose Spiel , sosehr es auch Faber gefiel , und er sprach laut vom Verführen . Marie hüpfte von Leontins Schoße , wünschte allen mit verschmitzten Augen eine gute Nacht und sprang fort ins Jägerhaus . Leontin reichte Friedrich lächelnd die Hand und alle drei schieden voneinander , um sich zur Ruhe zu begeben . Faber sagte im Weggehen : seine Seele sei heut so wach , daß er noch tief in die Nacht hinein an einem angefangenen , großen Gedichte fortarbeiten wolle . Als Friedrich in sein Schlafzimmer kam , stellte er sich noch eine Weile ans offene Fenster . Von der andern Seite des Schlosses schimmerte aus Fabers Zimmer ein einsames Licht in die stille Gegend hinaus . Fabers Fleiß rührte den Grafen , und er kam ihm in diesem Augenblicke als ein höheres Wesen vor . » Es ist wohl groß « , sagte er , » so mit göttlichen Gedanken über dem weiten , stillen Kreise der Erde zu schweben . Wache , sinne und bilde nur fleißig fort , fröhliche Seele , wenn alle die andern Menschen schlafen ! Gott ist mit dir in deiner Einsamkeit und Er weiß es allein , was ein Dichter treulich will , wenn auch kein Mensch sich um dich bekümmert . « Der Mond stand eben über dem altertümlichen Turme des Schlosses , unten lag der schwarze Waldgrund in stummer Ruhe . Die Fenster gingen nach der Gegend hinaus , wo die Gräfin Rosa hinter dem Walde wohnte . Friedrich hatte Leontins Gitarre mit hinaufgenommen . Er nahm sie in den Arm und sang : » Die Welt ruht still im Hafen , Mein Liebchen , gute Nacht ! Wann Wald und Berge schlafen , Treu ' Liebe einsam wacht . Ich bin so wach und lustig , Die Seele ist so licht , Und eh ich liebt , da wußt ich Von solcher Freude nicht . Ich fühl mich so befreiet Von eitlem Trieb und Streit , Nichts mehr das Herz zerstreuet In seiner Fröhlichkeit . Mir ist , als müßt ich singen So recht aus tiefer Lust Von wunderbaren Dingen , Was niemand sonst bewußt . O könnt ich alles sagen ! O wär ich recht geschickt ! So muß ich still ertragen , Was mich so hoch beglückt . « Viertes Kapitel Friedrich gab Leontins Bitten , noch länger auf seinem Schlosse zu verweilen ,