begegnen , damit er ihr elendes Stübchen nicht bemerke . Sechstes Kapitel Die Studenten Wir wollen dieses junge Blut , das da so fröhlich die Straße herunterschreitet , ungeachtet vorbedeutend eine schwere dunkle Wolke in den zusammengewachsenen Augenbraunen seiner stark gehügelten Stirne lastet , uns im allgemeinen bekannt machen , ehe wir es näher kennen lernen . Daß Graf Karl Student sei , haben wir schon von dem Bedienten erfahren ; aber woran erkennen solche Leute gleich den Musensohn , die nichts von den Musen wissen ? Das läßt sich schwer erklären . Die Tracht ist es nicht immer ; viele andre Leute machen sie nach , auch ist sie verschieden in verschiedenen Zeiten ; es ist mehr die Art , wie ihnen die Tracht steht , wie sie um sich schauen und singend ihre Straße wandern . Wer nicht selbst die fröhlichen Züge der Studenten aus dem nördlichen nach dem südlichen Deutschland bis in die Schweiz und weiter zu den schönen Inseln der italienischen Seen mitgemacht hat , wird doch sicher einmal einer solchen Schar begegnet sein , die mit der frischen Röte ihrer Wangen und der vollen Hoffnung ihres Herzens schon da ein seliges Land zu entdecken glauben , wo die Einwohner sich gleich gut oder gleich schlecht , wie auf der übrigen deutschen Erdfläche befinden . Es tut einem so wohl , von andern glücklich gepriesen zu werden um Güter , die im täglichen Gebrauche ihre Beachtung verloren haben , jeder macht gern seine beste Laune zum Gegengeschenke , daß der unschuldige Bewunderer selten ahndet , daß jedermann überall der Schuh irgendwo drückt , die Grillen irgendwann ansingen , ja daß die luftigste Aussicht von den Bergen den Rauch nicht wegführen kann , der immerdar aus der engen Behausung der Menschen sich mühsam zu erheben sucht und oft ganz auf sie hinuntergedrückt wird . Wie lieb ist die vielwissende Unwissenheit der lernenden Jahre ; auch diese Betrachtung könnte ein Student über die Dinge machen , aber im nächsten Augenblicke hätte er sie wieder vergessen , und der Staub auf seinen Schuhen und der Staub der Früchte in ihrer Frische , sie sind einer Art und bezeichnen , wie neu sie noch in der Welt sind - sie werden schon lernen in Kutschen zu fahren , viele Meilen an einem Tage , aber die Freude , wenige Meilen ganz durch eigene Kraft fußwandernd zurückgelegt zu haben , die kommt ihnen nicht wieder . Wegen dieser Fröhlichkeit haben auch die Gastwirte sie gern , warten auf sie wie auf die Schwalben . Die Studenten finden ihren schlechtesten Wein noch immer köstlich genug , um bei der Gelegenheit ihrer Begeisterung , ihren Liedchen , ihren Späßen freien Lauf zu gönnen , während sie ihre von allen beschauten Naturschönheiten wunden Füße an dem Tische ermüßigen . Selbst die alten Herren , die alle andern Tage mit ihrem bestimmten Schoppen sich stillschweigend begnügten , werden diesmal begehrlicher und fahren mit dem glatten Weine einmal wieder in das mondbeschienene Unterland , wo auch sie sich sehnten nach Unerreichtem , jubelten über ein Nichts und ihre Hüte durchlöcherten , als hätten sie den Erbfeind vor sich . Wahrlich , soll Deutschland Soldaten bekommen , so müssen sie unter einander leben wie die Studenten , wenn sie auch nicht lernen wie sie ; frei von allem Zwange , nur der Ehre untertan , gleich unter einander ; sicher wird dann der Geschickteste und Mutigste , wie zum Senior , so zum Feldherrn sich durchdrängen . - Eine der ersten Welterfahrungen , die solche wandernden Scharen zu machen Gelegenheit haben , betrifft das allgemeine Mißverhältnis des Geldes zu dem Bedürfnisse ; so bleibt mancher lustige Bruder seine Zeche schuldig , verspricht zu senden , was er doch nicht hat , die kleine Not ist recht gut , er lernt entbehren ; welcher Wirt könnte aber so hart sein , die Jagdtasche , worin nichts als etwas Wäsche , ein Lieblingsbuch und einige Tagebücher zur angehenden Schriftstellerei , im Ernste zurückzubehalten ; ein kleiner Schreck kann nicht schaden . Gar mancher macht aber auch andere Erfahrungen auf solchen Zügen und kehrt nicht so fröhlich heim , wie er ausgegangen , er sieht heimschleichend nicht mehr weit vor sich hin , die Wälder rauschen ihm nicht mehr fröhlich , die Singvögel scheinen verschwunden und die Spitzen der Bäume hängen voll Krähen , die sich durch die Nebelwolken aufschwingen ; alles tropft , Bäume und Kleider und seine Augen , die immerdar suchen , wovon er sich immer weiter entfernt . Sein Leid vergrößert sich mit jeder Meile , wie der Strom , an dessen Ufer er herunter schreitet ; jetzt trägt er schon manches schwarze Schiff , manchen Gedanken , den er schwarz auf weiß der verlaßnen Liebe mitteilen muß . Und dann geht ' s an die Arbeit für Amt und Brot , die sonst nur leichte Gewohnheit gewesen , er mag nicht warten und sie will auch gern unter die Haube , die er auf der Reise kennen lernte , wie die Leute sich ausdrücken . Mit Lust erzählen wir diesen möglichen Fall , wie es mit unserm Grafen Karl einmal gehen könnte , der auch mit einer Schar Studenten fußreisend ausgezogen war ; aber ganz paßt es schon darum nicht , weil dem Grafen nicht notwendig war , wenn er heiraten wollte , sich dem Joche fremder Dienste zu unterziehen . Er besaß ein artiges Vermögen , ungeachtet ihm die vormundschaftliche Verwaltung aus Klugheit nur sehr wenig für seine Studienzeit auswarf , die ihn nach ihren Absichten allein zum wissenschaftlichen Landwirte vorbilden sollte , da die Verwaltung seiner Landgüter seinem Vermögen und seiner Natur angemessener schien , als Dienste eines Fürsten . Er war mit einem Dutzend seiner Landsleute von der Universität ausgewandert , aber die Liebhaberei jedes einzelnen hatte sie zerstreut ; einer sammelte Kräuter , der andre Steine ; sein Vergnügen Anhöhen zu besteigen , führte ihn durch den beschwerlichen Bergweg an die Höhe des Gartens , wo er mit der seligen Empfindung