wie einen der eifersüchtigsten Tyrannen . Perçy beobachtete den Italiener , ahnete Betrug , und faßte sich ein Herz , mir alles zu entdecken . Ich versprach ihm die Erfüllung seines Wunsches , und trat mit ihm in Mariens Zimmer , gerade als Thibaldy in einer leidenschaftlichen Arie begriffen war . Ich bat ihn fortzufahren ; aber vergeblich . Führte dann Perçy zu Maria , die uns voll heiterer Unschuld entgegen kam . Die beyden jungen Leute freuten sich nun ihrer gegenseitigen Neigung zur Musik , während Thibaldy voll Grimm und Beschämung sich zu entfernen bemüht war . Aber ich nöthigte ihn , Perçy ' s und Maria ' s Gesang zu begleiten . Die einzige Rache , die ich an ihm zu nehmen gedachte . Er fühlte das , schützte plötzlich ein Uebelbefinden vor , und verschwand . Schwerlich wird er den Unterricht fortsetzen . In Ansehung der Kunst ein großer Verlust für Maria ; doch hoffentlich kein unersetzlicher . Perçy , ein liebenswürdiger Engländer , von untadelhaften Sitten , ist nun durch meine Erlaubniß zu einem fortgesetzten Umgange mit Maria berechtigt . Für Allwina schwer zu begreifen . - Weiß der Himmel , welch ein Bild sich die gute Frau sowohl von mir , wie von der Liebe entworfen hat ! - Es scheint ihr alles gezwungen und erzwungen werden zu müssen . Perçy hat alles verrathen . Maria empfing mich mit einer Rührung , die ich mir Anfangs nicht zu erklären wußte . Sie hielt mich mit beyden Armen umschlungen , drückte das liebe Gesicht an meine Brust , und konnte auf mein dringendes Bitten , sich zu erklären , nur mit Thränen antworten . Endlich sank sie mir zu Füßen , umfaßte meine Knie , und rief , im Ausdruck des höchsten Schmerzens : O mein geliebter Vater ! war es möglich ! - Ich erstarrte ; denn ein Gedanke , vor dem ich jetzt noch erröthe , flog mir wie ein zerstörender Blitz durch die Seele . » Maria ! « - sagte ich - » ich beschwöre Sie , meiner zu schonen ! Was Sie mir auch zu vertrauen haben , verlassen Sie diese für mich so peinigende Stellung ! « » Vertrauen ? « - rief Allwina - » Sie hat Ihnen nichts zu vertrauen , als daß sie durch Thibaldy ' s niedrige Ränke auf das innigste gekränkt ist . « » Ist es nur das ! « - sagt ' ich mit frohem Erstaunen . - » O seyn Sie ruhig , Maria ! ich habe ihm längst vergeben . « » Ich nicht ! « - rief sie , und ihre Thränen hörten plötzlich auf zu fließen . - » Er hat das Höchste , was ich auf der Welt kenne , gelästert . « Es lag zu viel in den Worten . Von einer namenlosen Empfindung betäubt , fast gedankenlos , fragt ' ich : Wen ? » Wen ? « rief sie mit leuchtendem Auge , mit brennender Wange , und lag , ehe ich es hindern konnte , wieder zu meinen Füßen . - » Wen ? « rief sie abermals , und drückte den Engelmund auf meine zitternde Hand . » O Gott , Maria ! « - sagt ' ich - » hören Sie auf ! Ihre Dankbarkeit geht zu weit . « Aber nur mit vieler Mühe gelang es mir , ihrem Schmerze Einhalt zu thun . Thibaldy wieder zu sehen , dagegen äußerte sie fortwährend den lebhaftesten Abscheu . Perçy , der sehr viele gründliche Kenntnisse mit vielem Geschmacke verbindet , ist nun an seine Stelle getreten . Ich sah sie diese Nacht wieder zu meinen Füßen , hob sie voll Entzücken in meine Arme und - o Gott ! mein Mund berührte den ihrigen . Wie von einem Heiligthume habe ich mich wachend von diesem Engelmunde entfernt , und nun ! - Vergebens ! ich tilge diesen Traum nicht aus meinem Gedächtnisse . O Iwanova ; du wirst gerächt ! - Darf ich sie heute sehen ? Mich ihr nahen ? Ich zittre vor mir selbst . Aber in welche Unruhe wird sie gerathen . - Wird Entfernung nicht die Lebhaftigkeit ihrer Empfindung erhöhn ? Will , und kann ich dann diese Täuschung benutzen ? - Fort ! Nichts Außerordentliches ! Nichts Reizendes ! Alles gehe seinen ruhigen Gang . Das wollt ' ich , da ich noch frey war ; das muß ich auch jetzt noch wollen . Perçy war bey ihr . Sie sangen . Warum erschütterte mich seine Stimme noch mehr als die ihrige ? - Allwina bat mich , einige Augenblicke in ihr Zimmer zu treten . Ich folgte in schmerzhafter Betäubung . Sie schwieg und schien sich zu sammeln . Ach lange hätte sie schweigen können , ohne von mir unterbrochen zu werden . » Ich bin es « - sagte sie endlich - » Ihnen und Maria schuldig , eine Bitte zu wagen . « Ich sah sie fragend an ; vermochte aber nicht etwas zu erwiedern . » Vielleicht bin ich unbescheiden . « Ich gab ein verneinendes Zeichen . Graf Perçy ist ein sehr liebenswürdiger , junger Mann . Gewiß ! Sollte es möglich seyn , daß sich die beyden jungen Leute täglich sähen , ohne sich für einander zu interessiren ? - Ich schwieg . Und wenn aus diesem Interesse Liebe würde ? - Könnten wir es hindern ? Sollten wir es zulassen ? Liebe ! ich begreife sie nicht . Ich begreife Fürst Alexander noch weniger . Ist mein Betragen so räthselhaft ? Vielleicht scheint es nur so , und eben weil ich dieß ahne , wollt ' ich die Bitte wagen : er möge sich darüber erklären . Gern ! sobald Sie mir einen Widerspruch zeigen . Fürst Alexander ist gegen Maria verändert . Er liebt sie nicht mehr mit väterlicher Empfindung . Sie liebt ihn ebenfalls nicht mehr so kindlich wie vormals . Und doch fürchten Sie Graf Perçy ?