der wirklichen Welt nach ihrem Belieben schaltet und waltet ; aber mir scheinen die Dichter noch bei weitem nicht genug zu übertreiben , nur dunkel den Zauber jener Sprache zu ahnden und mit der Fantasie nur so zu spielen , wie ein Kind mit dem Zauberstabe seines Vaters spielt . Sie wissen nicht , welche Kräfte ihnen unterthan sind , welche Welten ihnen gehorchen müssen . Ist es denn nicht wahr , daß Steine und Wälder der Musik gehorchen und , von ihr gezähmt , sich jedem Willen wie Hausthiere fügen ? - Blühen nicht wirklich die schönsten Blumen um die Geliebte und freuen sich sie zu schmücken ? Wird für sie der Himmel nicht heiter und das Meer nicht eben ? - Drückt nicht die ganze Natur so gut , wie das Gesicht , und die Geberden , der Puls und die Farben , den Zustand eines jeden der höheren , wunderbaren Wesen aus , die wir Menschen nennen ? Wird nicht der Fels ein eigenthümliches Du , eben wenn ich ihn anrede ? Und was bin ich anders , als der Strom , wenn ich wehmüthig in seine Wellen hinabschaue , und die Gedanken in seinem Gleiten verliere ? Nur ein ruhiges , genußvolles Gemüth wird die Pflanzenwelt , nur ein lustiges Kind oder ein Wilder die Thiere verstehn . - Ob jemand die Steine und Gestirne schon verstand , weiß ich nicht , aber gewiß muß dieser ein erhabnes Wesen gewesen seyn . In jenen Statuen , die aus einer untergegangenen Zeit der Herrlichkeit des Menschengeschlechts übrig geblieben sind , leuchtet allein so ein tiefer Geist , so ein seltsames Verständniß der Steinwelt hervor , und überzieht den sinnvollen Betrachter mit einer Steinrinde , die nach innen zu wachsen scheint . Das Erhabne wirkt versteinernd , und so dürften wir uns nicht über das Erhabne der Natur und seine Wirkungen wundern , oder nicht wissen , wo es zu suchen sey . Könnte die Natur nicht über den Anblick Gottes zu Stein geworden seyn ? Oder vor Schrecken über die Ankunft des Menschen ? Über diese Rede war der , welcher zuerst gesprochen hatte , in tiefe Betrachtung gesunken , die fernen Berge wurden buntgefärbt , und der Abend legte sich mit süßer Vertraulichkeit über die Gegend . Nach einer langen Stille hörte man ihn sagen : Um die Natur zu begreifen , muß man die Natur innerlich in ihrer ganzen Folge entstehen lassen . Bey dieser Unternehmung muß man sich bloß von der göttlichen Sehnsucht nach Wesen , die uns gleich sind , und den nothwendigen Bedingungen dieselben zu vernehmen , bestimmen lassen , denn wahrhaftig die ganze Natur ist nur als Werkzeug und Medium des Einverständnisses vernünftiger Wesen begreiflich . Der denkende Mensch kehrt zur ursprünglichen Function seines Daseyns , zur schaffenden Betrachtung , zu jenem Punkte zurück , wo Hervorbringen und Wissen in der wundervollsten Wechselverbindung standen , zu jenem schöpferischen Moment des eigentlichen Genusses , des innern Selbstempfängnisses . Wenn er nun ganz in die Beschauung dieser Urerscheinung versinkt , so entfaltet sich vor ihm in neu entstehenden Zeiten und Räumen , wie ein unermeßliches Schauspiel , die Erzeugungsgeschichte der Natur , und jeder feste Punkt , der sich in der unendlichen Flüssigkeit ansetzt , wird ihm eine neue Offenbarung des Genius der Liebe , ein neues Band des Du und des Ich . Die sorgfältige Beschreibung dieser innern Weltgeschichte ist die wahre Theorie der Natur ; durch den Zusammenhang seiner Gedankenwelt in sich , und ihre Harmonie mit dem Universum , bildet sich von selbst ein Gedankensystem zur getreuen Abbildung und Formel des Universums . Aber die Kunst des ruhigen Beschauens , der der schöpferischen Weltbetrachtung ist schwer , unaufhörliches ernstes Nachdenken und strenge Nüchternheit fordert die Ausführung , und die Belohnung wird kein Beifall der mühescheuenden Zeitgenossen , sondern nur eine Freude des Wissens und [ Machens ] , eine innigere Berührung des Universums seyn . Ja , sagte der Zweite , nichts ist so bemerkenswerth , als das große Zugleich in der Natur . Ueberall scheint die Natur ganz gegenwärtig . In der Flamme eines Lichts sind alle Naturkräfte thätig , und so repräsentirt und verwandelt sie sich überall und unaufhörlich , treibt Blätter , Blüthen und Früchte zusammen , und ist mitten in der Zeit gegenwärtig , vergangen und zukünftig zugleich ; und wer weiß , in welche eigne Art von Ferne sie ebenfalls wirkt und ob nicht dieses Natursystem nur eine Sonne ist im Universo , die durch Bande an dasselbe geknüpft ist , durch ein Licht und einen Zug und Einflüsse , die zunächst in unserm Geiste sich deutlicher vernehmen lassen , und aus ihm heraus den Geist des Universums über diese Natur ausgießen , und den Geist dieser Natur an andere Natursysteme vertheilen . Wenn der Denker , sprach der Dritte , mit Recht als Künstler den thätigen Weg betritt , und durch eine geschickte Anwendung seiner geistigen Bewegungen das Weltall auf eine einfache , räthselhaft scheinende Figur zu reduciren sucht , ja man möchte sagen die Natur tanzt , und mit Worten die Linien der Bewegungen nachschreibt , so muß der Liebhaber der Natur dieses kühne Unternehmen bewundern , und sich auch über das Gedeihen dieser menschlichen Anlage freuen . Billig stellt der Künstler die Thätigkeit oben an , denn sein Wesen ist Thun und Hervorbringen mit Wissen und Willen , und seine Kunst ist , sein Werkzeug zu allem gebrauchen , die Welt auf seine Art nachbilden zu können , und darum wird das Princip seiner Welt Thätigkeit , und seine Welt seine Kunst . Auch hier wird die Natur in neuer Herrlichkeit sichtbar , und nur der gedankenlose Mensch wirft die unleserlichen , wunderlich gemischten Worte mit Verachtung weg . Dankbar legt der Priester diese neue , erhabene Meßkunst auf den Altar zu der magnetischen Nadel , die sich nie verirrt , und zahllose Schiffe auf dem pfadlosen Ozean zu bewohnten Küsten und den Häfen des Vaterlandes zurück führte . Außer dem Denker