trat ihr der Alte mit bescheidner Ehrfurcht entgegen , und lud sie ein , an dem einfachen Herde , der mitten im Hause stand , und auf welchem eine leichte blaue Flamme ohne Geräusch emporspielte , Platz zu nehmen . Es fiel ihr , gleich beym Eintritt , der mit tausend seltenen Sachen gezierte Hausraum , die Ordnung und Reinlichkeit des Ganzen , und eine seltsame Heiligkeit des Ortes auf , deren Eindruck noch durch den schlicht gekleideten ehrwürdigen Greis und den bescheidenen Anstand des Sohnes erhöhet wurde . Der Alte hielt sie gleich für eine zum Hof gehörige Person , wozu ihre kostbare Tracht , und ihr edles Betragen ihm Anlaß genug gab . Während der Abwesenheit des Sohnes befragte sie ihn um einige Merkwürdigkeiten , die ihr vorzüglich in die Augen fielen , worunter besonders einige alte , sonderbare Bilder waren , die neben ihrem Sitze auf dem Heerde standen , und er war bereitwillig sie auf eine anmuthige Art damit bekannt zu machen . Der Sohn kam bald mit einem Kruge voll frischer Milch zurück , und reichte ihr denselben mit ungekünsteltem und ehrfurchtsvollem Wesen . Nach einigen anziehenden Gesprächen mit beyden , dankte sie auf die lieblichste Weise für die freundliche Bewirthung , bat erröthend den Alten um die Erlaubniß wieder kommen , und seine lehrreichen Gespräche über die vielen wunderbaren Sachen genießen zu dürfen , und ritt zurück , ohne ihren Stand verrathen zu haben , da sie merkte , daß Vater und Sohn sie nicht kannten . Ohnerachtet die Hauptstadt so nahe lag , hatten beyde , in ihre Forschungen vertieft , das Gewühl der Menschen zu vermeiden gesucht , und es war dem Jüngling nie eine Lust angekommen , den Festen des Hofes beyzuwohnen ; besonders da er seinen Vater höchstens auf eine Stunde zu verlassen pflegte , um zuweilen im Walde nach Schmetterlingen , Käfern und Pflanzen umher zu gehn , und die Eingebungen des stillen Naturgeistes durch den Einfluß seiner mannichfaltigen äußeren Lieblichkeiten zu vernehmen . Dem Alten , der Prinzessin und dem Jüngling war die einfache Begebenheit des Tages gleich wichtig . Der Alte hatte leicht den neuen tiefen Eindruck bemerkt , den die Unbekannte auf seinen Sohn machte . Er kannte diesen genug , um zu wissen , daß jeder tiefe Eindruck bey ihm ein lebenslänglicher seyn würde . Seine Jugend und die Natur seines Herzens mußten die erste Empfindung dieser Art zur unüberwindlichen Neigung machen . Der Alte hatte lange eine solche Begebenheit herannahen sehen . Die hohe Liebenswürdigkeit der Erscheinung flößte ihm unwillkührlich eine innige Theilnahme ein , und sein zuversichtliches Gemüth entfernte alle Besorgnisse über die Entwickelung dieses sonderbaren Zufalls . Die Prinzessin hatte sich nie in einem ähnlichen Zustande befunden , wie der war , in welchem sie langsam nach Hause ritt . Es konnte vor der einzigen , helldunklen wunderbar beweglichen Empfindung einer neuen Welt , kein eigentlicher Gedanke in ihr entstehen . Ein magischer Schleyer dehnte sich in weiten Falten um ihr klares Bewußtseyn . Es war ihr , als würde sie sich , wenn er aufgeschlagen würde , in einer überirdischen Welt befinden . Die Erinnerung an die Dichtkunst , die bisher ihre ganze Seele beschäftigt hatte , war zu einem fernen Gesange geworden , der ihren seltsam lieblichen Traum mit den ehemaligen Zeiten verband . Wie sie zurück in den Pallast kam , erschrak sie beynah über seine Pracht und sein buntes Leben , noch mehr aber bey der Bewillkommung ihres Vaters , dessen Gesicht zum erstenmale in ihrem Leben eine scheue Ehrfurcht in ihr erregte . Es schien ihr eine unabänderliche Nothwendigkeit , nichts von ihrem Abentheuer zu erwähnen . Man war ihre schwärmerische Ernsthaftigkeit , ihren in Fantasieen und tiefes Sinnen verlornen Blick schon zu gewohnt , um etwas Außerordentliches darin zu bemerken . Es war ihr jetzt nicht mehr so lieblich zu Muthe ; sie schien sich unter lauter Fremden , und eine sonderbare Bänglichkeit begleitete sie bis an den Abend , wo das frohe Lied eines Dichters , der die Hoffnung pries , und von den Wundern des Glaubens an die Erfüllung unsrer Wünsche mit hinreißender Begeisterung sang , sie mit süßem Trost erfüllte und in die angenehmsten Träume wiegte . Der Jüngling hatte sich gleich nach ihrem Abschiede in den Wald verlohren . An der Seite des Weges war er in Gebüschen bis an die Pforten des Gartens ihr gefolgt , und dann auf dem Wege zurückgegangen . Wie er so ging , sah er vor seinen Füßen einen hellen Glanz . Er bückte sich danach und hob einen dunkelrothen Stein auf , der auf einer Seite außerordentlich funkelte , und auf der Andern eingegrabene unverständliche Chiffern zeigte . Er erkannte ihn für einen kostbaren Karfunkel , und glaubte ihn in der Mitte des Halsbandes an der Unbekannten bemerkt zu haben . Er eilte mit beflügelten Schritten nach Hause , als wäre sie noch dort , und brachte den Stein seinem Vater . Sie wurden einig , daß der Sohn den andern Morgen auf den Weg zurückgehn und warten sollte , ob der Stein gesucht würde , wo er ihn dann zurückgeben könnte ; sonst wollten sie ihn bis zu einem zweyten Besuche der Unbekannten aufheben , um ihr selbst ihn zu überreichen . Der Jüngling betrachtete fast die ganze Nacht den Karfunkel und fühlte gegen Morgen ein unwiderstehliches Verlangen einige Worte auf den Zettel zu schreiben , in welchen er den Stein einwickelte . Er wußte selbst nicht genau , was er sich bey den Worten dachte , die er hinschrieb : Es ist dem Stein ein räthselhaftes Zeichen Tief eingegraben in sein glühend Blut , Er ist mit einem Herzen zu vergleichen , In dem das Bild der Unbekannten ruht . Man sieht um jenen tausend Funken streichen , Um dieses woget eine lichte Flut . In jenem liegt des Glanzes Licht begraben , Wird dieses auch das Herz des Herzens haben ? Kaum daß der Morgen anbrach , so begab er sich schon