wirklich so schön ? oder war es Dankbarkeit , und von neuem erwachte Sinnlichkeit , die sie mir in diesem Augenblicke so reizend machte ? - Genug , die Zukunft verschwand vor meinen Augen ; und mit dem ganzen Wahnsinn der Leidenschaft that ich ihr das Bekenntniß meiner Liebe . Ach ich hatte keinen andern Namen für meine Empfindung ! - arme Weiber ! Wie oft ist dies der Fall bey uns Männern , und wie schrecklich müßt ihr für diesen Irrthum büßen ! - Erst lange nachher habe ich begriffen : in welch einen peinlichen Zustand dies unbesonnene Geständniß Sophien versetzen mußte . Ihr Verstand war im heftigsten Kampfe mit ihrem Herzen , und die Blässe , welche plötzlich ihr Gesicht überzog , bewieß nur gar zu sehr : wie viel sie von diesem Augenblicke für ihre Ruhe befürchtete . Neuntes Kapitel Lange noch vermochte ihre große Seele der Leidenschaft zu widerstehen ; aber eben dadurch wurde diese bey mir nur desto mehr gereitzt . Es blieb mir nicht verborgen , welchen Eindruck ich auf andere Frauenzimmer machte ; und meine Eitelkeit war auf das empfindlichste gekränkt . Schon ahnte ich , bey allem , was Sophie für mich that , wie theuer ich ihr seyn mußte . - Aber konnte das nicht Freundschaft , nicht Edelmuth seyn ? - Gegen wen handelte sie nicht schön , nicht groß ? Wie ! sollte ich mit dem zufrieden seyn , was sie für Alle empfand ? - » Nein ! « - rief ich - » Noch heute soll sie mir sagen , ob sie mich liebt ! bey Gott ! ich will wissen , woran ich bin ! « Sie sagte es endlich . Aber wie sagte sie es ! - Mir war , als dachte mit einem Male eine andere Seele in mir ; als schlüge ein anderes Herz in meiner Brust ; als könnte ich nie wieder etwas Schlechtes thun , oder wollen . Nein ! so uneigennützig , so wahrhaft himmlisch bin ich nie von einem Weibe geliebt worden ! Was hätte aus mir werden können , wenn dieser große Charakter nicht auch seine Schwächen , freilich seine schönen , menschlichen Schwächen gehabt hätte ! - Zehntes Kapitel So lange das Bekenntniß der Liebe noch nicht über Sophiens Lippen gekommen war , herrschte eine schöne Mäßigung in ihrem Betragen ; aber jetzt fing diese an immer mehr zu verschwinden . Sie hatte mir ihren guten Ruf , ja sogar ihre freundschaftlichen Verbindungen aufgeopfert ; jetzt wollte sie alles in mir wiederfinden . Ich ward ihr Abgott ; und alle ihre Gedanken und Empfindungen bezogen sich nur auf mich . Unser ganzes Verhältniß war mit einem Male verwandelt . Das Wesen , das vormals so weit über mich erhaben schien , lag jetzt zu meinen Füßen , verehrte meine Worte wie Orakelsprüche , und zitterte , wenn ich die Stirn runzelte . Welcher Mann hätte ein solches gänzliches Dahingeben ertragen , welcher Mann hätte es verdienen können ! - mich bethörte es so sehr , daß ich von dem achtungsvollsten Betragen zur beleidigendsten Unart überging . Aber gerade das stille , von aller Leidenschaft entfernte Wesen war es ja auch , was mein unruhiges Herz zu Sophien geneigt hatte . - Ich wähnte , sie sollte mich heilen , sie sollte über die Stürme des Lebens mich erheben - und ach ! jetzt ward sie selbst davon ergriffen . Was ich suchte , was ich liebte , war verschwunden - ich Grausamer hatte selbst nicht geruht , bis es zerstört war . Ihr unglücklichen Weiber ! wie könnt ihr so thöricht seyn , eure ganze Glückseligkeit den Händen eines Mannes , eines angebohrnen Feindes , zu vertrauen ! - Nein , wollt ihr euch nicht dem schrecklichsten Elende Preiß geben : sucht immerhin uns glücklich zu machen , aber hofft es nie durch uns zu werden . Eilftes Kapitel Die Periode , wo Sophie meinen Geist und mein Herz beschäftigt hatte , war also vorüber , und der Wahn von ihrer höheren , mir noch unbekannten Glückseligkeit verschwunden . Ach sie suchte diese Glückseligkeit ja bey mir , durch mich - Beweiß genug , daß es ihr daran fehlte . Mein Geist ahnte nichts Neues mehr ; und so war die ganze Scene verwandelt . Vormals schien mir aller Erdengenuß in ihre Nähe gebannt ; jetzt ward sie von einer Oede umgeben die mich elend machte . Nun hätte die Sinnlichkeit eintreten und mich , wenigstens für einige Zeit noch täuschen können ; aber Sophie war zu rein , und ich zu neu , als daß von dieser Seite für uns etwas zu hoffen gewesen wäre . Mein Unmuth nahm täglich zu . Ich konnte es Sophien nicht verzeihen , mich , oder vielmehr sich selbst , so schrecklich getäuscht zu haben , und der tollkühne Glaube : sie können nie aufhören mich zu lieben - trieb jetzt meine Unart auf das Aeußerste . Ach noch heute erröthe ich vor den Mißhandlungen , zu welchen ich mich verirrte ! - ich wollte - ohne es mir deutlich bewußt zu seyn - die Gelegenheit herbeyführen , mich von dem Anblicke einer Person zu befreyn , welche nur schmerzhafte Gefühle in mir erregte . Gleichwohl würde die Gewißheit : sie könne sich wirklich von mir losreißen - höchst wahrscheinlich eine plötzliche Verwandlung meiner ganzen Empfindungsart hervorgebracht haben . Doch woher sollte diese Gewißheit kommen ? - Sophiens Liebe schien nur mit ihrem Leben aufhören zu können , und eher würde ich an dem Meinigen , als an ihrer Dauer gezweifelt haben . Aber meiner Eitelkeit und meinem Glauben stand eine harte Prüfung bevor ; und ich selbst mußte sie herbeyführen . Zwölftes Kapitel Nimmermehr ! rief Heinrich ; - als ich mich meiner unumschränkten Herschaft über Sophien rühmte - nimmermehr kann diese geistvolle Person so ganz zum Kinde geworden seyn ! Gut ! - sagte ich - Du sollst einen Beweiß haben der keinen Zweifel übrig lassen wird .