obschon ich lieber etwas anders tun möchte . Ich möchte lieber mit dem jungen Manne sprechen von dem ich dir schreiben will . Du würdest die eine Lügnerin nennen , die dir sagte , Fräulein Joduno von Eichenwehen sitzt , seit drei Tagen , alle Morgen um fünf Uhr mit einem schönen Manne unter der großen Eiche , streicht seit drei Tagen mit einem zweiundzwanzigjährigen schlanken Manne durch alle Schlupfwinkel und Wildbahnen im Holze , und sie tun vertrauter als Bruder und Schwester . Es ist nun nicht anders , man mag treiben , was man will , man wird verleumdet , aber immer gut ist es doch , daß alles dies wahr ist , und daß dazu noch viel , viel mehr könnte gesagt werden . Denn wenn einer unter dem Tische stäke , wo wir uns einander auf die Füße treten , und wenn einer das blaue Mal sehen könnte , das ich ihm in den Arm gekneipt habe , als er mir die Locke über dem Auge wegschnitt , die dein Vater , ich weiß nicht warum , immer die Locke der Erinnerung nannte , so würde er wunder was für eine alte Bekanntschaft vermuten . Ich kann nun nicht anders , ich glaube nicht , daß ich ihn liebe , ich würde mich schämen , in einer Stunde mein Herz verloren zu haben . Ich vermute , daß vieles von dem Eindrucke , den er auf mich machte , dem Moment gehört , in dem er mich sah . Wenn man so wie ich von der Welt abgeschnitten lebt , und von Gestalten umringt ist , die uns nur durch angeborne Rechte beherrschen , so ist es sehr verführerisch , aus freier Wahl einem edlen Menschen gut zu sein . Ja man legt selbst Vorzüge in jeden Bessern , die ihn zum Besten erheben können . Doch verzeihe , ich spreche über einen Zustand , ohne dich erst mit seinem Entstehen bekannt gemacht zu haben , und beweise grade so , indem ich eine vermutliche Leidenschaft entschuldigen will , daß ich ganz von ihr beherrscht werde . Ach , ist es denn wahr , daß es nur die Liebe ist , die uns ganz und gar verändert , gäbe ich dir wirklich einen Beweis von meiner Schwachheit , indem ich dir einen längern Brief schreibe als je ? Und wenn ich aufrichtig sein soll , so muß ich noch mehr sagen , sagen , daß ich nicht einmal wegen dir schreibe . Ich schreibe wegen ihm ; der Vater ist auf der Jagd , und er hat ihm , um ihm zu gefallen , folgen müssen . Er ging mit mir im Garten , wir waren so freundlich mit einander gewesen , er hatte mir von seinem Freunde erzählt , den er über alles liebt , und ich erzählte ihm von dir , wie ich dich liebe , von meiner Mutter ; ich hatte ihm gesagt , daß wir nicht so schnell bekannt geworden wären , wenn er nicht auf dem Sitze meiner Mutter gesessen und meine Erinnerung an sie so teilnehmend angehöret hätte ; ich hatte ihm noch vieles , vieles zu sagen , da kam der Vater , und er ging mit ihm weg . Ich sah ihm bis zur Gartentüre nach , und glaubte , er würde gewiß noch einmal nach mir umsehen , aber er tat es nicht , das machte mich sehr traurig , warum ? das weiß ich nicht . Nun ist er auf der Jagd , und ich schreibe an dich von ihm , weil ich mich nicht anders mit ihm unterhalten kann , als wenn ich von ihm spreche . An ihn denken , so ganz allein an ihn denken , das kann ich nicht , es wird mir dann ganz bange . Wenn ich allein an ihn denke , so sehe ich lauter Dinge , die man nicht beschreiben und die ich nicht verstehen kann , und da wird mir so ängstlich , als guckten mich eine Menge weltfremder Menschen an und flüsterten sich in die Ohren . Aber mit dir will ich über ihn sprechen , da muß ich alles wieder erzählen , wie er kam , und wie es mir zu Mute wurde ; das wird mir sehr wohltun . Doch nun auch kein Wort mehr , bis du weißt , wer der Glückliche ist , und wie sich denn endlich einmal eine heitere Seele außer mir in die prachtvolle Residenz meiner Ahnen und vieler Uhus und Eulen hat verschlagen lassen . Du weißt , Otilie , vor drei Tagen war ein schreckliches Gewitter , und der Vater war mit Josten auf die Jagd geritten . Er kam zurück und hatte seine Brieftasche verloren , in der unser Stammbaum ist ; er kehrte also mit Josten schnell wieder um , um dies Kleinod zu suchen . Ich bedauerte ihn sehr , daß er in dem Wetter reiten wollte , und sagte ihm , er möchte den Kastellan wegschicken , und wenn der ihn nicht fände , so könne er sich ja vom Amtmann , der doch nicht wisse , was er vor Langeweile treiben soll , einen andern machen lassen . Ich glaubte nun wunder , was ich Gescheites gesagt hätte , und der Vater machte große Augen , hob die Hand in die Höh , und ich glaubte , nun würde er mich in die Wangen kneipen , und da wollte ich meine Bitte , dich zu besuchen , vorbringen . Aber , denke nur , er gab mir eine Ohrfeige . » Gänschen , einen andern machen ; nein , dich und deine Mutter ausstreichen lassen . « Jost sagte : » Und so ists recht , Fräulein Claudia . « Und nun gings mit ihnen zur Türe hinaus . Ich setzte mich auf das Plätzchen im Erker , wo sonst meine Mutter saß , wie sie noch lebte und weinte . Ich dachte an sie und weinte auch . Nun ging die