frühzeitiger Morgensonne und schnellem Aufspringen bewahret ; aber durch die Erwartung des Abends und durch die Reise wurde der Tag seines Lebens jetzt zu warm und zu treibend . Zufällig und träumend verlor er sich unter Orangeblüten ; plötzlich war ihm , als mache ein süßes Wühlen im innersten Herzen dieses beklemmend weit und leer und wieder voll . Ach er wußte nicht , daß es die Düfte waren , die er hier in seiner Kindheit so oft in die Brust gesogen , und welche nun jede Phantasie und Erinnerung der Vergangenheit dunkel , aber gewaltsam zurückriefen , eben weil Düfte , ungleich den abgenützten Merkmalen des Auges und des Ohres , seltener kommen und also leichter und heftiger die verblichene Empfindung erneuern . Aber als er in eine Arkade des Palastes , welche bunte Steine und Muscheln stickend färbten , geriet , und als er die Wogen spielend auf die Schwelle der Grotte hüpfen sah : so deckte sich ihm auf einmal eine bemoosete Vergangenheit auf - er durchsuchte seine Erinnerungen - die Farbensteine der Grotte lagen gleichsam voll Inschriften der vorigen Zeit vor seinem Gedächtnis . - - Ach hier war er ja tausendmal mit seiner Mutter gewesen , sie hatte ihm die Muscheln gezeigt und die Nähe der Wellen verboten , und einmal , da die Sonne aufging und da der durchwehte See und alle Steinchen glänzten , war er auf ihrem Schoße mitten unter den Lichtern aufgewacht . - O war denn nun die Stelle nicht geheiligt und auf ihr seine überwältigende Sehnsucht nicht entschuldigt , die er heute so lange gehabt , die schöne Armwunde dem tobenden und quälenden Blute aufzumachen ? Er ritzte sich , aber zufällig zu tief ; und mit einem schönen kühlen Heben seines leichter atmenden Wesens sah er der roten Quelle seines Armes in der Abendsonne zu und wurde wie nach abgefallnen Bürden leichter - nüchtern - still - und weich . Er dachte an die verschwundne Mutter , deren Liebe nun ewig unvergolten blieb - ach er hätte dieses Blut gern für sie vergossen - ; und nun quoll heißer als je in seiner Brust die Liebe für den kränklichen Vater auf : o komme bald , sagte sein Herz , ich will dich so unaussprechlich lieben , du lieber Vater ! Die Sonne erkaltete an der feuchten Erde - nur noch die zackige Mauerkrone aus den Goldstufen der Gletscherspitzen glühte über ausgelöschten Wolken - und die Zauberlaterne der Natur warf ihre Bilder nur noch gezogner und matter : da ging eine lange Gestalt in einem offnen roten Mantel langsam um die Zedratobäume auf ihn zu , rieb mit der Rechten an der Stelle des Herzens , woran kleine Funken verglommen , und zerdrückte mit der halb erhobnen Linken eine Wachslarve zum Klumpen und blickte in die eigne Brust . Plötzlich erstarrete sie an der Wand des Palastes in versteinerter Stellung . Albano drückte die Hand auf die kleine Wunde und ging nahe zu dem Versteinerten - Welche Gestalt ! - Aus einem vertrockneten hagern Angesicht erhob sich zwischen Augen , die halb unter den Augenknochen fortbrannten , eine verachtende Nase mit stolzem Wurf- ein Cherub mit dem Keime des Abfalls , ein verschmähender gebietender Geist stand da , der nichts lieben konnte , nicht sein eignes Herz , kaum ein höheres , einer von jenen Fürchterlichen , die sich über die Menschen , über das Unglück , über die Erde und über das - Gewissen erheben , und denen es gleich gilt , welches Menschenblut sie hingießen , ob fremdes oder ihres . - Es war Don Gaspard . Die Funken-werfende Ordenskette aus Stahl und Edelsteinen verriet ihn . Die Starrsucht , seine alte Krankheit , hatt ' ihn ergriffen . » O Vater ! « sagte Albano erschrocken und umfaßte die unbewegliche Gestalt , aber er drückte gleichsam den kalten Tod ans Herz . Er schmeckte die Bitterkeit einer Hölle - er küßte die starre Lippe und rief lauter - endlich trat er vor ihm mit fallenden Armen zurück , und die aufgedeckte Wunde blutete ungefühlt nieder - und er blickte , zähneknirschend vor wilder junger Liebe und vor Schmerz , und mit großen Eistropfen in den Augen , den Stummen an und riß ihm die Hand vom Herzen . - - Hier schlug erwachend Gaspard die Augen auf und sagte : » Willkommen , mein lieber Sohn ! « - Da sank ihm mit unüberschwenglicher Seligkeit und Liebe das Kind ans Vaterherz und weinte und schwieg . » Du blutest , Albano , « sagte Gaspard , ihn sanft zurückstemmend , » verbinde dich ! « - » Laß mich bluten , ich will mit dir sterben , wenn du stirbst - o wie hab ' ich so lange nach dir geschmachtet , mein guter Vater ! « sagte Albano , noch tiefer erschüttert von dem kranken väterlichen Herzen , das er jetzt an seinem heftiger schlagen fühlte . » Recht gut , verbinde dich aber ! « sagt ' er ; und als der Sohn es tat und während des schnellsten Umwickelns mit unersättlicher Liebe in das väterliche Auge schauete , und als das Auge nur kalte Blitze warf wie sein Ring-Juwel - so schlug auf den Kastaniengipfeln , dem heutigen Throne der Morgensonne , der leise Mond sein frommes Auge stillend auf , und dem entflammten Albano war es an diesem kindlichen und mütterlichen Wohnplatze , als schaue der Geist seiner Mutter vom Himmel und rufe : » Ich werde weinen , wenn ihr euch nicht liebt . « Sein wallendes Herz zerfloß , und er sagte sanft zu dem im Mondlicht bleichern Vater : » Liebst du mich denn nicht ? « - » Lieber Alban , « versetzte der Vater , » man kann dir nicht genug antworten - du bist recht gut - es ist recht gut . « Aber mit dem Stolze der Liebe , die sich kühn mit der väterlichen maß , ergriff er fest die Hand mit der