fragen , sich dem beugt , der überhaupt befiehlt , da siegte die instinktmäßige Fügsamkeit untergeordneter Naturen gegen eine überlegene Kraft . Sie bebten scheu zurück vor diesen flammenden Augen , die sie längst fürchten gelernt hatten , vor dieser drohenden Stirn mit der hochaufgeschwollenen blauen Ader . Und Waldemar stand ihnen unversehrt gegenüber . Die nie fehlende Kugel Osieckis war machtlos an ihm abgeglitten , aber der Förster lag tot am Boden , mitten ins Herz getroffen – es lag etwas von abergläubischem Grauen in der Bewegung , mit der die Nächststehenden zurückwichen . Langsam senkten sich die drohenden Läufe . Der Kreis um den Gutsherrn wurde weiter und weiter ; das Wagnis , mit dem er , der einzelne , einer sechsfachen Uebermacht die Spitze bot , war geglückt . Waldemar wandte sich um , und den Arm Wandas ergreifend , zog er sie an sich . » Und nun gebt den Weg frei ! « befahl er in dem gleichen gebieterischen Ton , » schafft Raum ! « Einige der Leute rührten sich nicht von der Stelle , die beiden vordersten aber wichen zögernd zurück und gaben dadurch in der That die Thür frei . Keiner von den übrigen widersetzte sich . Kein Wort des Widerspruchs wurde laut ; schweigend ließen sie ihren Herrn und die Gräfin Morynska durch . Waldemar beschleunigte seine Schritte nicht im mindesten . Er wußte , daß er die Gefahr nur für den Augenblick bewältigt hatte , daß sie verdoppelt zurückkehrte , sobald die Leute zur Besinnung kamen und sich ihrer Ueberlegenheit bewußt wurden , aber er fühlte auch , daß das geringste Zeichen von Furcht verhängnisvoll werden mußte . Noch beherrschte die Macht seines Auges und seiner Stimme die ganze sonst so zügellose Bande – es galt , sie hinter sich zu lassen , noch ehe der Bann gebrochen war , und das konnte schon in der nächsten Minute geschehen . Er trat mit Wanda ins Freie . Draußen harrte der Schlitten , und der Kutscher mit schreckensbleichem Gesicht eilte ihnen entgegen . Die Schüsse hatten ihn an das Fenster gelockt ; er mußte den Vorgang teilweise mit angesehen haben . Waldemar hob rasch seine Begleiterin in den Schlitten und stieg selbst nach . » Fort ! « sagte er kurz und hastig . » Bis zu den Bäumen dort im Schritt , dann aber gib den Pferden die Zügel , und so schnell wie möglich in den Wald hinein ! « Der Kutscher gehorchte . Er mochte wohl um sein eigenes Leben besorgt sein . In wenigen Minuten hatten sie die schützenden Bäume erreicht , und nun ging es in rasender Eile vorwärts . Waldemar hielt noch immer die Waffe mit dem gespannten Hahn in der Rechten , seine Linke aber , umschloß die Hand Wandas so fest , als wolle er sie nicht wieder loslassen . Erst als eine ganze Strecke zwischen ihnen und der Försterei lag und jede Furcht vor nachgesandten Kugeln beseitigt war , gab er seine Verteidigungsstellung auf und wandte sich zu seiner Begleiterin . Er sah es erst jetzt , daß die Hand , welche er in der seinigen hielt , mit Blut bedeckt war – es rieselte noch in einzelnen schweren Tropfen unter dem Aermel des Kleides hervor , und der Mann , der eben noch mit so eiserner Ruhe der Gefahr die Stirn geboten hatte , wurde bleich bis an die Lippen . » Es ist nichts , « sagte Wanda , hastig seiner Frage zuvorkommend . » Die Kugel Osieckis muß mich gestreift haben . Ich fühle die Wunde erst in diesem Augenblick . « Waldemar riß sein Taschentuch hervor und war ihr behilflich , es um den verwundeten Arm zu legen . Er wollte reden – da hob die junge Gräfin das totenblasse Antlitz empor . Sie bat nicht , aber es stand ein Ausdruck so angstvollen Flehens darin , daß Nordeck verstummte ; er begriff , daß er sie für den Moment wenigstens schonen mußte . Nur ihren Namen sprach er aus , aber es lag mehr in dem einen Wort , als eine ganze stürmische Erklärung faßte : » Wanda ! « Sein Blick suchte den ihrigen , aber umsonst – sie hob das Auge nicht wieder empor , und ihre Hand lag schwer und kalt in der seinigen . » Hoffen Sie nichts ! « sagte sie tonlos und so leise , daß es nur wie ein ersterbender Hauch sein Ohr berührte . » Sie sind der Feind meines Volkes – und ich bin die Braut Leo Baratowskis . « – Das Ereignis auf der Grenzförsterei , das nicht verschwiegen bleiben konnte , da es mit dem Tode des Försters einen so ernsten Ausgang genommen hatte , rief begreiflicherweise eine große Aufregung in Wilicza hervor . Der Fürstin konnte nichts unerwünschter sein , als dieser offene und blutige Konflikt . Doktor Fabian und der Administrator gerieten in Bestürzung , und die Untergebenen , je nachdem sie nun zu dem Gutsherrn oder der Fürstin hielten , teilten sich in zwei Lager , die leidenschaftlich für oder gegen die Sache Partei nahmen . Nur einen einzigen Menschen gab es , den sie trotz ihres tragischen Ausgangs glücklich machte – den Assessor Hubert . Er befand sich , wie schon erwähnt , gerade im Hause des Administrators ; jener Vorfall hob ihn sofort auf die Höhe der Situation , führte ihn in amtlicher Eigenschaft nach dem Schlosse , zwang Herrn Nordeck , in unmittelbaren Verkehr mit ihm zu treten – alles Dinge , die Hubert längst ersehnt hatte , ohne sie bisher erreichen zu können . Waldemar hatte ihm in aller Kürze angezeigt , daß er , zur äußersten Notwehr gedrängt , den Förster Osiecki erschossen habe , nachdem dieser einen Mordversuch auf ihn gemacht . Er hatte gleichzeitig den Beamten ersucht , die nötigen Schritte zur Klarstellung der Sache in L. zu veranlassen , und sich zu jeder Vernehmung bereit erklärt , und der Vertreter des Polizeidepartements von L. war