nicht Lorenz eingetreten ; Martha , die durch ’ s Fenster ihn kommen sah , ging ihm entgegen und öffnete die Thür . Es war doch ein eigenthümlich kaltes Verhältniß zwischen den Brautleuten ; trotz des Ernstes dieser Tage , die wenig zu Zärtlichkeiten herausforderten , hätte der Gruß des Mädchens wärmer sein können , hätte vielleicht grade deswegen wärmer sein müssen , und der junge Bergmann schien das zu fühlen , denn seine Miene nahm den Ausdruck der Kränkung an , und er hielt mitten in seiner herzlichen Begrüßung inne , aber Martha bemerke beides nicht einmal , und mit einer raschen Bewegung wandte er sich zu Ulrich . „ Nun ? “ fragte dieser , in seinem Gange innehaltend . Lorenz zuckte die Achseln . „ Wie ich ’ s Dir vorher gesagt habe ! Morgen werden sich vierhundert zur Arbeit melden , ebenso viele zögern und schwanken noch . Du bist kaum mehr der Hälfte sicher . “ Diesmal fuhr Ulrich nicht auf , wie wohl sonst bei einer ähnlichen Gelegenheit ; die wilde Gereiztheit , die er heute Morgen gezeigt , wo es sich doch um einen verhältnißmäßig viel geringeren Abfall seiner Cameraden gehandelt , stach seltsam ab gegen die fast unnatürliche Ruhe , mit der er jetzt wiederholte : „ Kaum mehr die Hälfte ! Und wie lange wird die noch aushalten ? “ Lorenz umging die Antwort . „ Es ist die ganze jüngere Knappschaft ! Die hat von Anfang an zu Dir gestanden und die hält auch bei Dir aus , selbst wenn es morgen wieder etwas an den Schachten geben sollte . Ulrich , willst Du es denn wirklich dahin treiben ? “ „ Er wird es so lange treiben , “ sagte der Schichtmeister aufstehend , „ bis sie alle von ihm abfallen , einer nach dem anderen , bis er zuletzt ganz allein bleibt . Ich hab ’ s Euch gesagt , Ihr kommt nicht durch mit Euren unsinnigen Forderungen und Eurem unsinnigen Hasse , der bei dem Vater am Platze gewesen wäre , den aber der Sohn wahrhaftig nicht verdient hat . Es war genug , was er Euch bot , das weiß ich , der ich doch am Ende auch in den Schachten gearbeitet habe , und auch ein Herz habe für meines Gleichen , und die Meisten hätten es gern genommen , was ihnen geboten wurde , aber sie wurden ja niedergeschrieen und niedergedroht , bis sich Keiner mehr zu rühren wagte , weil sich der Ulrich in den Kopf gesetzt hatte , Unmögliches zu verlangen . Jetzt ist ’ s wochenlang gegangen , all das Elend , all die Sorge und die Noth , und ist doch , umsonst gewesen . Es kommt doch endlich auch einmal der Tag , wo Weib und Kinder mit ihrem Hunger allem vorangehen , und so weit sind wir jetzt . Du hast ’ s dahin gebracht , Ulrich , Du allein ; jetzt mach ’ auch ein Ende damit ! “ Der alte Mann war aufgestanden und blickte seinen Sohn beinahe drohend an , aber Ulrich blieb selbst diesem stummen Vorwurf gegenüber , der zu einer anderen Zeit wohl seinen ganzen Trotz herausgefordert hätte , in seiner düsteren Gelassenheit . „ Mit Dir ist nicht zu streiten , Vater , “ entgegnete er kalt , „ das weiß ich längst ! Du bist zufrieden , wenn Du Dein hartes Brod in Ruhe essen kannst , und was darüber hinausliegt , heißt Dir Thorheit oder Verbrechen . Ich habe Alles an Alles gesetzt ! Ich dachte es durchzuführen und hätte es auch gethan , wäre dieser Berkow nicht auf einmal aufgestanden und hätte uns eine Stirn gezeigt wie von Eisen . Wenn ’ s jetzt mißglückt – nun , ich bin ja noch der Hälfte meiner Cameraden sicher , wie Karl sagt , und mit der werde ich es ihm zeigen , was es heißt , wenn wir unterliegen . Er soll den Sieg theuer genug bezahlen ! “ Der Schichtmeister sah auf Lorenz , der mit gesenktem Kopfe dastand , ohne sich an dem Gespräche zu betheiligen , und dann wieder auf seinen Sohn . „ Sieh erst zu , ob die Hälfte Dir treu bleibt , wenn der Herr wieder so dazwischen tritt , wie heut Mittag ! Das hat Dir die andere Hälfte gekostet , Ulrich . Meinst Du , es hat nicht gewirkt , wie er sich benahm , vom ersten Tage an , als Ihr anfinget , ihm zu drohen ? Meinst Du , sie fühlten nicht Alle , daß er Dir und ihnen gewachsen ist und sie jetzt zur Noth allein zügeln kann , wenn Du einmal aufhörst , ihr Herr zu sein ? Heut Morgen haben die Ersten die Arbeit wieder aufgenommen ; schon vor drei Wochen hätten sie es gethan , wenn sie es nur gewagt hätten . Jetzt ist einmal der Anfang gemacht , jetzt ist auch kein Haltens mehr ! “ „ Da magst Recht haben , Vater , “ sagte Ulrich tonlos ; „ es ist kein Haltens mehr ! Ich habe auf sie gebaut wie auf Felsen , und nun ist ’ s elender Sand , der mir unter den Händen zerrinnt . Berkow hat es gelernt , wie er die Feiglinge an sich zieht , mit seinen Reden , mit seiner verdammten Manier , mitten unter sie zu treten , als ob es gar keine Steine gäbe , die ihm an die Stirn fliegen könnten , gar keine Schlägel , die zur Noth auch einmal den hochgeehrten Herrn Chef treffen , und darum eben wagt sich Keiner an ihn . Ich weiß es , warum er heut auf einmal den Kopf so hoch trug , warum er mitten in das Toben hineinfuhr mit einer Miene , als könnte ihm der Sieg und das Glück jetzt gar nicht mehr fehlen , und ich weiß auch , daß es ihm jetzt zurückkommt – habe ich ’ s ihm doch