‹ , sagte ich mir und rannte fort . Zehn Minuten drauf kroch ich mit der armen Frau durch das Maßholdergebüsch drüben beim rechten Flügel und durch die kleine Bohlenthür an der eisernen Wendeltreppe . Niemand sah uns ; kein Mensch hatte eine Ahnung , daß da etwas passierte , wofür die ganze Schloßgesellschaft vom Herrn Hofmarschall ausgepeitscht worden wäre , wenn er ' s gewußt hätte ... Ich machte die Thür im roten Zimmer auf – mein Herz hämmerte ordentlich vor Angst – und sie flog mir voraus – den Aufschrei vergess ' ich nicht , solange mir die Augen im Kopfe stehen . Das arme Weib ! Aus ihrem schönen Herzallerliebsten , aus dem stolzesten Herrn war ein Gespenst geworden ... Sie warf sich über sein Bett hin . Ach , neben seinem gelben hohlen Gesicht sah man erst , wie frisch und schön sie war ; wie eine rotweiße Apfelblüte lag sie auf den grünseidenen Decken ... Er sah sie zuerst ernsthaft an , bis sie ihre Arme um seinen Hals legte und ihr kleines Gesicht an seines drückte , ganz so wie früher . Da streichelte er ihr das Haar , und sie fing an zu sprechen , in ihrer Sprache – ich verstand kein Wort – und das ging immer schneller , und sie mußte wohl alles ' runter sagen , was sie auf dem Herzen hatte , denn seine Augen wurden immer größer und funkelten , und das bißchen Blut , das er noch in den Adern hatte , trat ihm in die Stirn ... Und was ich auf dem Herzen hatte , das sagte ich auch ... Herr Gott , mir wurde aber doch angst und bange ; ich dachte , er stürbe auf der Stelle . Er wollte mit aller Gewalt sprechen – es ging nicht . Da schrieb er auf ein Papier : › Können Sie mir Gerichtspersonen herbeischaffen ? ‹ Ich schüttelte den Kopf ; das war unmöglich ; er mochte es wohl selbst am besten wissen ... Da schrieb er nun wieder . Wie mich das dauerte ! Die Schweißtropfen standen ihm auf der Stirn , und in den Augen hatte er Angst , ich sah ' s wohl , wahre Seelenangst um das schöne , liebe Wesen , das ihm fortwährend das Gesicht streichelte und so selig war , daß es wieder bei ihm sein durfte ... Er war fertig , und ich mußte ein Licht anbrennen und Siegellack bringen . Mit dem kostbaren Ringe , den er dem Herrn Hofmarschall geschenkt hat , machte er zwei große Siegel unter das Geschriebene – er that es selbst ; aber weil er zu schwach war , so mußte ich seine Hände derb niederdrücken , damit das Wappen ja recht klar und scharf in dem Lacke ausgeprägt wurde . Er sah es nachher durch ein Glas an , und es mußte recht sein , denn er nickte mit dem Kopfe . Er hielt mir den Zettel hin ; ich sollte die Aufschrift laut lesen , und da buchstabierte ich denn auch heraus : › An den Freiherrn Raoul von Mainau ‹ , und da übergab er mir das Papier zur Besorgung ; aber sie sprang auf und riß es mir weg und küßte es in einem fort ; nachher schüttete sie das , was in dem kleinen silbernen Buche lag , auf die Erde und legte den Zettel dafür hinein ... Wie ein Lachen ging es dabei über sein Gesicht , und er winkte mir zu , als wollte er sagen , es sei da einstweilen gut aufgehoben . Er hat sie nachher noch geherzt und geküßt – zum letztenmal auf Erden ; er hat ' s gewußt , aber sie dachte es nicht ... Sie wollte auch nicht fort , als er mir ein Zeichen machte , daß ich sie heimbringen sollte . Sie fing zu weinen an wie ein Kind ; aber sie war ja so sanft und folgsam – er sah sie nur ernsthaft an und hob den Finger , und da ging sie hinaus ... Wenn sie nur immer so gefolgt hätte ! Aber nun , wo sie ihn wiedergesehen hatte , sehnte sie sich krank ; sie sah nicht einmal den kleinen Gabriel an , so sehr setzte ihr der eine Gedanke zu – und da geschah ' s eben . Sie entwischte mir und war ohne mich in das Schloß gelaufen , und der Herr Hofmarschall hat sie im Gange vor dem Krankenzimmer ertappt ... Wie es dann gekommen ist , ob sie hat schreien wollen , und er ihr deshalb die Kehle zugedrückt hat , oder ob er ' s in der wütenden Eifersucht gethan hat , das weiß niemand , und an die Sonne wird ' s auch niemals kommen ; aber gethan hat er ' s , ich weiß es von ihr selber , denn ich verstand ihr Wesen und ihre Augen so gut , als ob sie spräche . Im Anfange war ja ihr Kopf auch noch ganz klar , bis der Hofprediger gekommen ist und immer so in sie hineingeredet hat – da schrie sie endlich einmal auf , so gräßlich , wie jemand , der gefoltert wird . Herr Gott , der ist gelaufen ! Er hat ' s nicht wieder probiert ; aber sein Schönthun verfing auch nicht mehr – das arme Gehirn war nicht wieder in Ordnung zu bringen ... Nun habe ich alles gesagt , und nun bitte ich Sie , nehmen Sie die Kette mit dem silbernen Büchelchen an sich . « » In diesem Augenblicke doch nicht ? « rief Liane entsetzt . Sie trat an das Bett und bog sich über die Sterbende . Aus den geöffneten Lippen wehte es ihr schon wie aus einer Gruft entgegen ; aber der Busen hob und senkte sich immer noch fast gleichmäßig . » Ich würde mich nie beruhigen , wenn sich ihre Augen im Momente der Berührung doch noch einmal öffneten und die Wegnahme