kniete neben Norina , seinem gesegneten Weibe . Sie fuhren mit vier Füchsen durch das Wiesental . Ein frischer Oktoberwind schüttelte die Bäume über ihnen , daß es goldene Blätter regnete . Und was der Himmel der Tochter Italiens an Farben schuldig blieb , das gab ihr der Wald in märchenhafter Fülle . Immer wieder mußte der Kutscher die erregten jungen Pferde bändigen , denn Norinas Augen wurden nicht satt , zu sehen . In allen Schattierungen von Braun und Gelb und Rot leuchteten die Höhen . Zu Ehren der Einziehenden trugen sie ihr Festgewand . Es war Sonntag heute . Von Wandernden war die Straße belebt . Aus allen Wirtshäusern am Wege schallte Musik ; die hellen Kleider der Mädchen , die bunten Schärpen der Kinder belebten die Wiesengründe wie große Blumen . Und je näher sie dem Tale der Hochseß kamen - sie fuhren nicht über die kahle Hochebene , denn nur der schönste Weg sollte Norina in die Heimat führen - , desto mehr sammelten sich die Landleute an der Straße , das junge Paar neugierig erwartend . Im Wirtsgarten von Gasselsdorf unter der riesigen Kastanie , deren Äste sich über ihn und noch weit über die Straße reckten , - ein Dach von schimmerndem Golde heut - , stand die dicke Wirtin , einen Korb rotbackiger Äpfel in den Wagen reichend . » Gottes Segen zum Einzug , « sagte sie . Norina begriff nicht , warum Konrad ihr kaum Zeit ließ zum Danken . Am nächsten Dorf , wo das Schulhaus für die Hochsesser Jugend lag , stand der Lehrer , umringt von Buben und Mädels , die Fahnen schwenkten und Hurra riefen ; - Norina in ihrer Freude hätte am liebsten jedem einzelnen die roten Wangen geküßt . Dann wurde das Tal ganz still , ganz eng und heimlich . Hier war kein Platz für ein Haus . Ernsthaft , schon im beginnenden Abenddämmern , standen die waldigen Höhen , die zerklüfteten Felsen , dem leise sich selbst in den Schlaf singenden Bächlein zur Seite , wie treue Wächter an der Wiege des Thronerben . Norinas Kopf lehnte an Konrads Schulter . » O , du - du , « flüsterte sie , während ihre Augen durch Tränen der Seligkeit glänzten , » wie schön , wie wunderschön ist unsres Kindes Heimat ! « » Unsres Kindes ! « Ein erstickter Schrei war ' s , mit dem Konrad sie an sich zog , ihre Stirn , ihre Augen , ihre Lippen mit Küssen bedeckend , um schließlich den Mund in heißer Leidenschaft auf den Nacken zu pressen , da , wo der Ansatz der blauschwarzen Haare ihn am weißesten erscheinen ließ . » Konrad , Konrad ! « mahnte sie leise , dunkel erglüht nach dem Kutscher weisend . » Der Johann ? ! « lachte er übermütig auf , » der hat an die Füchse zu denken und dann , - meinst du nicht , daß er weiß , was ein junger Ehemann tut , der eine wunderschöne Frau hat ? ! « Er versuchte sie wieder zu küssen ; sie aber bog sich weit zurück , » du weißt doch , Konrad - , « mit leisem Vorwurf sagend . » Ich weiß ! « entgegnete er , sie frei gebend , - eine unsichtbare Hand schien die Falte zwischen seinen Brauen wieder tief in die Stirne zu modellieren ; - » ich weiß , daß du nur dem Kinde gehören willst . « Um dann , als bereue er den Ton von Unmut , den er angeschlagen hatte , mit innigem Ausdruck in Stimme und Gebärde hinzuzufügen : » Unserm Kinde ! « Ein Seitensprung der beiden Vorderpferde riß ihn aus dem Sitz empor . » Was stehst du da , dummes Gör , und erschrickst die Gäule , « schimpfte der Kutscher , der die Tiere rasch wieder in seine Gewalt bekam . Norina hatte sich herausgebogen . Ein blondes Mädchen mit hellen , zärtlichen Blauaugen stand am Wege , einen großen Strauß bunter Herbstblumen , den ihre beiden Hände kaum zu umklammern vermochten in den Wagen hineinstreckend . » Ich habe zur heiligen Jungfrau gebetet - alle Tage - , « flüsterte sie aufgeregt und ließ ihn auf Norinas Schoß fallen , über dem die Blumen sich breiteten wie ein Teppich . Sie wollte danken , doch die Kleine war auf und davon . » Der Greislerin ihr lediges Kind , « brummte der Kutscher ärgerlich . Der Weg stieg an . Schon grüßte von der flatternden Fahne die rote Rose von Hochseß . Und die untergehende Sonne spiegelte ihre Glut in allen Fenstern des Schlosses . » Lauter Rosen leuchten dir ! « rief Konrad selig . Sie aber wandte ihm das Antlitz zu . Es war todblaß . » Es sind Rosen , nicht wahr ? ! « kam es bebend von ihren Lippen . » Kein Blut ? - Kein Blut ? ! « Sie mußten an Eckartshof vorüber . Konrad hatte nicht gewagt , durch ein Verbot des Empfangs den Ärger der alten Damen noch mehr zu steigern ; mit erleichtertem Aufatmen sah er nun die geschlossenen Türen , die verhängten Fenster . Schon waren sie am Garten vorbeigefahren , als Norina , die Menge der Dahlien darin bewundernd , sich nochmals umwandte ; da saßen auf der Hecke zwei Köpfe wie körperlos , jeder ein Abbild des anderen : graue Scheitel um farblose Gesichter - hämisch herabgezogene Mundwinkel , graugrün von Neugierde , oder von Haß - oder von beidem ? - funkelnde Augen . Sie bohrten sich alle vier in Norinas Antlitz . » Mal oggio ! « schrie sie auf , das Gesicht mit beiden Händen bedeckend . Sie ließ es ruhig geschehen , daß Konrad sie in die Arme nahm und ihr zuredete wie einem verängstigten Kinde . Er erzählte von den Tanten als verbitterten alten Jungfern , die schon auf dem Leben der Großmutter gelastet hätten , das ihre