des heiligen Zeno . Sie fanden zu Berchtesgaden abgespeiste Tische und leere Kästen . Es gab Gezänk und Raufereien . Die zu kurz Gekommenen zerstreuten sich im Tal , um die einschichtigen Bauernhöfe heimzusuchen . Herden von Vieh , Schafen , Ziegen und Schweinen wurden zusammengetrieben - item verloren viele Gänse , Enten , Hennen und Tauben die Köpfe , ohne daß der Amtsschreiber Pießböcker diesmal die Ziffern notieren mußte . Und ehe die schöne Nacht über die Berge hinging , flammten an vielen Orten die Dächer auf , in die ein mutwilliger oder enttäuschter Sackmacher das Feuer geworfen hatte . Zu Berchtesgaden hausten die Raubleut schauerlich . Einer von den höfischen Ministerialen brachte nach Einbruch der Nacht die Kunde dieser Greuel zur Klostergrube hinter dem Königssee , wo an die sechzig Flüchtlinge des fürstpröpstlichen Hofes versammelt waren , in einer Höhle und unter Zelten , auch unter freiem Himmel , im träumerischen Bergwald und bei lustig flackernden Feuern , an denen emsig gekocht und gebraten wurde . Herr Jettenrösch , der nicht nur das schmuckste Pfennigweiblein , sondern auch eine poetische Ader besaß , wurde durch die Schilderung der Sackmachergreuel dichterisch angeregt . Während er im Schöße des frummen Fräuleins Rusaley die von den Musen geküßte Stirn ruhen ließ , preßte er seinen Zorn über die Missetaten des Feindes in eine vaterländische Elegie , deren lateinische Hexameter besagten : » Vierzehnhundert zwanzigundeins , im Jahre des Unheils , Als die siebzehnte Sonne des Juli aus Nebeln emporstieg , Wurde mein Berchtesgaden tückisch bekriegt und geplündert . Gleich einer heidnischen Horde warf sich der Feind in den Tempel , Raubte den kostbaren Schmuck , entraffte die frommen Geräte , Schleppte die Meßbücher fort und - leider - die wertvollen Kelche , Samt den mit edlem Gestein umkrusteten Knöchlein der Heil ' gen . Dreimal weh den Verruchten , die an des Münsters Altären Häcksel , Hafer und Heu ihren mistenden Rossen geboten ! Solcher Frevel ward noch erhöht durch greuliche Sünde : Denn die verdammten Halunken - so nicht wissen , wen Gott ist - Schleuderten nicht nur schändlich fort die göttliche Zehrung , Nein , sie stahlen - o pfui ! - uns auch die Monstranz noch , die goldne . Zwiefach wurde der göttliche Kult gestört und geschädigt : Nicht nur die Priester mußten entfliehn , auch die Schwestern , die frommen , Da sie mit Recht die Schändung der heiligsten Güter besorgten . Weh ! Diesen Greuel verschuldete Herzog Heinrich der Schwarze . Nennt sich : katholischer Christ ! Und ist eine Geißel der Kirche ! Fürst von Bayern , du , hab acht , dein wartet die Hölle ! « Als der Mondschein über die Wipfel des Bergwaldes , hinglänzte und am Feuer die schmorenden Gänse dufteten , trug Herr Jettenrösch mit einer Stimme , die von Ergriffenheit bebte , seine lateinische Dichtung vor . Und als der begeisterte Sänger schloß und in der Stille des Bergwaldes erwartungsvoll umherblickte , erhob sich reichlicher Beifall . Es applaudierten auch jene , die gar nicht Latein verstanden . Der junge Sigwart zu Hundswieben preßte das Gesicht in die Hände und bewegte schluchzend die Schultern . » Liebster ? « fragte der geschmeichelte Dichter . » Weinst du über das Unglück unsres Landes ? « » Nein ! « Hundswieben hob das grinsende Gesicht mit dem Pflasterknoten auf der Nase . » Unser unglückliches Land wird sich in Bälde wieder erholen . Ich weine über deine schlechten Verse , die in Ewigkeit nicht mehr besser werden . « Herr Jettenrösch ärgerte sich . Alle andern lachten . Die heitere Stimmung mehrte sich noch , während man die am Spieße knusperig ausgefallenen Gänse verzehrte und gegen die Kühle der Bergnacht mit stark gewürztem Glühwein ankämpfte , der nicht nur den Magen wärmte , auch das Blut in allen Adern befeuerte . Gewagte Scherzworte flatterten auf ; neben den erlöschenden Feuern begannen allerlei Zärtlichkeiten heimlich zu spielen , und die Töchter der Hofbeamten ließen sich von den Domizellaren in modischen Gebräuchen unterrichten . Sogar die jungen Nönnlein beteiligten sich lebhaft an Gesprächen , wie sie sonst im Schwesternhause niemals geführt wurden . Und sie bekamen glühende Wangen , als die frummen Fräulein Rusaley , Aglaja und Gerilind ein süßes , sehnsuchtsvolles Liedchen mit feinem Dreiklang hinauszwitscherten in die stille , schöne Nacht . Das Mondlicht tauchte hinter den Watzmann hinunter , das sanft rauschende Dach der Bäume wurde finster , kleine Leuchtkäferchen flogen um , und während es den Anschein hatte , als wäre das Lager der Flüchtigen schon tief in Schlummer gesunken , huschte mit leisem Kichern das ewig Menschliche durch den friedvollen Bergwald - - - - Um diese dunkle Stunde erwachte zu Berchtesgaden eine Schläferin und fuhr aus den Kissen auf , geweckt durch einen heiser gellenden Schrei der eigenen Kehle . Ihre verstörten Augen irrten in der Finsternis , von der sie umgaben war , und fanden die matte Helle des kleinen , vergitterten Fensters . Mit wirbelnden Sinnen und unter tobenden Herzschlägen begann sie dieses Entsetzliche zu verstehen : Die Feinde hatten sie gefangen , hatten ihr das blutige Eisen aus der Faust gewunden und hatten sie zu ewiger Strafe verdammt ; und nun lag sie in diesem finsteren Kerker , zu gerechter Buße für die unmenschliche Tat , die sie begangen hatte im Grausen der Schlacht . Begangen ? Wer ? Ihre eigne Faust , ihr Herz , ihr Wille ? Nein ! Nein ! Nur dieses schreckliche , von einem bösen Geist geführte Eisen hatte das Grauenvolle verbrochen . Dieses Eisen , das ein lebendiges Ding mit eignem Willen war und immer stach und schlug und mordete ! Dieses Eisen , das ein widerstrebendes , von allen Schrecken der Erde gepeinigtes Menschenkind hinter sich her riß und die an den Schwertgriff gebannte Faust mißbrauchte , um eine geliebte Stirn zu spalten . Zitternd an allen Gliedern , brennend an Leib und Seele , saß die Erwachte in den Kissen , immer gemartert von der