hier aus nach West wenden , ohne erst nach der Salzgabel des Red River zu reiten . Ich hatte damals nur darum nicht den kürzeren , sondern den weiteren Weg gemacht , weil er von Sander , den ich verfolgte , eingeschlagen worden war . Ich stellte es nun jetzt meinen Begleitern anheim , sich eine von beiden Routen zu wählen . Sie waren so klug , sich für die kürzere zu entscheiden , und so kam es , daß wir eher in die Nähe des Zieles gelangten , als sie anderen Falles von uns erreicht worden wäre . Die Gegend durch welche wir zuletzt ritten , war öd und wasserlos . Kein Baum , kein Strauch , kein Grashalm erfreute das Auge . Es gab nur Stein und Felsen , weiter nichts . Das Gelände war bisher ziemlich eben gewesen , begann aber nun , langsam zu steigen . Es war schon Mittag . Wir hielten aber nicht an , um zu essen oder auszuruhen , denn es fehlte das Wasser , auf das wir erst später , wenn wir höher hinaufkamen , rechnen durften . Da sahen wir einen Reiter , weit vor uns draußen , der hinter einer kleinen Anhöhe verborgen gewesen war und nun langsam hervorkam , um uns entgegen zu reiten . Er hatte uns von diesem seinem Versteck aus beobachtet . Warum blieb er nicht verborgen ? Warum kam er schon jetzt hervor ? Er konnte uns ja noch gar nicht genau erkennen . Ein erfahrener Krieger hätte gewartet , bis er uns in größerer Nähe hatte . Lag der Grund etwa nur darin , daß die alten Zeiten der Gefahr vorüber waren und man darum überhaupt nicht mehr so vorsichtig zu sein brauchte wie früher ? Es war ein Indianer . Er lenkte sein Pferd langsamen Schrittes auf uns zu . Dann hielt er an , um uns an sich kommen zu lassen . Er war keineswegs von hoher , breiter , sehniger Gestalt , sondern eher klein als groß zu nennen . Seine Kleidung bestand aus buntem Pueblostoff . Unter dem aus Agavefasern geflochtenen Hut floß das dunkle Haar lang auf den Rücken hernieder . Im Gürtel trug er ein Messer , am Riemen ein leichtes Gewehr . Sein Pferd war kein gewöhnlicher Gaul , und die Haltung des Reiters durfte als selbstbewußt , ja , ich möchte sagen , als indianisch-edel bezeichnet werden . Das Gesicht , ganz selbstverständlich vollständig bartlos , wollte mir bekannt erscheinen ; nur wußte ich nicht gleich , warum , woher und wohin . Er hatte weichere Linien und eine hellere , wärmere Farbe , als Indianer gewöhnlich zu haben pflegen . Und der Blick seines milden , ernsten , offenen Auges , welches fast an Winnetous Schwester Nscho-tschi erinnerte - ah , da kam es mir , da wußte ich es mit einem Male , wo und wann ich diesen Indianer gesehen hatte ! Und in demselben Augenblick wurde ich auch von ihm erkannt . Ich war zufällig am Ende unseres kleinen Trupps geritten . Darum traf mich sein Auge zu allerletzt . Es vergrößerte sich unter dem Eindruck der Ueberraschung , der Freude . Die Wangen röteten sich zusehends , fast wie bei einem jungen Mädchen , dem von dem erregten Pulse das Blut in das Gesicht getrieben wird . Er wollte das zwar verbergen , brachte es aber nicht fertig , während er es aber mir ganz gewiß nicht ansehen konnte , daß ich mich seiner erinnerte . Ich konnte mich beherrschen er aber nicht ; ich war ja ein Mann ; er aber war keiner . Und nun wußte ich auch , warum er so gegen alle männliche Vorsicht nicht versteckt geblieben , sondern auf uns zugeritten war ! Er sah fast verlegen aus und vergaß , uns anzureden . Darum ergriff Pappermann , der an unserer Spitze ritt , das Wort . Er hielt sein Pferd an und sagte : » Wir grüßen unsern roten Bruder . Ist das der richtige Weg nach dem Pa-wikonte ? « Der Gefragte antwortete : » Ich gehöre zu dem Stamme der Kiowa . Pa-wikonte aber ist ein Siouxwort , doch kenne ich es . Ja , dieser Weg ist der richtige nach dem See . Wollen meine Brüder hin ? « » Ja . « » So warne ich sie . « » Warum . « » Pa-wikonte heißt Wasser des Todes . Reitet ihr hin , so kann der See allerdings sehr leicht zu einem Wasser des Todes für euch werden . « Pappermann hatte in seinem indianisch-englisch-spanischen Kauderwelsch gefragt ; die Antwort war ihm in einem ziemlich guten Englisch geworden . Die Stimme des Kiowa klang wie die Stimme einer Frau , die sich bemüht , tief wie ein Mann zu sprechen . » Warum drohst du uns mit dem Tode ? « erkundigte sich der alte Jäger . » Ich drohe nicht , sondern ich warne , « erwiderte der Rote . » Beides ist gleich , wenn wir nur den Grund erfahren ! « » Gründe , wie dieser , sind nicht billig . Man teilt sie nur den besten Freunden mit . « » Wir sind deine Freunde ! « » Das sagst wohl du ; ich aber kenne dich nicht . « » So wisse , wer wir sind : Ich heiße Maksch Pappermann und bin schon vierzig Jahre lang als Westläufer bekannt . Da sind zwei Gentlemen , die Hariman und Sebulon Enters heißen . Der dritte Gentleman dort hinten ist Mr. Burton , und die Lady hier ist Mrs. Burton , seine Frau . Und unser roter Bruder da an meiner Seite ist ein Sohn der Apatschen und wird der junge Adler genannt . « Der Kiowa sah uns in der Reihenfolge , in der wir nacheinander aufgezählt wurden , mit scharfem , forschendem Auge an . Nur bei mir ließ er den Blick sinken . Bei meiner Frau war es , als ob er sie