Wachstein unser Bergdörfel vor feindlichem Volk behüteten . Auf einem Pferde aber saß ein Mägdlein in herrschaftlicher Tracht , und es folgte ein Trupp Leute . » Schauet doch ! « raunete man ; » ist das nicht unser adlig Fräulein ? Ei freilich , die junge Schaffgotschin ! Mit Maiwalds Karle kommt sie zu uns . Und da sind ja auch die Knäblein des gnädigen Herrn ! Und der Kemnitzer Rentmeister . « Den Ankömmlingen öffnete man eine Gasse und neigte sich vor der jungen Herrschaft . Als ein rechtes Prinzeßlein anzuschauen war Anna Elisabeth , Hans Ulrichs zwölfjährig Töchterlein , schön , zart wie die Mutter selig . Unter den vier blondlockigen Knaben hatte einer schon etwas vom hohen Wuchse seines Vaters . Der kleinste mochte sieben Lenze zählen . Zuerst vermeinete ich , es werde nun auch der Freiherr kommen . Doch nein . Und es schloß nun die Menge den Kreis um unsere Gäste . Das Pferd ward vor mir angehalten , und die junge Schaffgotschin sprach mit traurigem Lächeln : » Grüß euch , ihr Leute ! Ihr wisset , wir sind eures Grundherrn Kinder . Stehet uns nun bei , bitt euch ! Unser Vater - ach , unser Vater ... « Nicht weiter konnte sie und brach in Tränen aus , das Tüchel vor dem Angesicht . Weiber küßten ihres Gewandes Saum , und männiglich murmelte bestürzt : » Was hat ' s denn mit dem gnädigen Herrn ? « » Gute Leute ! « nahm der Rentmeister das Wort und zog den Hut vom ergrauenden Haupte - » eine Heimsuchung hat die edeln Schaffgotsche betroffen ; unser gnädiger Herr ward auf Befehl des Kaisers verhaftet ... « - » Mein Gott ! « rief alles entsetzt . » Verhaftet ? Auf Befehl des Kaisers ? Was tat denn unser Herr ? « » Die Verhaftung ist geschehen durch den General Colloredo ... « - » Da haben wir ' s ! « rief ich aus , » Italiener und Spaniolen erwürgen unser Volk . « - » Die Pfaffen sein schuld ! « meinte der Bauer Dreßler . » Die Jesuiter ! « schrien andere . Der Rentmeister fuhr fort : » Im Ohlauer Schlosse war ' s - da quartierte unser Herr . Wollte grade ausreiten , die Feldwachen zu besichtigen . Da ziehet klingenden Spiels Colloredosches Fußvolk auf und besetzt sogleich die Schloßpforten . Unseres Herrn Kammerdiener kommt hereingestürzt : Flugs machet fort , Herr ! Doch ihm auf den Fersen sind Colloredos Offiziere , die Degen entblößt . Einer weiset den Haftbefehl vor : Im Namen des Kaisers ! Herr Feldmarschall Colloredo gebeut , daß wir Ihro Gnaden nach Glatz transportieren , ohne Verzug , lebendig oder tot . - Unser Herr , zuerst starr und sprachlos , schäumte nun wie ein wilder Eber : Lebendig oder tot ? Ich will euch zeigen , wer den andern töten wird . - Und stürmte zur Ecke , wo die Standarten lehneten , und wo sein Degen hängen sollte . Doch der Degen fehlte , ein Schelm hatte ihn entwendet , und den Wehrlosen packten die Offiziere ... « - » Mein Gott ! « jammerten die Schreiberhauer , und es weineten die jungen Schaffgotsche . Dreßler rief : » Unser Herr ist halt ein Evangelischer , das ist sein Verbrechen ! « Der Bericht aber lautete des weitern : » Noch gleichen Tages waren alle Schriftstücke unseres Herrn von den Obersten genommen und versiegelt , und bei anbrechender Dunkelheit fuhr die Karrete mit dem Gefangenen zur Glatzer Feste . Hinterher ging das Gerücht , Herr Schaffgotsch habe benebst dem Herzog Wallenstein und dessen Schwager Tercky Hochverrat am Hause Habsburg begangen , nämlich den untergebenen Obersten befohlen , dem Wiener Hofe nicht Order zu parieren , dieweilen der Generalissimus mit Wien uneins sei und als Führer der Armada über der kaiserischen Regierung stehen müsse . « Da alles betreten schwieg , nahm Dreßler das Wort : » Wie dem auch sei - an unserm gnädigen Herrn ist kein Falsch . « - Dann sprach wieder der Rentmeister : » Ein gut Gewissen muß unser Herr haben , sintemalen er sein Eigentum , ja seine Kinder , ohne Schutz mitten unter Colloredoschem Volke gelassen hat . Das ist nach Lage der Dinge nun freilich schlimm . Es dräuet den Schaffgotschischen Besitzungen , und in puncto religionis auch den Kindern Gefahr von seiten der Jesuiter , so ja den Kaiser beherrschen . Stellet doch der Kardinal Dietrichstein allbereits das Ansinnen , es sollen evangelische Diener hinfürder den jungen Schaffgotschen fern bleiben ... « - » Hoho ! « murreten die Schreiberhauer . - » Man will unsere Herrschaft ausrauben « , nahm ich das Wort . » Raunet man doch , es bestehe bei Hofe das tägliche Brot aus konfiszierten Güteln . Da wird ihnen das Maul wässern nach dem Reichtum der Schaffgotsche . Ich möchte die hochgeborenen Kinder nicht bekümmern ; jedoch , Herr Rentmeister , sowie ihr lieben Schreiberhauer , man muß der Gefahr ins Auge schauen . Der Papismus recket seine Hand übers Gebirge , will uns Gut und Glauben nehmen . Da gilt es , fest und treu zueinander zu halten . Drum wollen wir unserm Grundherrn beistehen , so gut es unserm schwachen Vermögen gelingt . Nicht also , ihr Leute ? « - » Wir stehen bei ! « riefen sie . » Ich selber bin ein armer Eremit der Iserwildnis ... « - » Unser Prädikant ist er ! « rief man dazwischen . » Einen Buschprediger heißen sie mich . Ohne kirchliche Bestallung predige ich unsern Schreiberhauern , weil sie , geistlich verwaiset , mein Wort nicht ungern vernehmen und mein Saitenspiel . Ich suche ewiges Heil , suche den Frieden für unser armes Vaterland und bin unserm gnädigen Herrn Hans Ulrich ergeben . Seine Kinder haben eine Zuflucht bei uns , und ihre Feinde werden wir zurückscheuchen ... « Dreßler , der reckenhafte Bauer