versunken , auf der Terrasse sitzen . Dann stieg er die Treppe zum Garten hinab ; er wollte noch einen kurzen Rundgang in den duftenden Laubgängen machen . Unterdessen war Cajetane Ranegg gleichfalls - von einer anderen Seite - in den Garten gekommen ; die herrliche Nacht hatte sie herausgelockt . In ihrem Zimmer war sie von großer Unruhe gequält worden . Das Zusammentreffen mit dem so heftig geliebten Mann hatte sie aufs tiefste erschüttert . Wie sie ihn heute kennen gelernt - als liebevollen , um das Leben der Mutter so zärtlich besorgten Sohn - war er ihr noch teurer geworden . Morgen wollte sie abreisen ... Sie mußte ihn fliehen , wenn sie sich nicht verraten sollte . Vielleicht wußte er schon , wie es um sie stand . Die anonymen Briefe hatte er wohl durchschaut - und dennoch war er kalt geblieben ; sie hatte also nichts zu hoffen und ihr Stolz verbot ihr , sich dem Verdacht auszusetzen , daß sie ihn doch zu erobern trachtete . - Also fort von Grumitz . Dieser Entschluß verursachte ihr Schmerz - aber sie war das ihrer Würde schuldig ... Der Violenduft der schönen Sommernacht erschien ihr wie der Ausdruck ihres Schmerzes . Gerade wie Musik dasselbe zu sagen scheint - nur in verstärktem Maße - was in der Stimme des bewegten Hörers liegt , so sprechen mitunter auch Düfte nach , was die Seele des Atmenden erfüllt : Sehnsucht , Zärtlichkeit , Trauer . Um die Biegung eines dunklen Weges stießen die beiden Lustwandelnden aneinander . » O , Cajetane - - noch auf ? « Ihr Herz schlug heftig : » Ja - ich ... ich - es ist eine so schöne Nacht ... « » Wundervoll ... « Er schob ihren Arm unter den seinen , als ob es ganz selbstverständlich war , daß sie nun miteinander weiter promenieren sollten . Ein Glücksschauer durchrieselte das junge Mädchen , dennoch hielt ihre Wehmut an , denn sie wußte ja doch , daß sie hoffnungslos liebte . Rudolf begann von seiner Mutter zu sprechen . Das war doch die Frage , die ihn jetzt am meisten erfüllte : würde das Übel überwunden werden oder nicht ? Und das Bewußtsein , daß das Mädchen an seiner Seite von treuer Anhänglichkeit an die Kranke beseelt war , machte sie ihm lieb und wert - mehr noch als die Kenntnis ihrer Schwärmerei für ihn . Aber auch diese war ihm süß : geliebt von ihr - zum ersten Male , seit er Cajetane kannte , ergriff ihn dieser Gedanke mit einer dankbaren weichen Rührung . Er drückte ihren Arm an sich und blieb stehen . » Liebe Cajetane , « sagte er innig . Es war ihm ganz warm ums Herz . Aber nein : falsche Hoffnungen durfte er ihr nicht machen . Gewaltsam riß er sich aus der zärtlichen Stimmung heraus , und wieder weitergehend sagte er in veränderten Ton : » Wir müssen jetzt ins Haus zurück ... ich will noch einmal oben nachfragen . Und Sie ? ... Bleiben Sie noch draußen ? « Sie ließ seinen Arm los . » Ja , ich bleibe noch ... Gute Nacht . « » Also auf morgen . « Er schüttelte ihr die Hand und entfernte sich rasch . Cajetane wandte sich um und verlor sich in die dunklen Laubgänge . Der Violenduft war jetzt noch viel beredter als zuvor . Das kurze Erlebnis hatte die Stärke ihrer Gefühle verdoppelt : doppelt verliebt und - im Gegensatz zu der kurzen Seligkeit , die seine plötzliche Wärme erweckt und seine darauf folgende Kälte so schnell verscheuchte - doppelt unglücklich . Martha verbrachte eine gute , ruhige Nacht . Am folgenden Tag fühlte sie sich so gekräftigt , daß sie ausgehen wollte ; das gab aber der Arzt nicht zu ; sie durfte sich nicht anstrengen . Um zwei Uhr nahm sie am Mittagessen im Speisezimmer teil ; das Mahl wurde begangen wie eine Genesungsfeier . Cajetane aber fehlte dabei ; sie war am selben Mittag nach Raneggburg zu ihren Eltern zurückgekehrt . Als Rudolf von dieser Abreise erfuhr , war er unangenehm betroffen ; doch die Freude über die sichtliche Besserung seiner geliebten Kranken ließ die Mißstimmung nicht aufkommen . Die Idee , nächste Tage in Raneggsburg einen Besuch abzustatten , flog ihm durch den Sinn ... Er fragte : » Warum ist sie so plötzlich abgereist ? Ist etwas geschehen ? « » Oh , ihre Mutter begehrte schon lange nach ihr - sie sollte schon vor einigen Tagen fort und blieb nur wegen meiner Erkrankung ... und da ich jetzt wieder wohl bin - - « sagte Martha laut , leise fügte sie aber hinzu : » Sie flieht Dich . « Im Laufe des Nachmittags besuchte Rudolf seine Mutter auf ihrem Zimmer . Sie war allein . Wieder lag sie auf der Chaiselongue , denn es hatte sie plötzlich eine große Mattigkeit befallen und ein leiser Schmerz in der Herzgegend hatte sie daran gemahnt , daß der überstandene Anfall sich über kurz oder lang wiederholen könnte . » Nun , wie geht ' s ? « rief Rudolf eintretend , in munterem Ton . » Ach , leidlich ... Schön , daß Du kommst - ich habe Dir viel zu sagen . « » Strenge Dich nur nicht an mit Reden . « Er schob einen anderen Sessel herbei und setzte sich seitlich zu Füßen der Chaiselongue . » Ich möchte sprechen , « begann Martha , » von dem , was nach meinem Tode - « » Nein , nein , das verbitte ich mir , « unterbrach Rudolf ungestüm . » Du bist wieder gesund - ans Sterben brauchst Du nicht zu denken - und ich will nichts davon hören . « Martha faltete die Hände . » Sei doch vernünftig ! « bat sie . » Du kannst Dir nicht vorstellen , wie quälend mir jener Moment war , den ich für das Ende hielt