die Frauen , welche ihre Männer anbeteten . Die Liebe , welche nur auf eine einzige Person gerichtet ist , ist keine Liebe , sondern das häßliche , abstoßende Narrbild derselben . Schau die Mütter , welche als Sklavinnen vor den Füßen ihrer Töchter knieen , und die Gatten , welche sich von den heißgeliebten , angebeteten Füßen in den Staub treten lassen ! Der nichtigste Wunsch der vergötterten Lippen setzt sie in Galopp , während sie zur Erfüllung göttlicher Gebote oder für das Wohl ihres Nächsten kaum einen langsamen Schritt übrig haben . Wie sie auf jedes Wörtchen lauschen und sich bei der geringsten Trennung sehnen ! Wie sie arbeiten und sich sorgen , sich ganz hingeben , sich aufopfern , bis sie am Charakter vollständig zum Schatten geworden sind ! Für den aber , dem sie alles , alles verdanken , was ihnen gegeben worden ist , und dem sie dafür gehören für Zeit und Ewigkeit , für den haben sie keine Handreichung ! Und wenn er dann in seinem heiligen Zorne , um diesem Götzendienste ein Ende zu machen , den Gegenstand dieser Narretei aus dem Leben nimmt , welch ein Stöhnen und Jammern ist da zu hören und welche Verzweiflung , die sich selbst Vernichtung wünscht , zu sehen ! Wer in dieser Weise einen Menschen höher setzt als Gott , der wird sich dort an der Wage und dann an der Brücke auch nur auf diesen Menschen , nicht aber auf Gott zu verlassen haben ; das ist die unerschütterliche Gerechtigkeit , welche den Gegenstand der Sünde zum Mittel der Bestrafung macht ! Nun schau hinab auch zu den so heiß angebeteten Idolen . Sie wurden so lange verehrt und bedient , bis ihnen das als ganz selbstverständlich vorkam , und so ließen sie sich in dem Bewußtsein , ganz erstaunliche Vorzüge zu besitzen , weiter bedienen und weiter bewundern . So wurden sie zum Hochmute und zur Selbstüberhebung geführt . Da sie nichts zu thun hatten , als sich lieben und anbeten zu lassen , wurden sie körperlich und geistig träge , und waren je länger desto weniger imstande , ihre irdischen Pflichten zu erfüllen und sich gar noch mit Gedanken über das Jenseits zu befassen . Sie wurden geistig totgeliebt und geistig totgepflegt ; ihre Kräfte schwanden immer mehr und mehr , bis von ihnen nichts übrig blieb als nur auch ein Schatten ihrer selbst , der aber immer noch angebetet sein wollte und jetzt in der stolzen Ueberzeugung hier vorüberschreitet , daß ihm ein Sitz ersten Ranges im Himmel sicher sei . Sie haben aber ihr Gutes schon auf Erden genossen , und Götzenbilder kennt das Jenseits nicht ! Weiter ! « Der Blinde fuhr fort : » Es kommt ein stolzer Zug daher , dem die Inschrift Hanahhn ! 119 hoch und weithin sichtbar vorangetragen wird . Diese Leute gehen stolz , mit majestätischen Schritten und sieghaften Mienen . Ueber ihre Gesichter breitet sich das Bewußtsein der Würde und Erhabenheit . Auch sie scheinen verschiedenen Ständen anzugehören , und obwohl sie langsam schreiten , sehe ich doch , daß jeder von ihnen bemüht ist , den andern voranzukommen . Das müssen hohe Herren sein , die sicher nicht erwarten , zu leicht befunden zu werden . « » Ja , sie waren Herrscher auf Erden , Herrscher auf verschiedenen Gebieten , haben sich aber auf dem Wege zur Wage der Gerechtigkeit zusammenfinden müssen . Da sind Fürsten , welche über Länder und Völker regierten , aber nicht einmal sich selbst beherrschen konnten . Da sind allerlei Würdenträger , welche der ihnen von Gott anvertrauten Würde nicht würdig waren . Da sind hohe Gelehrte , Koryphäen der Wissenschaft , welche sich für Erb- und Gerichtsherren der Weisheit hielten und sich gegen die Einsicht sträubten , daß alles irdische Wissen und Erkennen Stückwerk ist und nur der Glaube zur Wahrheit und Vollkommenheit führt . Da sind die Paschas und Sultane des Mammons , welche von ihren protzenden Thronen aus die Unbemittelten knechteten und in Fesseln schlugen , ohne zu ahnen , daß sie selbst die Fesseln der niedrigsten Knechtschaft trugen , die es auf Erden giebt : die aus Goldbarren geschmiedeten Handschellen , die erwürgenden Zugstricke des Geldsackes . Da sind die Genies , welche ihre herrlichen Geistesgaben nur brauchten , um gegen den zu kämpfen , der sie ihnen lieh , auch die Künstler , denen die Mahnung , daß die wahre , echte Kunst himmelan zu streben hat , nur lächerlich war . Da sind die Herren der Feder , der Litteratur , die Zeitungsmonarchen , welche unter ihrer sechsten Weltmacht die Macht ihres eigenen Einflusses , die Wirkungskraft nur ihrer Zwecke verstanden . Da sind die Helden der Phrase , die Redner des Volkes , die Sprecher der Parlamente , die ihre Schlagworte wie platzende Bomben , das Göttliche verneinend , zerstörend in die Versammlungen warfen , unbekümmert darum , daß sie dafür dereinst das zermalmende Richterwort treffen werde , von welchem geschrieben steht : denn das Wort Gottes ist wie ein Hammer , der Felsen zerschmettert ! Sie alle , alle , die ich dir jetzt bezeichnete , haben ihre eigene , zufällige oder angemaßte Macht an die Stelle der Macht der Liebe gesetzt und werden nun dort an der Wage zu ihrem Schrecken erfahren , daß alle diese von ihnen mißbrauchte Gewalt nicht imstande ist , die ewige Gerechtigkeit auch nur um das Tausendstel eines Haares breit zu ihren Gunsten zu neigen . Fahre fort in deinem Berichte ! « » Die jetzt kommen , folgen einem Banner , auf welchem Schatahra120 zu lesen ist . « » Sprich nicht weiter von ihnen ; ich sehe sie ! Das sind die irdisch Klugen , welche sich hüteten , mit ihrem Glauben offen hervorzutreten ; ihr Vorteil verbot ihnen dies . Auch sind die Schamvollen dabei , welche befürchteten , sich lächerlich zu machen . Ich sage dir , es giebt sogar Menschen , welche wohl beten möchten ,