Dann setzte er sich langsam in Bewegung , mit schleppenden Schritten , als ziehe er eine schwere , unsichtbare Bürde hinter sich drein . Ein Trupp Dorfleute kam ihm entgegen vom Felde . Sie sprachen laut ; offenbar unterhielten sie sich über die bevorstehende Landauktion . Als sie des Alten ansichtig wurden , verstummte ihr Lärmen ; schweigend , mit verlegenen Mienen eilten sie an ihm vorüber . Dann kamen wieder zwei , ein alter und ein junger : Kaschelernst und Richard . Der Kretschamwirt blieb stehen , als er in gleicher Höhe mit seinem Schwager war . » Gu ' n Tag , Traugott ! « Kein Gegengruß erfolgte . » Du , Traugott ! « meinte Kaschelernst , scheinbar harmlos plaudernd , » dei , Korn stieht aber heuer gutt . Kreiterwetter ! das is a Staatskorn , da warn a hibsch paar Schock uf ' n Morgen kimma . Was meenst de ? nich ! « Der Büttnerbauer sagte nichts , warf aber dem Schwager einen so sprechenden Blick zu , daß der ihm unwillkürlich den Weg freimachte und ihn weitergehen ließ . Dann rief er dem Alten nach : » Du , Traugott ! zur Ernte kannst de mir helfen kimma . Ich will d ' ch och bezahl ' n. Ich mechte ' s Korn sinsten am Ende ne Herre warn , suviel stieht ' s ' n druffe . Willst de uf Erntearbeit kimma - hee ? « Der Bauer ging weiter , ohne sich umzusehen . » Nu ja , ich meene ock , Traugott ! Du weeßt am Ende noch gar niche , daß ' ch das Kornsticke dahie von Harrassowitzen gehest ha ' . ' s is a hibsches Sticke , a Schaffel a zehne gruß . Ju , ju , das ha ' ich mer genumm ' n ! Na , dacht ' ch , wenn se ' s Büttnersche Gut eemal versteigern tun , da wirscht de dir och e Sticke nahmen kennen - warum denn ne ! Da bleibt ' s duch wenigstens in der Familie . « Nun war der Alte doch stehen geblieben , mitten auf dem Wege , starr und steif , mit offenem Munde . Kaschelernst hatte das Kornstück gekauft ! - Kaschelernst im Besitze seines besten Ackers ! - » Ju ju , Traugott , das Korn is meine ! « sagte der Kretschamwirt , näher zu seinem Schwager herankommend . » Ich bedank ' mich och schienstens bei dir , daß du den Acker so schiene bestellt hast . Schienes Korn , sehr schienes Korn ! « Richard , der sich bis dahin die Hand vor den Mund gehalten hatte , platzte jetzt auf einmal heraus . Der Bauer stand da , steif wie ein Stock . Kaschelernst im Besitze dieses Kornstückes ! - Das erschien von allem , was ihm bisher widerfahren , das Ungeheuerlichste . Sein Gesicht begann sich zu verändern . Die Augen leuchteten in dunklen Lichtern , die Nüstern blähten sich auf , die Lippen hoben sich wie bei einem wilden Tiere , das sich auf den Feind stürzen will . Aus seinem Munde kam ein knurrender Laut : » Hund - Huund .... ... « Das Lachen des Neffen verstummte vor der Miene des Alten , der mit geballten Fäusten auf sie zukam . » Huund - Hunde ! Ich zerschlag ' eich de Knuchen - Ich zerschlag ' ..... « Der Sohn suchte Deckung hinter dem Rücken des Vaters . Da aber Kaschelernst es vorzog , sich in schnellster Gangart vor seinem Schwager zurückzuziehen , so war bald ein Zwischenraum zwischen Traugott Büttner und den Kaschels entstanden . Nach einiger Zeit wagten es die Braven wieder , Halt zu machen . Büttner war gleichfalls stehen geblieben und drohte keuchend mit der Faust nach jenen hinüber . » Wenn ' ch , und ich find ' d ' ch Kaschell De Knuchen zerschlag ' ' ch d ' r. Hund du ! « Der Kretschamwirt rief eine höhnische Bemerkung dagegen . Der Bauer kam ihnen von neuem nach , worauf sich das tapfere Paar abermals zurückzuziehen begann . Da bückte sich der Alte und hob Steine auf , lief ein paar Schritte , ausholend , schleuderte nach jenen . Er traf nicht , denn er war viel zu erregt , um zu zielen . Kaschelernst und Richard machten sich aus dem Staube und waren bald hinter den ersten Dorfhäusern verschwunden . Inzwischen waren die Leute auf den Vorgang aufmerksam geworden , kamen von allen Seiten herbei , um sich an dem interessanten Streit zwischen den Verwandten zu weiden . Man umstand den alten Mann . Traugott Büttner stand da mit dunkelrotem Kopfe , wirrem Haar , ohne Mütze , die er beim Laufen eingebüßt hatte , am ganzen Leibe bebend vor Wut . Er schüttelte die Fäuste noch immer nach jener Richtung , wo die Kaschels verschwunden waren . Allmählich löste sich seine Zunge . Zwischen rauhen und schrillen Tönen wechselnd , dumpf knurrend und sich überschreiend , brachte er wilde Flüche und Verwünschungen vor . Einige jüngere wollten sich schlechte Scherze erlauben mit dem alten Manne , der ganz außer Rand und Band geraten schien . Aber ein paar von seinen Altersgenossen besaßen Anstandsgefühl genug , das nicht zuzulassen . Sie suchten den Tobenden zu beruhigen , der sich inzwischen schon ganz heiser geschrien hatte , und den nur noch die Wut vor dem Zusammenbrechen bewahrte . Er wiederholte dieselben Schimpfworte immer und immer wieder , schien kaum mehr zu wissen , was er schrie . Die älteren Leute nahmen sich seiner an , führten ihn nach seinem Hause . - Die Bäuerin , die noch immer das Bett hütete , merkte wohl , daß der Bauer unwirsch und einsilbig sei , noch mehr als sonst . Aber das Unglück der letzten Zeiten war so groß gewesen , ein Schicksalsschlag hatte den anderen übertroffen , daß sie schon gar nicht mehr nach Neuem fragte . Die