gesund und glücklich machen , Adam . Du sollst nicht mehr suchen , Du sollst gefunden haben . Ich weiß , Du liebst Hedwig Irmer nicht . Das hast Du vorhin nur so gesagt , um - - ich aber liebe Dich , Adam - bleibe bei mir . Willst Du - ja ? - willst Du - ? « » Lydia - ! « Sie küßte ihn auf den Mund , sehr scheu , verschämt und hastig . » Aber jetzt geh ' - « sprach sie nun - » ich reise morgen früh gegen Elf ab - komm nach dem Bahnhof , wenn Du kannst - ja ? Wir sehen uns bald wieder - « Adam wandte sich langsam ab . Seine Glieder waren ihm sehr schwer , er wollte gehen . » Ach ja ! Das Geld ! « rief ihn Lydia noch einmal zurück . Er hatte die delikate Angelegenheit allerdings ganz vergessen müssen . » Es steht Dir natürlich zur Verfügung - sofort , wenn Du willst . Geh bitte zu meinem Banquier , Behrendt & amp ; Comp . , Adalbertstr . 12 - warte ! ich schreibe ihm gleich ' n paar Worte - « Wie gebrochen schwankte Adam eine kleine Frist später zum Zimmer hinaus . - Hatte er das bessere Theil erwählet ? - - - Endlich bog er in die Straße ein , wo das Comptoir von Behrendt & amp ; Comp . lag . Langsam war er aus seinem Taumel , seiner einschnürenden Hingenommenheit und Befangenheit wieder zu sich zurückgekommen , war er wieder nüchterner und einfacher , klarer geworden . Die Kritik erwachte und die kritische Entscheidungsfähigkeit , aber nur erst in eckigen , unbeholfenen Sprüngen , in vagen , unsicheren Andeutungen . Adam stapfte mit verbogenen Schritten vorwärts , er nickte öfter vor sich hin , warf den Kopf mit nervösem Accent nach rechts , nach links , und malte mit den Händen allerlei geheimnißvoll-unverständliche Figuren in die Luft . Er wußte : es hatte sich ihm da etwas Unerwartetes ereignet , sein Leben war scharfen Ruckes um eine Ecke geschossen und in eine andere , ganz andere Richtung eingelaufen . Aber er trug Scheu , sich in das Neue , das ihm zugefallen war , zu vertiefen , er constatirte es nur , halb widerwillig , halb erfreut darüber und auf seine Fortsetzung gespannt . Zumeist trieb es ihn , den nächsten , zunächstliegenden Vortheil aus dem ihm widerfahrenen Glücke zu ziehen . Er hatte ja Irmers helfen wollen . Dieser Gedanke hatte die tiefste Furche in seinem Gehirn gegraben . Es zog und zerrte an ihm , wie aus einer unergründlichen Tiefe seiner Seele zu ihm sprechend und ihn lenkend . Also erst ' mal bei dem Esel von Banquier auschwirren und das Geld erheben . Das ging sehr glatt , beinahe zu glatt für Adams Gefühl . Dem Herrn Doctor wäre eine kleine , reelle Abwechslung sehr willkommen gewesen . Adam rannte sporenstreichs nach dem nächsten Postamte , schrieb vier Anweisungen und zahlte die tausend Mark an die Adresse Hedwig Irmers ein . Er konnte das Geld gar nicht schnell genug loswerden . Nun athmete er auf . Das war der Kaufpreis . Da lag er . Der Postbeamte strich die dreißig Silberlinge gleichgültig ein . Er war frei . Tausend Mark - das war auch immerhin eine ganz anständige Summe als Abschlagszahlung auf - nun ! eben auf gewisse etwaige Alimente .... Adam stand wieder auf der Straße . Er wußte nicht , was er mit sich anfangen sollte . Nach Hause gehen mochte er nicht . Ein heftiger Ekel vor seiner Wohnung ergriff ihn . In dieser hin- und hervibrirenden , zerklüfteten Stimmung konnte er ja doch nicht arbeiten . Er war nicht fähig , sich zu sammeln . Er wußte , wenn er zu Hause säße , in der Einsamkeit seines Zimmers , würde seine Unrast noch wachsen und wachsen . Die Enge , die Stille würden ihn erdrücken . Immer nur würde an ihm zerren , würde in ihm wühlen , was er tagüber erlebt ... zerren , wühlen in schneidender Eintönigkeit , mit symmetrischem , unerträglichem , schauderhaft correctem Despotismus . Aber wie sollte er seine Unrast auslösen ? Eine leise Sehnsucht nach etwas Neuem , Unerlebtem , Abenteuerlichem durchzitterte seine Brust . Er hätte sich so gern vergessen machen lassen , er suchte Betäubung , und war ' s auch gemeine , geschmacklose Betäubung . Es war zwischen sieben und acht Uhr . In den Straßen lag dunstige Wärme , beklemmende Stickluft , heiße , brasige Stimmung . Der Himmel war unrein , unreinlich , abstoßend zerquirlt und verzettelt , hier ein Ballen schmutziggrauer Wolken mit matter oder dunkler gefärbten Rändern , die von tödtlicher Langweile zu triefen schienen , dort eine Spanne Wolkenlosigkeit von der blaugrünen Bleifarbe des Nelkenkrautes . Allenthalben breite , auf- und niederfluthende Menschenströme , behagliches Schlendern und gleichsam geöltes Hinschießen . Hunderte von entlassenen Arbeitssclaven , die aus ihren Sälen und Höhlen kamen und eine karge Stunde der Freiheit genießen wollten . Aus dem Innern steinerner Thorwege und Hansfluren , aus geöffneten Kellerfenstern quoll feuchte , kalte Luft . Adam ließ sich von der Masse mit forttreiben . Es war ihm gleichgültig wohin . Es war ihm schon recht so . Er hatte kein Ziel : das Schwimmen mit dem Strome kam ihm heute außerordentlich gelegen . Es dünkte ihn auch so passend zu der gesammten Verfassung seiner Verhältnisse , der schnurrigen Beschaffenheit seiner Lebenssituation , so , wie sie heute von einer schönen Frau eingerenkt und bestimmt war . Es galt , sich bei Zeiten daran zu gewöhnen , daß man einen festen Punkt gewonnen hatte , von dem aus man sich dem realen , lebendigen Leben einfügen und einordnen sollte . Jetzt verspürte Adam einen zaghaft zupfenden Hunger in sich . Und auch die Neigung zu einem guten , schweren Glase Bier streckte verstohlen ihre kleinen , warmen , mahnenden ,