! « » Empfangen Sie die Segenswünsche eines kindlichen Herzens ! « Leonhart klopfte ihm gravitätisch auf die Schultern , » Lieber Baum , wachsen und blühen Sie und mögen wir - wer von uns beiden wünscht ' s am innigsten - uns nimmer wiedersehn ! « Er verschwand ohne Trinkgeld . » Impfpudtanz ! « ( Sollte heißen : Impudenz ) , murmelte der verletzte Kastellan . » Redensarten hat er immer , die man nicht braucht , aber nie einen Dreier ! « Der Träumerische gab eine Mark und sagte simpel Adieu . Der Pedell , welcher den Wert jedes Menschen richtig taxirte , dankte ihm kaum . Nur Unverschämtheit flößt den niederen Ständen Achtung ein . Die Drei schritten rasch , um sich warm zu laufen , Arm in Arm vorwärts . » Die langweilige Geschichte wäre also endlich vorüber ! « hob Leonhart an . » Nun steht noch der Einjährige wie ein Gespenst vor meinem ahnenden Geist . Der Schuljunge ist todt , todt , todt ! « Das » todt « tirilirte er mit einem Juchzer in die Luft hinaus . » Pah , was sind Unteroffiziere und drei Millionen Donnerwetter , multiplizirt mit einer Erbswurst , « fiel der gewaltige Wolffert mit seiner üblichen gezierten Genie-Pupperei ein , » im Vergleich zu den Impertinenzen dieser Schulmeister ! - Juchhe , ich bin so hungrig , als wäre heut nicht der feierlichste Moment meines Erdenwallens . Erst gezüchtet und auf die Lebensweide geschickt , wie Hämmel mit Zeugniß Strichen auf dem Rücken ! Dann auf die Thierschau geschickt und hartgeritten beim Militär und wieder mit Zeugnissen aus dem Militärdienst entlassen ! Dann mit Zeugnissen vor den Altar getrieben und dann selig verstorben und beerdigt - mit Zeugnissen ! « » Sehr gut . « Leonhart lachte laut und bitter auf . » Wieviel Papiergepäck ein Mann auf die Reise über ' n Styx mit sich bringt ! Wieviel Zeugnisse man braucht , um ehrlich sterben zu können ! « Rother schwieg und lauschte nur entzückt auf die krankhaft sprühende Lustigkeit dieser phosphorescirenden Nichtse . Mit der gleichen widerlichen Affektation , an die er heut nur mit verächtlichem Lächeln zurückdenken konnte , feierten sie dann ihr Abschieds-Convivium , wobei natürlich Wolffert wieder als Präses und Matador strahlte . Sie hatten sich dann mit dem Versprechen getrennt , auch im späteren Leben ( jeder von ihnen ging vorerst verschiedene Pfade : Wolffert als forscher Corpsstudent nach Heidelberg , Rother auf die Malerakademie nach Düsseldorf , Leonhart nach seiner Heimat in Quedlinburg am Harz ) zusammenzuhalten . Wie es gewöhnlich bei solchen Versprechen geht , hielt es keiner . Anfangs hatte man noch ab und zu von einander hören lassen . Bald erlosch jedoch jede Verbindung . - Leonhart und Rother hatten sich erst spät in Berlin wiedergetroffen , beide mittlerweile bekannte Namen in ihrem Fach geworden . Wolffert war für sie ganz verschollen . Sohn eines sehr reichen Mannes , des Kommerzienrats Wolffert , ( Waffenfabrikant und fortschrittlicher Reichstagsabgeordneter ) , benutzte der bezaubernde Eugen natürlich diese natürlichen Vorteile , um vorerst das Leben zu genießen . Er lebte in Paris , London , Rom und tobte sich aus , ging dann nach Amerika . Nachher warf er sich auf naturwissenschaftliche Studien mit demselben Eifer , wie er früher Rudern , Schwimmen , Fechten , Reiten und ähnlichen Sport cultivirt hatte , und glaubte in der Chemie den Schlüssel zum Welträtsel entdeckt zu haben . Allein , er brachte es auch hierin zu nichts und der himmelstürmende Titane in Glacés , der auf der Schule sich als neuer Mirabeau von den Commilitonen anstaunen ließ , entpuppte sich , wie so viele » Genies « der Flegeljahre , als ein höchst gewöhnlicher Dilettant und Weltbummler . Wer hätte damals prophezeit , daß der blasse süffisante Leonhart ein berühmter Dichter und der träumerisch schüchterne Rother ein sehr bekannter naturalistischer Künstler werden könne ! Aber auf den schneidigen eleganten Wolffert - ja , auf den hätte Jeder geschworen , daß etwas Außerordentliches in ihm stecke ! Und nun nichts , gar nichts - ein reicher junger Mann , der den Namen seines Vaters führte - der Sohn seines Vaters ! Ach , Rother erinnerte sich mit wehmüthiger Ironie an verschiedene Wunderkinder , in welchen die Herrn Schulmeister neue Säulen der Wissenschaft geahnt hatten , - besonders einen gewissen neuen Mommsen . Ach , dem jungen » Doctor « war er kürzlich begegnet . Wie hatte nicht er selbst den früher bewundert ! Und nun mit seinen welt- und leidgeschärften Augen sah er einen kümmerlichen philiströsen Durchschnittsmenschen in dieser jungen Leuchte der Wissenschaft - ein Menschlein , grade gut genug , um in alten Pergamenten zu büffeln und Inschriften mit seiner blöden Brille zu entziffern . Eugen Wolffert ! Eine unaussprechliche Verachtung ergriff ihn bei diesem Namen . Dann keimte allmählich ein düsterer Haß in ihm empor . Ein solcher Halb-Mensch , der nie wahrhaft gelitten , nie wahrhaft gelebt , nie wahrhaft gestrebt , geschweige denn gewirkt - ein solcher Eunuch geschwätziger Pseudo-Bildung kreuzte seinen Weg und nahm ihm , was sein durch das Recht der Liebe und des Leids . Wie er auf der Schule durch seine imponirende Aeußerlichkeit den unscheinbaren bescheidenen Rother niedergedrückt , so sollte er auch jetzt den Sieg davontragen ? II. Krastinik hatte sich sofort nach seiner Ankunft in Berlin durch Rother verschiedenen Litteraten vorstellen lassen . Einigermaßen über die Verhältnisse aufgeklärt , mit Empfehlungen versehen , machte er sich nun sofort daran , seine Feder-Versuche auszubeuten . Seine Lyrika lagen wohlgeordnet in einer Mappe und er gedachte sich einen Verleger zu sichern , indem er vorerst einige Proben in einem Journal placirte . Er ahnte zwar sehr wohl , daß der deutsche Biedermann grundsätzlich keine Gedichte liest ; allein er meinte mit Recht , daß es zum Debut eines ordentlichen Autors gehöre , ein Bändchen Gedichte , womöglich in Maroquin mir Goldschnitt , herauszugeben . Rother hatte ihm einen eben etablirten jungen Mann