ein . Eben deswegen kommt sie ja . Die Frau des Feldherrn kommt , Hermanns schöne Schwester , die mich so hat närrisch gemacht . Im Hause am See ist kein Platz mehr , so flüchtet sie sich mit ihren Kindern zu uns . Das Winkelhüterhaus wird für sie eingerichtet . Wie danke ich Gott , daß unser Winkelsteg ihr eine Zuflucht bieten kann in dieser Zeit ! Ich will denn doch nicht weggehen . Will bleiben und sehr stark sein und mich nicht verraten . Ich will ihr einmal recht ins Auge schauen , ehe ich sterbe . Ich sehe es wohl , Gott meint es gut mit mir . Ihr Auge wird die dunkelnden Waldberge lichten , ihr Atemhauch wird die Alpenluft mildern und weihen . Und zieht sie auch wieder davon , Winkelsteg , wo sie geweilt , wird meine Heimat sein . Vor den Eingang des Hauses bauen wir einen schönen , hohen Bogen aus Tanngezweige , und wir bekränzen den Altar in der Kirche . Alles wird fein bereitet , aber kein Mensch denkt daran , daß die Steine aus dem Wege geschafft werden müssen . Solche Frauen haben zartere Füße als unsereiner im Gebirge . Jetzund klaube ich schon einen Tag und zwei Nächte an den Steinen des Weges . Die Leute laß ich lachen und es ist nur gut , daß der Mond scheint . Einige Tage später . Jetzt sind sie da . Sie und die zwei Kinder und die Dienerschaft . Da hätte ich freilich die Seine nicht wegzuräumen gebraucht ; sie sind mit Roß und Wagen gekommen . Bei der Ankunft sind schier alle Winkelsteger auf dem Platze versammelt gewesen . Der Pfarrer hat eine Begrüßung gehalten ; ich habe mich in das Schulhaus verkrochen . Aber ich bin im Herzen erschrocken ; just vor meinem Fenster sind sie ausgestiegen , und da hab ' ich gemeint , sie wollten zu mir herein . Ich habe sie sehr gut gesehen ; sie ist ja noch jünger geworden . Kaum aus dem Wagen gehoben , läuft sie einem Falter nach . - Das ist aber ihre jüngste Tochter gewesen . Sie selber ... Bei meiner Treu , ich hätt ' sie nicht mehr erkannt . Sie hat alte Spiegel mit goldenen Rahmen , aber so treu ist keiner , daß er , wie mein Herz , ihr herrliches Bild so bewahrt hätte bis auf den heutigen Tag . Das Bild ist jetzt verloschen und meine Jugend wie Nebel zergangen . Brachmonat 1848 . Gestern bin ich den ganzen Tag im Gebirge herumgestiegen , bin gar auf dem Zahn gewesen . Unterwegs hab ' ich mich zehnmal gefragt : warum steigst du hinauf , du altes Kind ? - Oben wird die Antwort sein , hab ' ich gedacht . Ich habe Alpenkrone gesehen , ich habe in die blauende Tiefe des Gesenkes geblickt , wo an der schwarzen Tafel des Sees das Herrenhaus liegt , ich habe gegen Mittag hin mein Aug ' angestrengt , mein schon recht schwaches Aug ' aber - es ist gar umsonst . So oft ich hinauf mag klettern , das Meer hab ' ich noch immer und immer nicht geschaut . Man soll es sehen können , heißt es , aber an einem klaren Wintertag . - Jetzund hab ' ich sonst nichts mehr zu wünschen , so will ich das eine noch . Bei meinem Herabsteigen habe ich einen Strauß von Alpenrosen , Edelweiß , Kohlröslein , Speik , Arnika und anderen Blumen und Pflanzen gesammelt , hab ' ihn vornehm auf meinen Hut gesteckt , wie ein tollverliebter Bursch . Für wen trägst du den Buschen heim ? - Ich ? für Weib und Kind . - Hei , du verrückter Alter , du ! Aber , wenn ich weg von ihr bin , wie da oben auf der Alm , so sehe ich doch wieder , daß sie hold ist . - Einen Alpenblumenstrauß wird sie von mir nehmen , ich will ja recht artig und nicht zudringlich sein . - Hätt ' ich nur eine einzige Ader von dem alten Rüpel , wie wollt ' ich ein Lied hersagen , das sich zum Strauß tät ' schicken ! - So meine Gedanken ; es ist schrecklich , wie ich noch übermütig bin . Wie ich herabkomme zur Lauterhöhe , wo der Schirmtanner ein Kreuz hat setzen lassen und wo heute auf dem Waldanger des Holzmeisters Rinder grasen und lustig dabei schellen , setz ' ich mich zur Rast unter einen Baum . Ich gucke auf einen arg verwüsteten Ameisenhaufen hin . Nur wenige der Tiere kriechen ratlos herum auf der Trümmerstätte ihres Fleißes . Ich merke es , ein Ameisengräber ist dagewesen , hat den herrlich eingerichteten Staat zerstört und beraubt . Mit den geraubten Eiern füttert er gefangene Vögel , die frei sein sollten im Himmelslichte , die aber in der Gefangenschaft schmachten ihr Lebtag lang , weil sie das Unglück haben , die Lieblinge der Menschen zu sein . Es ist die Sage , daß über den Grabhügel eines Ameisengräbers keine Ameise geht . Aus dergleichen Gedanken weckt mich ein Zupfen an meinem Hut ; ich wende mich , um zu sehen , wer mich neckt . - Eine braune Kuh steht da und zerkaut meinen Alpenstrauß . Bin aufgefahren , hab ' das vorwitzige Rind mit meinem Stab wollen züchtigen , da fällt es mir ein : gutes Tier , etwan machen meine Blumen dir mehr Vergnügen , als ihr ; so gesegne dir sie Gott ! Sie trinkt dafür deine gute Milch . Als ich zum späten Abend in das Dorf herabkomme , sind ihre Fenster hell beleuchtet . Einen Spaß muß man auch haben . Einer von den Bedienten der Frau , der Jakob , ist ein Kreuzköpfel . Können tut er alles ; er kann musizieren , kann schneidern und schustern und kann zeichnen ; gar Komödie spielen kann er . Die Frau muß aber