wird sie wohl frisch er halten auf dem langen Wege . Es ist wunderlich doch , die Blumen fahren so weit , und noch gar auf die Eisenhahn , und ich sitze und kann nur die Gedanken fahren lassen Dir entgegen . Meister Grünebaum möchte auch wohl die Eisenbahn sehen , aber wenn sie nicht zu uns kommt , so wirds ein übel Ding darum sein . Lieber Sohn Johannes , schreibe mir bald , und wenn der Moses Freudenstein mit dem fremden Namen darnach fragt , was sie in Neustadt von ihm denken , so sage ihm nur gradheraus , was ich Dir geschrieben habe , und Du , lieber Sohn , hüte Dich vor ihm und gedenke an Deine getreue Base Schlotterbeck . Nachschrift : Des Oheims Stiebeln trage nur ja bei dem feuchten Wetter , sie mögen wohl schon einen Schnupfen und sonstige Verkühlungen abhalten . Nicht zu vergessen , empfiehl mich Deiner Herrschaft und sag ihnen , ich machte ihr mein Kompliment und sie möchten aus gutem Herzen für Dich sorgen , da Du eine Waise bist und immer nicht selber auf Dich achtgibst . Sei nochmalen gegrüßt von Deiner Base . « Die beiden Briefe waren im Original nicht so leicht zu lesen , wie sie hier im Druck erscheinen . Nicht alle Buchstaben drin standen auf der rechten Stelle , und nicht jedem Worte sah man ' s an , was es bedeuten sollte . Die Korrespondenten hatten jeden Klecks , der ihnen » passiert « war , zierlich mit dem Zeigefinger ausgewischt , dadurch freilich den Text nicht deutlicher gemacht . Die Buchstaben lagen durcheinander wie ein Wald , in welchem der Orkan gehaust hatte ; es war keine Kleinigkeit , sich durch diese Wildnis zu arbeiten , noch dazu , wenn man körperlich unwohl war und durch manchen Passus der Briefe tief gerührt und bewegt wurde . Als Hans endlich den Kopf wiederaufrichtete , war es ihm dunkel vor den Augen , und die herankommende Dämmerung trug nicht allein die Schuld davon . Eigentümliche Lichter zuckten durch den grauen Schleier , der vor den Augen des Kandidaten lag : er mußte den Kopf mit beiden Händen fassen , es war ihm , als wolle er zerspringen , und dumpf dröhnte es vor seinen Ohren , als würde dicht neben ihm eine große Glocke angezogen . Er wollte sich aufraffen , um das Fenster zu öffnen , vermochte es aber nicht ; - er war ernstlich krank , so krank , daß sich alle übeln Gefühle in das tote Nichts der Bewußtlosigkeit auflösten , um dann in das geisterhafte , grausame Spiel des Phantasierens überzugehen . Hans Unwirrsch hatte eine Gehirnentzündung und war in der Tat während mehrerer Tage dem Tode nahe genug ; aber er hatte auch Visionen während dieser Krankheit , die nicht zu teuer durch alle Schmerzen , die er dulden mußte , erkauft wurden . Der Herrin des Hauses war dieser Zufall , welcher den Hauslehrer betraf , natürlich in höchstem Grade unangenehm und unbehaglich . Sie fühlte sich im Grunde ihrer Seele nicht verpflichtet , diesen fremden Menschen mit solcher gefährlichen Krankheit im Hause zu behalten . Aber unangenehm war ' s ihr anderseits der Welt wegen , von ihren innersten Gefühlen Gebrauch zu machen und ihn aus der Tür zu werfen und nach dem Krankenhause bringen zu lassen . Sie hatte einen Charakter zu bewahren , und sie war eine fromme Dame . Sie mußte also zulassen , was sie nicht ändern konnte , und fand wiederum eine große Hülfe an dem Doktor Theophilus Stein , der sich bereit erklärte , den Kranken unter seine besondere Obhut zu nehmen und in betreff seiner alles Nötige zu besorgen . Der Doktor Theophilus Stein gehörte zu den Visionen Hans Unwirrschs ! Es war am zweiten Tage nach dem Ausbruch des Fiebers , als sich Theophilus am Bett des kranken Jugendgenossen allein befand - allein und unbeachtet , wie er glaubte . Er war draußen auf dem Gange mit einer spöttischen Verbeugung an Franziska Götz vorübergeschlüpft und beugte sich nun über das Lager des Kandidaten . Auf Wunsch der Geheimen Rätin war er gekommen , um nachzusehen , » was der junge Mann mache « . Wirr sah es in dem Geiste Hans Unwirrschs aus . Von seltsamen lichten Augenblicken wurden seine Phantasien unterbrochen ; Dunkelheit , Dämmerung und Licht , Wirklichkeit und Traum wechselten fortwährend . Die beiden Briefe aus der Heimat , bei deren Lesung die Krankheit ihre giftige Hand auf sein Haupt gelegt hatte , hatten das Ihrige getan , seine Seele mit den Bildern der Vergangenheit zu füllen , obgleich das kaum noch nötig war . Der Brief der Base hatte die geistigen Qualen der letzten Zeit mit der körperlichen Not in wahrhaft schrecklicher Weise durcheinandergewühlt ; - Theophile aber glaubte sich allein und unbeachtet . Er hatte den Arzt zu dem Kranken hinaufbegleitet : der Arzt hatte bedenklich den Kopf geschüttelt , ein neues Rezept geschrieben und war gegangen . Theophile war geblieben , obgleich er eigentlich keinen Grund dazu hatte . Nachdem er einen Augenblick dem Kranken in die fieberglühenden Augen geblickt hatte , wandte er sich ab und sah sich mit einem mitleidigen Lächeln im Zimmer um . Er war sehr neugierig , wie wir wissen , und schnüffelte gern um und in anderer Leute Sachen und Angelegenheiten , wenn es ohne Schaden und Unannehmlichkeiten geschehen oder gar Nutzen bringen konnte . Die Sachen und Angelegenheiten des Kandidaten Unwirrsch hatten für ihn natürlich noch ein besonderes Interesse . So musterte er denn die kleine Bibliothek , zog das eine oder das andere Buch hervor , warf einen Blick hinein , lächelte und stellte es wieder an seine Stelle . Er hielt es nicht unter seiner Würde , in den Kleiderschrank zu gucken ; - zuletzt wandte er sich zu dem Schreibtisch . Wir haben erzählt , wie Hans von der Krankheit überrascht wurde ; - Theophile hielt es für keine Indiskretion , in