; von meiner Seite wenigstens nicht . Ich sah Sie in den Park treten ; ich bin Ihnen gefolgt ; ich hatte Sie keinen Augenblick aus den Augen verloren . Und kommen Sie häufiger hierher ? fragte ich , indem wir anfingen , die lange Allee wieder hinaufzugehen . Ja , erwiderte er ; für einen Unglücklichen sind das Dunkel und die Einsamkeit die passendsten Gefährten . Ich hatte nicht den Muth zu fragen , weshalb er unglücklich sei ; wir gingen schweigend nebeneinander weiter . Ich beschleunigte den Schritt , denn der alte Zauber kam wieder über mich und ich wollte ihm entfliehen . Nach wenigen Minuten näherten wir und der eisernen Gitterthür , die aus dem Park in den Garten führt . Zwischen den dichten Büschen , unter den hohen Bäumen war es sehr dunkel . Mein Herz schlug zum Zerspringen . Ich war fest entschlossen , kostete es mich auch das Leben , seine Liebe , sollte er jetzt von Liebe sprechen , zurückweisen und dennoch - dennoch wünschte ich , daß er spräche , zürnte ich ihm , daß er nicht sprach . Es waren vielleicht nur wenige Secunden , aber sie dünkten mich eine Ewigkeit - eine Ewigkeit von Furcht und Hoffnung . Da standen wir an der Thür . Oswald öffnete sie . Ich dankte ihm und wünschte ihm gute Nacht . Er antwortete nur mit einer schweigenden Verbeugung . Als die Thür hinter mir in das Schloß fiel , zuckte ich zusammen , wie ein Gefangener , der das Kerkerthor , das ihn für immer vom Leben trennt , hinter sich zuschlagen hört . Ich wollte im ersten Augenblick die Hand durch das Gitter strecken und ihm sagen - ich weiß nicht was - aber ich bezwang mich und ging , ohne mich umzusehen , raschen Schrittes nach dem Hause . Und als ich auf meinem Zimmer angekommen war , habe ich mich auf das Sopha geworfen und bitterlich , bitterlich geweint , wie ich nie in meinem Leben geweint habe , nie geglaubt hatte , daß Helene von Grenwitz weinen könne . Dann aber raffte ich mich empor und schwor mir zu , diese Schwäche , die mich so tief demüthigte , koste es was es wolle , zu überwinden . Ist doch mein Stolz mein einzig Gut , die blanke Waffe , mit der in der Hand ich mich jedem Gegner gewachsen fühle ; selbst meiner Mutter ! - Ich dachte mit Schaudern an den Moment , wo ich mich in dem Bewußtsein , mich vor mir selbst erniedrigt zu haben , auch vor ihr erniedrigen müßte ; wo ich ihr nicht mehr muthig in die großen , kalten , strengen Augen schauen könnte ! Ich wußte , wußte es mit unumstößlicher Gewißheit , daß dieser Moment mein letzter sein würde . Und so begab ich mich hernach zu Bett ; aber es wollte kein Schlaf in meine Augen kommen . Ich lag da , die Hände über der Brust gekreuzt , und wiederholte mir unablässig , was ich mir zugeschworen und wenn das Herz vor einem unsäglich jammerreichen Gefühl , das mir die Thränen in die Augen trieb , so schwer , ach so schwer wurde - so setzte ich die Spitze des Dolches auf das ungehorsame , rebellische Herz und dann wurde es wieder ruhiger , demüthiger ; es mochte fühlen , daß es in dem Kampfe zwischen Stolz und Liebe doch keine Aussicht auf den Sieg habe . Zuletzt schlief ich ein und träumte , ich sei mit meiner Mutter versöhnt . Sie bedeckte mich mit Küssen und Juwelen ; aber die Küsse waren eisig und die Juwelen erkälteten mich bis in ' s innerste Mark . Doch ließ ich es geschehen und sie nahm mich bei der Hand und führte mich durch dunkle Gänge in das hellerleuchtete Schiff einer Kirche , das voll Menschen war . Die Augen aller dieser Menschen waren starr auf mich gerichtet . Dann war es plötzlich nicht mehr meine Mutter , die mich an der Hand hielt , sondern ein großer fremder Mann in einer Uniform , die von Gold und Diamanten blitzte . Das Gesicht konnte ich nicht sehen , er hielt es beständig nach der andern Seite gewandt . So traten wir an den Altar , auf dessen Stufen der Priester stand . Die Orgel brauste und Gesang fluthete durch die hohen Hallen . Ueber dem Priester hing ein großes hölzernes Cruzifix , so wie in der Capelle von Grenwitz eins hängt , das ich oft als Kind voll Grausen betrachtet habe . Auch jetzt kam dieses Grausen wieder über mich , denn das Bild schüttelte , während er sprach , immer mit dem Kopfe , und als ich genauer hinsah , trug es die Züge von Oswald , aber verzerrt und todtenbleich und in der Seite des Bildes stak mein Dolch bis an den goldenen Griff und schwarze Blutstropfen fielen lang und langsam herunter . Da öffnete es den Mund und schrie laut auf , laut und gellend und vor dem Schrei zerstob die Menge , die Gewölbe krachten zusammen und der Mann an meiner Seite wurde zum Gerippe . Vergebens , daß ich mich seinem Griff zu entziehen suchte . Es umschlang mich mit seinen Knochenarmen und fuhr mit mir hinab in finstere Tiefen - schneller , immer schneller , bis ich vor allem Entsetzen erwachte . Der trübe Herbstmorgen blickte in mein Zimmer , aber noch immer glaubte ich , die Posaunen zu hören und es dauerte geraume Zeit , bis ich mich überzeugen konnte , daß es die Hörnertöne eines Trauermarsches waren von einem militairischen Leichenzug , der an dem Hause vorüber nach dem nahen Friedhofe ging . Ich versuchte zu lächeln über den wunderlichen Traum und es gelang mir , - weil ich es wollte , weil ich den leeren Schreckenbildern einer aufgeregten Phantasie keinen Einfluß auf meine Entschlüsse zugestehen wollte . Ueberdies konnte ich mir bei ruhiger Ueberlegung wohl erklären , wie ich zu