einer gewaltigen Keule wird , wenn der erboste Spieler ihn umkehrt und ihn auf den Köpfen der Orchestergenossen tanzen läßt . - Hüte dich , mein Junge , einen Menschen mutwilligerweise auf die Krähenaugen zu treten ; leide es aber auch selber nicht , sintemalen es ein verflucht unangenehmes Gefühl ist . - Ereifre dich nicht über unschädliche Narrheiten der Leute , die du doch nicht ändern kannst . Stelle dir lieber dabei vor , du habest dein Eintrittsgeld zu einem schlechten Lustspiel gezahlt ; gähnen magst du , aber tu es mit Anstand . Erinnere dich immer , daß du nicht der einzige Mensch in der Welt bist , der - der sich klüger dünkt als alle andern . Wenn du mir versprichst , dich daran zu erinnern , so gebe ich dir die Erlaubnis , so gut von dir zu denken , wie du willst . Mein lieber Sohn , manchem Halunken geht es wie dem frommen Storch , er hat einen bessern Ruf , als er verdient . Auch der Storch ist berühmt als Ausrotter von allerhand Ungeziefer ; aber sein weiter Magen ist gefüllt mit gemordeten jungen Hasen , Rebhühnern und andern einfältigunschuldigen Delikatessen . Ein kluger Mann läßt sich nicht täuschen , es ist kein besonders behaglicher Aufenthalt im Magen eines solchen biedern Gesellen . - Ich habe manches Haus gesehen , über dessen Tür stand : salve hospes ; aber auf gut deutsch hieß das nur : der Eintritt ist verboten , wer hereinkommt , wird hinausgeworfen . Merke dir das , Robert Wolf , und bitte dir , ehe du dem salve traust , von dem Türhüter eine Übersetzung des hospes aus . - Zum Schluß knöpfe deine Ohren so weit als möglich auf und vernimm , daß der Mensch viel schneller und früher alt wird , als er gewöhnlich für möglich halten will . Eines schönen Morgens wirst du erwachen und das klägliche Faktum dir nicht mehr verleugnen können . Sorge , daß du dich dann mit gutem Gewissen in den Großvaterstuhl setzen kannst . Ich habe gesprochen . « Was Robert Wolf auf alle diese Reden sagte ? Er sagte wenig oder vielmehr gar nichts , und was er fühlte , das gab sich in verworrenen , von Tränen erstickten Interjektionen kund . Er fühlte viel ; aber es ist eigentlich nicht die Sache des erzählenden Schriftstellers , Interjektionen in seinen Text zu werfen . Wir können nur sagen , daß Robert durchdrungen war von dem Bewußtsein , daß man ihm viel , sehr viel Gutes erwiesen habe , und daß er allerlei versprach , worüber er sich in diesen Augenblicken kaum selbst hätte Rechenschaft geben können . Die Nacht war dunkel ; aber es war recht eine Nacht der Astronomen : die Sterne leuchteten hell , und wer irgend nach den Sternen sah , fand sie rein und klar an ihrer Stelle . In tiefer Finsternis begraben lag die Brandstätte , deren Schutt und Asche so schwer und dicht auf den Geist des klugen Bankiers Wienand gefallen war ; wenn wir wieder dahin blicken , so werden sich viel neue stattliche Mauern , viel hohe Gebäude daselbst erhoben haben , und wieder werden viele Sternbilder dem Auge des alten Sternguckers Heinrich Ulex verdeckt sein . Noch eine kurze Zeit saßen die Freunde im Giebelzimmer des Nikolausklosters zusammen ; dann trennten sie sich , und der Alte vom Turme küßte seinen Zögling auf die Stirn : » Lebe wohl , lebe wohl , mein Sohn ; du hast mir viel Freude gemacht . Lebe wohl , sei glücklich und vergiß nicht die Sterne ! « » Kriechen Sie in Ihre Höhle , Fiebiger « , sagte das Freifräulein in der Gasse . » Robert kann mich allein nach Hause begleiten ; geben Sie mir Ihren Arm , mein Sohn . « Der Schreiber verschwand in der Tür der Nummer zwölf der Musikantengasse , und das Fräulein und Robert setzten ihren Weg fort . Leise , eindringlich und viel sprach noch auf diesem Wege Juliane von Poppen zu dem Jüngling ; der Name Helene kam mehrmals in ihrem Geflüster vor , und Robert schritt gleich einem Nachtwandler an der Seite der Alten . Was sie ihm sagte , erfüllte seine Seele bald mit hohem Entzücken und stürzte ihn gleich wieder in halbe Verzweiflung . Eine Viertelstunde später lief der Jüngling allein durch die Gasse : » Ich soll mich ihr nicht zu nähern suchen ! Sie liebt mich , aber ich soll ihr nicht nahe kommen , soll ihr nicht schreiben ! O Helene , Helene , was soll ich denn tun ? « Plötzlich stand er vor dem Hause , welches der Bankier Wienand jetzt in der Kronenstraße bewohnte , und sah nach den dunkeln Fenstern desselben . » Was soll ich tun ? Was soll ich tun ? O wie ich sie liebe - und ich soll sie nicht mehr sehen ! Die Grausamen ! Die Grausamen ! « Der Baron Leon von Poppen befand sich selbstverständlich noch nicht im Bett . Lang ausgestreckt lag er auf seinem Sofa , das neueste Meisterwerk Paul de Kodes studierend . In den Pausen seiner Lektüre sah er mit unendlichem Behagen den Wolken seiner Zigarre nach ; ein Maler hätte zu einer Personifikation des guten Gewissens kein tauglicheres Vorbild finden können . Herr Leon hatte heute seine zweite Visite beim Bankier Wienand abgestattet , und diesmal in Abwesenheit der Tante Juliane . Der Kranke war in seiner Gesellschaft ganz munter und lebendig geworden , und die arme Helene mußte sich gestehen , es sei wünschenswert , daß der liebenswürdige Nachbar öfters zu dem Vater komme . » Riesenfortschritte ! Siebenmeilenstiefel ! « lächelte der sinnige Träumer auf seinem Sofa . » Bah , bald werden wir die Dornen abgestreift haben vom Stengel ! Bah , lächerlich , wer pflückt eine hübsche Rose mit einem Fausthandschuh ? Mein lieber Baptiste , ich habe dich heute abermals im tête-à-tête mit der leichtsinnigen Elise getroffen ;