Familie und in der arbeitsamen Reichsstadt ein Gedanke von Langeweile , der ihn abschreckte . Das Kriegerleben hatte seine großen Gefahren und Strapazen - aber es ließ sie in immer wechselnden Bildern vergessen , es gab nicht nur Tage , sondern auch Wochen der Ruhe dazwischen , die in wechselnden Städten Abwechslungen und Genüsse aller Art boten ; er wußte , daß er als Krieger sich ungestraft Manches erlauben durfte , was man dem Bürger der Reichsstadt als Vergehen anrechnete - und so wollte er seinen Entschluß noch dem Zufall zur Entscheidung überlassen . Von seiner Familie ward er ehrenvoll und herzlich empfangen , Niemand sprach mit ihm von Ursula , und er selbst mochte Niemanden nach ihr fragen - er wollte nicht den Unglücklichen spielen um eines Mädchens Willen , das , statt mit ihm zu fliehen , es vorgezogen hatte , die Braut des Himmels zu werden . Nach einigen Tagen traf ihn Herr Christoph Scheurl , der , wie er damals der Vertraute seines Liebesverhältnisses gewesen und es begünstigt hatte , um dem stolzen Loosunger Tucher eine Demüthigung zu bereiten , jetzt sein Haupt immer höher hob , da der König bei ihm seine Wohnung genommen , dennoch jenen Plan immer noch mehr zu vervollständigen strebte . » Nun , Herr Stephan , « sagte er , » meine Gemahlin hat täglich nach Euch gefragt und erwartet Euch in unserm Hause zu sehen , um den König für Euch und Ursula an sein gegebenes Wort zu mahnen . « Da erst klärte es sich für Stephan auf , daß Ursula weder Novize noch Nonne geworden , sondern nur ganz zurückgezogen von dem Weltleben in Treue und Bangen seiner Rückkehr geharrt hatte . Stephan war bestürzt und beschämt - er eilte zu Elisabeth . Er beichtete ihr nicht , er schob alle Schuld auf Ursula , die ihm nicht mehr geschrieben , an deren Standhaftigkeit er schon da habe zweifeln müssen , als sie sich geweigert mit ihm zu fliehen ; er habe es glauben müssen , daß sie in ein Kloster gegangen , und gestrebt sie zu vergessen , da sie ihm nicht gehören könne . Elisabeth wußte genug von Stephan und war genug Kennerin eines solchen Männerherzens , um zu verstehen , daß es ihm leicht geworden war , sich über Ursula ' s Verlust zu trösten - und daß er eigentlich weder die treue Liebe der reinsten Jungfrau , noch alle die Thränen verdiene , die sie um ihn geweint , noch alle die Schmerzen und Kämpfe , die sie um seinetwillen ausgehalten , und die ihr doch so schwer geworden , weil sie der eigene Vater ihr bereitet und ihr zartes Gewissen ihr immer vorwarf , daß sie ihm nicht so gehorsam war und ihn nicht so erfreute , wie er es von ihr forderte . Aber Elisabeth kannte ebenso wohl Ursula und das liebende Frauenherz . Sie wußte , daß diese nur in Stephan lebte , daß er ihr Ein und Alles war , daß sie selbst ihn niemals lassen werde , außer wenn er selbst sie von sich stieße , und daß es kein entsetzlicheres Geschick für sie gab . In dem Gedanken , daß Stephan ihrer Liebe nicht werth sei , würde Ursula am wenigsten Trost gefunden haben - viel näher lag ihr der , daß sie nicht seiner werth war , sich selbst würde sie allein alle Schuld beimessen und mit peinvollen Selbstvorwürfen sich zu Grunde richten . War doch schon jetzt ihre sonst ungestörte Gesundheit dahin und ihr sonst blühendes Ansehen in ein bleiches gewandelt , das deutlich von geknicktem Lebensmuthe sprach . Darum ward Elisabeth Ursula ' s warme Fürsprecherin . Sie schilderte , was sie gelitten und noch leiden müsse in ihrer unwandelbar treuen Liebe - und in Stephan ' s Herzen wurden die alten Empfindungen wach . Noch mehr ! er begriff , welch ' andern Werth ein weibliches Gemüth habe , das so immer sich selbst getreu bleibe in seiner stillen , schönen Weise , als jenes leidenschaftliche Erglühen sinnlicher Frauen , das nur den Sinnen gilt und die Gegenstände wechselt . Ja auch der männlich ritterliche Geist wachte in ihm auf , der ihn anspornte , die schon feige aufgegebene Geliebte , die er nicht besitzen sollte , sich nun und plötzlich zu erobern . Schnell und kühn wollte er handeln , und ein Augenblick sollte Alles sühnen , um Ursula und den widerstrebenden Vätern zu zeigen , was er vermöge . Da kam wie gerufen Kunz von der Rosen zu dieser Unterredung . Er hatte Anfangs seine schöne Wirthin da er sie mit Stephan , dessen Glück bei den Frauen ihm bekannt war , abermals in Verdacht , daß sie wieder eine Prüfung ihrer Treue gegen den ungeliebten alten Gatten zu bestehen habe und Stephan vielleicht minder entschieden zurückweise wie Konrad Celtes . Aber schnell mußte er wieder anderer Meinung werden , als sie ihm zurief , er komme zur guten Stunde , um seinen klugen Rath zu ertheilen und einem langgeprüften Liebespaar zur schönen Vereinigung zu verhelfen . Nun erzählte sie ihm Alles - und wie König Max einst ihr und Ursula versprochen , ihnen beizustehen , wenn sie nach Stephan ' s Rückkehr dessen bedürfen würden . Kunz war immer gern bereit mit seinem trefflichen Herzen und klugen Kopfe , Anderen zu ihrem Glück zu verhelfen - er sann ein Weilchen nach , und da man ihm die Frage bejahet , ob nicht in wenig Tagen ein Maskenfest stattfände , war er schnell mit seinem Plane zu Stande . Stephan sollte am Ende eines Fastnachtsspieles mit der Geliebten vor den König treten und von diesem öffentlich ohne Weiteres verlobt werden . Er selbst wollte vorher Max dafür stimmen - und Elisabeth , meinte er , brauche ihn nur um seinen Beistand zu bitten oder im Nothfall ihm die Nadel zu zeigen , so werde er gern ihren Wunsch erfüllen . Es war ganz im Geiste dieser Zeit , die sich um