du zurücktrittst , so soll dein Diebstahl ungeschehen und begraben sein . Bis jetzt ist nicht davon geschnauft worden , das hab ich in der Hand . « » Schwätzet doch nicht immer von Diebstahl « , sagte Friedrich . » Was ich aus meinem Mütterlichen ersetzen kann , das ist mein ' twegen genommen , aber nicht gestohlen . « » Wie meinst du , daß man ' s vor Amt ansehen werd ? « » Weiß ich das ? Ich hab das Gesetz nicht gemacht , und Ihr auch nicht . « » Du hast ' s , scheint ' s , vergessen , wohin dich dein Husarengriff geführt hat . « » Nein , ich weiß noch recht gut , daß man mir damals eröffnet hat , das Einsacken könnt man vielleicht meiner Jugend und Unverstand nachsehen , aber nach einem alten Reskript - ich weiß nicht mehr , die Jahreszahl ist noch aus dem vorigen Jahrhundert gewesen - sollen ungeratene , unartige Kinder , bei denen der Eltern Zucht nicht anschlage , in Sprengen und eisernen Banden zu öffentlichen Arbeiten angehalten werden , und sonach sei das Zuchthaus eigentlich eine Begnadigung für mich . Wenn Ihr es also meint , so könnt Ihr mich beim Amtmann und Vogt verklagen , wie Ihr mich beim Kirchenkonvent verklagt habt . « - » Du schreckst mich nicht « , dachte er bei diesen Worten , mit festem ; Auge den unsichern Blick seines Vaters festhaltend . » Sind das artige Kinder « , fragte dieser , » die ihren Eltern das Korn im Sack aus dem Haus tragen ? « » Wisset Ihr nicht , Vater ? der Crispinus hat Leder gestohlen , um den Armen Schuh draus zu machen , und hat ' s doch zum Heiligen gebracht , wiewohl er ' s , glaub ich , sogar bei Fremden gestohlen hat . « » Wir sind lutherisch . Da gelten keine solche Späß . « » Nun , so machet doch endlich Ernst und bringet mich ins Zuchthaus . Dann muß eben die Hochzeit aufgeschoben werden , bis ich wieder rauskomm . « » Ich sag noch einmal , tritt zurück , so lang ' s noch Zeit ist . « » Nein , eher will ich mich stocken und blocken lassen . Entweder setzt mich ins Zuchthaus , wenn Ihr nichts Besseres wisset , oder gebet mir mein Mütterlich ' s heraus , damit die Sach auf ein oder die ander Art endlich in Ordnung kommt . « » Zu deinem Hochzeitstag kannst ' s haben , wenn du von deinem Tugendspiegel nicht lassen willst , und kannst dann gleich auch Tauf davon halten . Ich möcht nur auch wissen , was du an ihr find ' st . Ich will nicht weiter mit dir streiten , ob du dich mit dem Crispinus vergleichen kannst , aber wenn du das sein willst , so sag nur selber , was du von deiner Crispina hältst , die sich gestohlene Sachen zutragen läßt ; denn das leid ' t kein Zweifel , da machst mir nichts weiß . « » Angenommen , es sei so , wisset Ihr denn , ob sie ' s weiß , woher ich ' s hab ? « » Sie wird wohl denken , es sei dir in der Hand gewachsen ? « » Vater , wenn sie reich war , so möcht sie tun , was sie wollt , Ihr würdet anders von ihr denken . Jetzt ist sie einmal mein , und das Kind , das sie unterm Herzen trägt , ist mein Kind und muß zu seiner Mutter einen Vater haben , wie ich zu meinem Vater eine Mutter haben sollt . « » So renn in dein Verderben , wenn du nicht anders willst « , sagte der Alte , nahm das Licht und ging in seine Kammer . 25 Richtig , das muß man sagen , hatte die Krämerin prophezeit . Nie war seit Jahren in dem doch so christlich gesinnten Flecken die Kirche so gefüllt gewesen wie an dem Sonntag , an welchem Friedrich mit Christinen proklamiert wurde . Außer den Kranken und Gebrechlichen blieb niemand zurück , von den Gesunden fehlte nur die Familie des Sonnenwirts . Der alte Hirschbauer hatte alle die Seinigen in die Kirche geschickt : » die Mucken werden mich derweil nicht fressen « , hatte er gesagt . Selbst der kleine Wollkopf hatte in dem Weiberstande neben seiner Mutter und Schwester Platz gefunden und hörte andächtig der Predigt zu . Wohl gab es ein Zischeln und Murmeln , und alles steckte die Köpfe zusammen , als der Pfarrer vor dem Segen die Verlesung der Paare , die in den heiligen Stand der Ehe treten wollten , begann , aber Friedrich blickte mutig nach der Kanzel und zugleich aufmerksam , ob der Pfarrer in seiner Verkündigung nicht vielleicht irgendein Zeichen seiner Abgunst einfließen lassen werde . Es geschah jedoch nichts dergleichen , und er konnte es höchstens auffallend finden , daß der Pfarrer unter den zu verkündigenden Paaren ihm und seiner Braut die letzte Stelle angewiesen hatte ; diese Ordnung konnte aber der Reihenfolge der Anmeldung entsprechen , somit eine zufällige sein . Der Pfarrer erteilte den Proklamierten und der Gemeinde den kirchlichen Segen , und Orgel und Choral beschlossen den Gottesdienst . Beim Herausgehen aus der Kirche stieß Friedrich auf den Invaliden . » Was , Ihr seid auch in der Kirch gewesen , Profos ? Hätt nicht geglaubt , Eure mürbe Knochen täten Euch so weit tragen . Aber ' s ist mir eine Freud und eine Ehr . Nur wundert ' s mich , denn Ihr habt ja auch Mäus dagegen gehabt . « » Es bleibt dabei , daß Er nicht recht gescheit ist « , sagte der Invalide . » Aber zu Seiner Hochzeit soll nichtsdestoweniger meine alte Lise krachen . « Friedrich drückte ihm die Hand und begab sich zu den Seinigen , die vor