kalt ließe , und es könnte für Jenny ' s Glück eine harte Probe werden , wenn sie es erleben müßte , Walter ' s Entschluß von seinen Standesgenossen getadelt und ihn dadurch verletzt zu sehen . Ihre erste Verlobung brachte sie in geistiger Beziehung in einen traurigen Conflikt , diese könnte sie in ein schwer zu überwindendes Mißverhältniß zu den äußern Umständen versetzen , und sie leicht ebenso unglücklich machen , als jene . Wie ich Jenny beurtheile , fühlt sie das selbst und hat Scheu vor Walter ' s unverkennbarer Neigung , weil sie sich nicht den Muth zutraut , seiner Liebe und seiner Werbung zu widerstehen . Bei Walter ' s persönlichen Eigenschaften und seiner Stellung in der Welt würde das vielleicht jedem Mädchen schwer , da keines von Eitelkeit frei und Walter ganz der Mann ist , Liebe und Zutrauen zu erwecken . Doch bin ich überzeugt , daß diese Heirath früher oder später zu Stande kommt , und theile Dir diese Nachricht mit als Etwas , das ich nicht gern sehe , aber nicht zu hindern vermag . Deinen Ansichten dürfte das Verhältniß willkommen sein . Gott gebe , daß meine Besorgniß mich trüge und Jenny so glücklich werde , als sie es verdient . In seiner Ansicht von Jenny ' s Scheu vor der Bewerbung Walter ' s und ihrem Mißtrauen gegen sich selbst hatte ihr Vater sich wirklich nicht getäuscht . Jenny war zu sehr an Huldigungen gewöhnt und nicht mehr jung genug , um in jeder Annäherung eines Mannes Liebe zu erblicken . Gerade deshalb hatte sie sich in ihrem Verhältniß zu Walter , in seiner Gesellschaft um so behaglicher und freier gefühlt , als sie mit Sicherheit glaubte , hier keinen andern Ansprüchen zu begegnen , als denen , welche man einem geachteten Freunde willig zugesteht . Jetzt war ihr plötzlich die Ueberzeugung des Gegentheils geworden und mit ihr das Bewußtsein , daß sie durch Walter ' s Liebe manchem neuen Kampfe ausgesetzt werden könnte : sei es , daß er ihre Hand verlange , oder aus Rücksicht auf seine weltliche Stellung darauf verzichte . Verstimmt gemacht durch diese Gedanken , langte sie , während Walter die Unterredung mit ihrem Vater hatte , bei Frau von Meining an , die in Jenny ' s beweglichem Gesicht die Spuren einer innern Unruhe leicht bemerkte . Sie fragte um die Ursache derselben , obgleich Jenny anfangs die Thatsache leugnete , und erst nach freundlichem Bitten und Dringen von Seiten der Geheimräthin sagte Jene : Ich habe die Entdeckung gemacht , die Liebe eines Mannes zu besitzen , an die ich nie gedacht habe , und das ist mir unangenehm . Die Geheimräthin sah sie verwundert an , lächelte dann und meinte : Das heißt , Du bemitleidest ihn , weil Du diese Liebe nicht erwiderst und er Dir nicht gefällt . Das kommt wohl vor im Leben und sollte Dir nicht so neu sein , Dich so sehr zu verstimmen . Im Gegentheil , antwortete Jenny , er ist mir lieb und werth , und gerade darum thut es mir so wehe . Jenny , sagte die Geheimräthin plötzlich ernsthaft geworden , ich will kein Vertrauen erzwingen , wenn Du nicht geneigt bist , es mir zu gewähren . Nur das Eine sage mir , mich zu beruhigen : Ist der Mann , der Dich liebt , verheirathet , oder sonst in einer Weise gebunden , die Deine Unruhe erregt ? Nur die Eine Frage beantworte mir . Nein , nein ! rief Jenny , über den feierlichen Ernst ihrer Freundin lächelnd , Er ist frei und unumschränkter Herr seines Willens ; ich zweifle nicht , daß er mir seine Hand anträgt , aber das ist es , was ich fürchte und was mein Vater ungern sehen wird . So ist er arm und seine Stellung der Deinen all zu ungleich ? fragte Frau von Meining . Kennst Du meinen Vater und mich so wenig , entgegnete Jenny im Tone des Vorwurfs , zu glauben , daß dergleichen uns irren könnte ? Nein , im Gegentheil , es ist Graf Walter , der mich liebt , und dessen Liebe ich befürchte . Walter ! rief die Geheimräthin erfreut und setzte dann hinzu : Du bist unwahr gegen Dich oder mich . Walter ' s Liebe kann Dir nicht unwillkommen sein , denn gleichgültig ist er Dir nicht . Das habe ich auch nicht behauptet , antwortete Jenny . Aber ich habe durch meine Verlobung mit Reinhard so viel gelitten , mich so an das ruhige Glück gewöhnt , welches ich jetzt genieße , daß ich vor dem Gedanken zittere , neuen Stürmen ausgesetzt zu sein . Ich habe in der Liebe meines Vaters und meiner Brüder - denn auch Joseph ist mir ein Bruder - in der Kunst mir eine Welt geschaffen , in der ich Freude finde und sie den Andern bereite . Nenne es Feigheit oder Selbstsucht , wie Du willst , ich mag aus diesem sichern Hafen mich nicht aufs Neue in das Meer des Lebens wagen . Ich will nicht heirathen . Und wenn Dein Vater stirbt ? Dann leben mir die Brüder ... , Die wahrscheinlich Deinen Entschluß nicht theilen , fiel ihr die Geheimräthin ins Wort , die sich verheirathen würden , wenn Du Dich Ihnen durch einen vernünftigen Entschluß entzögest und so ihr und Dein Bestes fördertest . Wie viel hundert Mal hast Du mir über die hohe Ansicht gesprochen , die Du von der Ehe hegst ! Wie erhaben hast Du mir Walter ' s Idee davon geschildert , als Du mir neulich von der Unterhaltung erzähltest , die Du über diesen Gegenstand mit ihm gehabt hast . Also Gleichnisse zeichnen kannst Du , aber im Leben sie durch Dich zu verwirklichen , stehst Du an ! Sie war ganz erhitzt durch den Eifer , mit dem sie gesprochen hatte , lehnte sich in ihren Sessel zurück und sagte lächelnd , da Jenny nachdenkend schwieg