sie jetzt gespielt haben , was sie aber niemals eingestehen werden ja selbst nicht einmal erfahren dürfen , wenn es ein andermal wieder gelingen soll . Glauben Sie mir , könnte man mit den wirklichen Komödianten zuweilen ein ähnliches Experiment machen so würden wir uns zuzeiten vortrefflicher komischer Darstellungen zu erfreuen haben . Wie mancher bewunderte tragische Held würde einen Zettel in der Sommernacht von Shakespeare meisterhaft geben , wenn man ihm insinuieren dürfte : Vortrefflichster ! erobern Sie durch Ihre Talente diesem so lange verkannten Manne seine Würde wieder . Er ist ja ein großes , ja einziges Talent , wofür ihn seine Genossen , die Bürgersleute , auch anerkennen . Die Probe , die er als Tyrann deklamiert , ist ja ein vortreffliches Gedicht und muß nun ebenso , etwa wie Sie schon sonst den Macbeth oder Otto von Wittelsbach gespielt haben , deklamiert und gespielt werden . Der schadenfrohe Puck , ein bösartiger Kobold , heftet diesem Manne nachher einen Eselskopf an . Soll dies etwas beweisen ? Soll der schlechte Spaß , wodurch man von je die größten Männer verunglimpft hat , ein kritisches Urteil enthalten ? Die zarte Titania beweist es ja , daß sie trotz dieser Entstellung seinen hohen Wert wohl zu schätzen weiß . Nachher wird sein herrliches großes Spiel vom Fürsten und den Aristokraten verlacht und bitter getadelt . Ist es nicht unbegreiflich , daß hier noch niemals ein feiner Sinn die wahre Meinung des großen Dichters geahndet oder gewittert hat ? Diese Lysander und Demetrius , die Hochmütigen , die sich soeben im Walde noch wie Toren und Rasende betragen haben , diese haben wohl viel Ehre mitzusprechen ? Daß solche Junker und Despoten den hohen Kunstwert eines Zettels nicht verstehen , ist eben sein größtes Lob . Verschließen diese doch in der Regel gegen alles Herrliche Auge und Ohr . - Zweifeln Sie dennoch , daß , wenn sich der Held so bearbeiten ließe , und er diese Überzeugung in sich aufnähme , er diesen Zettel nicht viel besser und ergötzlicher , als seinen Macbeth und Otto spielen würde ? « Elsheim sagte : » Ja , ich gestehe , ich habe den Schalk in Ihnen nicht erkannt . « » Einige Wahrheit « , fuhr der Professor fort , » ist aber auch außerdem in dieser Übertreibung . Denn selbst gute komische Schauspieler in Deutschland , und wie viel mehr in England , verfehlen es darin , daß sie zuviel tun . Sie meinen , sie müssen sich zu dem Toren , den sie abschildern sollen , allzu tief hinablassen . Sie grimassieren , sie kleiden sich zu einem Scheusal um , sie verstellen ihre Stimme und grunzen und näseln nun etwas daher , indem sie jedes Wort hervorheben , den nächsten Spaß durch Augenwinken und Körperverdrehungen ankündigen , daß in ihrem Bilde kaum die Menschheit wiederzuerkennen ist . Ich habe über keinen Schauspieler noch so , wie über unsern großen Schröder , lachen können , und wie ließ er auch durch die lächerlichste Figur sein edles Individuum durchschimmern und erreichte das Höchste , ebenso wie in seinem tragischen Spiel , immer mit wenigen Mitteln . Freilich ist das Lachen viel verschiedener und mannigfaltiger , als das Weinen der Menschen . Im Lachen verrät sich oft in der Gesellschaft der Gemeine und Rohe , der sich lange mit Glück maskieren konnte . Ich bin schon oft melancholisch geworden wenn ein ganzes Schauspielhaus kein Ende des Gelächters finden konnte . Es gibt viele Menschen , besonders in den höhern Ständen , die nur über den Menschen lachen können und mögen , den sie zugleich verachten . Für solche hat Shakespeare weder geschrieben , noch Schröder gespielt . Aber wie gern geben sich so viele Schauspieler mit Freuden hin , bis unter die tiefste Staffel des Menschlichen hinabzusteigen , um dieses für den Gebildeten trostlose Gelächter zu erregen . « » Sehr wahr « , sagte Elsheim . » Diese Empfindungsweise hängt noch mit einer andern sonderbaren Eitelkeit unserer Tage zusammen , die ich fast an jedem Menschen , selbst gebildeten , wahrgenommen habe . Man gibt diesem und jenem ausgezeichneten Talente gern zu , daß es komische Sachen , Charaktere und Lustspiele gut zu lesen und vorzutragen verstehe , aber nicht so in Ansehung des Ernsthaften , Schönen , Rührenden und Tragischen . Selbst über Sie , Freund , habe ich oft dergleichen Urteile gehört . Die meisten , wenn Sie eine Tragödie , oder die poetischen Szenen unsers Goethe oder Schiller lesen , meinen im stillen , unser Freund tut zu wenig , ist zu natürlich , bleibt allzusehr in dem Ton der Konversation und dergleichen mehr . Je stümperhafter , heulender und singender ein solcher diese Gedichte vorträgt , um so schärfer tadelt er Sie . « » Weil , wie unser Mannlich « , antwortete der Professor , » die Leute glauben , der sogenannte Ernst , und was sie Empfindung nennen , müsse den Mund voll nehmen und gleich damit anfangen , sich von der Natur und Wahrheit loszureißen . « Man ging zur Gesellschaft , und es ward beschlossen , noch an diesem Abend die heitere Vorstellung zu wiederholen . Da die Baronesse mit dem Inhalt schon bekannt war , ward sie von dieser zweiten Aufführung noch mehr , als von der ersten , ergötzt . Es waren diesmal weniger Zuschauer zugegen , und auch dieser Umstand trug zur Heiterkeit der alten Dame bei , weil sie sich das erste Mal etwas befangen und bedrängt gefühlt hatte , auch damals in Angst stand , es möchte wieder irgendeine Ungezogenheit vorfallen , die der freigeistige Sohn etwa billigen möchte . Da man nun weder Prolog noch Epilog hatte , so wurden zwei Ruhepunkte im Stücke angebracht , um beim Anfang und in den beiden Pausen einige Musikstücke aufzuführen , welche die Baronesse vorzüglich liebte . Emmrich behauptete zwar , daß das Stück darunter leide , weil diese flüchtige , leichte Handlung auch dadurch hinreiße , daß