, Lieber ! « versetzte Hermann . » Er sieht heute gar zu stattlich aus , und ist ein beneidenswerter Mann ! « Unbeschreiblich reizend war nämlich die Herzogin anzuschaun . Sie hatte mit feinem Sinne einen Putz gewählt , der , obgleich fremdartig und phantastisch , sich doch zu der modernen Kleidung ihres Gemahls harmonisch verhielt . Denn sie wußte wohl , daß dieser nicht zu bewegen sein würde , anders als in seiner eigentlichen Kleidung zu erscheinen . Als Hermann zu ihr trat , sagte sie ihm leise und angelegentlich : » Wir werden Sie nach diesen unruhvollen Tagen noch einige Zeit in der Stille und Einsamkeit hier behalten ? Nicht ? « Man wiederholte in diesem vertrauten Kreise die Ordnung des Tages , wie sie beobachtet werden sollte . Die Einladungen waren auf die Mittagsstunde gestellt worden . Auf dem Georginenplatze , den aber jetzt Schneebälle , Lilien und Maienrosen schmückten , hatte man ein geräumiges Gartenzelt errichtet , unter dem sich die Gesellschaft versammeln sollte . Das Lesekabinett war mit seinen anstoßenden Räumen gleichfalls geöffnet worden , damit für jeden Platz und Freiheit bleibe . Eine Seitenverwandte des Hauses , die man Gräfin Theophilie nannte , sollte die Honneurs machen , bis die fürstlichen Personen eintreten würden . Man hatte sie zu diesem Zwecke ausdrücklich kommen lassen . Herzog und Herzogin wollten erst sichtbar werden , wenn alles versammelt wäre . Nach den Bewillkommnungen sollte ein Herold zu Pferde vor dem Zelte erscheinen und das ritterliche Spiel ankündigen . Man hatte die ungefähre Dauer des letzteren berechnet und die Tafelstunde danach auf vier Uhr nachmittags festgesetzt . Gespeist sollte im Ahnensaale werden , wo ein Hufeisen für vierhundert Personen gedeckt war . Um sechs Uhr sollte das Mahl zu Ende sein , und jeder nach Belieben sich umtun dürfen . Als heitre Zwischenunterhaltung waren für diesen Zeitpunkt die Ergötzlichkeiten der Leute , das Scheibenschießen , der Hahnenschlag , das Klettern , und was sonst noch daran gereiht war , bestimmt . Im Ahnensaale war unterdessen aufzuräumen , zu erleuchten und alles für den Ball herzurichten , der dort Schlag acht Uhr beginnen sollte . Jeder der Anwesenden hatte seinen Auftrag ; was um so nötiger war , da man , um auch den Leuten möglichst viel Vergnügen zu gönnen , nur den unentbehrlichsten Teil der Hausdienerschaft zur Aufwartung beibehalten und den übrigen erlaubt hatte , an den Volkslustbarkeiten teilzunehmen . Man hatte deshalb von den umliegenden Gütern sich eine Menge fremder Menschen erbitten müssen , deren Dienste immer nicht so zuverlässig erschienen , als die der eignen , vollkommen regelrechten Livree . Wilhelmi übernahm es , den Wagenzug vom Gartenzelte nach dem Turnierplatze zu ordnen , der Arzt wollte für Aufrechthaltung des Ballreglements Sorge tragen ; was Küche und Keller betraf , so konnte man sich in dieser Hinsicht auf den Haushofmeister verlassen , der ein sehr sichrer , gewandter Mann war . Hermann endlich hatte sich das im stillen wirkende Amt des Ordners bei dem Festspiele selbst erbeten . Unter diesen Besprechungen war es Mittag geworden , und man konnte die Gäste erwarten . Verlangend sahen Herzog , Herzogin und die bei ihnen im Audienzsaal Verbliebenen nach der Allee vor den Toren des Schlosses , in welche sämtliche Wege , die zu demselben führten , einmündeten . Nichts erschien , nur die Stäubchen wehten im Sonnenscheine . Die roten und gelben Fahnen mit den Wappen des Herzogs , auf den Spitzen der Pavillone , flatterten über den Stauden des Parks , Trompeten und Pauken ließen sich von dort hin und wieder in ungeduldigen Fanfaren hören , am Gartenzelte harrten der Haushofmeister und die Dienerschaft mit den bereiteten Erfrischungen , aber kein Wagen , kein Reiter , kein Fußgänger wollte erscheinen , Straße , Hof und Park waren wie ausgestorben . Nachdem man so länger als eine Stunde vergebens gewartet und alle Möglichkeiten in Vermutungen über den Grund dieses auffallenden Zögerns erschöpft hatte , sah man plötzlich einen bunten Jockei atemlos und bestürzt auf den Hof gelaufen kommen . » Zu Hülfe ! « rief der Knabe , » wir können nicht hinein ! Auch ich habe mich nur mit genauer Not so durchgeschlichen . « Auf der Stelle stieg Hermann zu Pferde , und ritt dem Knaben nach , der den Weg einschlug , auf welchem die meisten der Besuchenden kommen mußten . Dieser Weg lief zwischen hohen Erdwänden hin , und war , etwa eine kleine halbe Stunde vom Schlosse , durch einen der Schlagbäume gesperrt worden . An letzterem nahm nun Hermann das lächerlichste Schauspiel wahr . Jenseits des Schlagbaums hielt eine unabsehliche Reihe von Wagen und Reitern , von denen die vordersten mit heftigen Reden die Erhebung des Balkens begehrten ; diesseits stand der Wächter , unbeweglich , ungerührt , und drehte der ganzen Gesellschaft den Rücken zu . Bald hatte Hermann die Erklärung dieses Auftritts vernommen . Der Wächter hielt sich streng an seine Instruktion , welche ihm verbot , Leute von fremdartigem Ansehn durchzulassen . Er meinte , die Worte des Befehls auch auf den Zug der Eingeladnen anwenden zu müssen , von denen die meisten in ungewöhnlichem Anzuge erschienen . Vergebens waren alle Deutungen und Bedeutungen gewesen , der Wächter schwieg und behielt den Schlüssel in der Tasche . Da nun der Weg , wie wir ihn beschrieben haben , durchaus keine Umgehung gestattete , und der Wächter einigen Bedienten , die unter dem Balken durchkriechen wollten , um im Schlosse das Hindernis zu verkündigen , mit unzweideutiger Gebärde seinen Spieß vorhielt , so sah sich der ganze Reigen eine geraume Zeit lang in der seltsamsten Lage , und wie im Zustande des Banns vor einem verzauberten Kastell , bis es jenem gewandten Knaben glückte , vorbeizuschlüpfen . Verdrießlich über die Dummheit des Wächters , entriß Hermann ihm den Schlüssel , machte am Schlage des vordersten Wagens den Damen schickliche Entschuldigungen und erbat sich einige berittne Diener , die er sofort nach den andern Schlagbäumen abfertigte . Wirklich war