erzählt , daß er als Student nicht wenig eitel auf sein schönes Bein gewesen , und daß er in Leipzig mit Dir in einen Tuchladen gegangen , das Bein auf den Ladentisch gelegt , und dort die neuen Beinkleidermuster drauf probiert , bloß um das Bein der sehr artigen Frau im Laden zu zeigen ; - in dieser Laune schien er mir zu sein ; nachlässig hatte er sein Bein ausgestreckt , betrachtete es wohlgefällig , strich mit der Hand drüber , dann wenige Worte über den herrlichen Abend flüsternd , beugte er sich zu mir herab , da ich am Boden saß und den Schoß voll Blumen hatte , wo ich die besten auslas zum Kranz , und so besprachen wir uns einsilbig , aber zierlich und mit Genuß in Gebärden und Worten , und ich wußte es ihm begreiflich zu machen , daß ich ihn liebenswürdig finde , als auf einmal Tante Lenens vorsorgende Bosheitspflege der feinen Gefühlskoketterie einen bösen Streich spielte ; ich schäme mich noch , wenn ich dran denke ; sie holte eine weiße langgestrickte wollne Zipfelmütze aus ihrer Schürzentasche , schob sie ineinander und zog sie dem Jacobi weit über die Ohren , weil die Abendluft beginne rauh zu werden , grade in dem Augenblick als ich ihm sagte : » Heute versteh ich ' s recht , daß Sie schön sind « , und er mir zum Dank die Rose in die Brust steckte , die ich ihm gegeben hatte . Jacobi wehrte sich gegen die Nachtmütze , Tante Lene behauptete den Sieg , ich mochte nicht wieder aufwärts sehen , so beschämt war ich . - » Sie sind recht kokett « , sagte der Graf Westerhold , ich flocht still an meinem Kranz , da aber Tante Lene und Lotte einstimmend mir gute Lehren gaben , sprang ich plötzlich auf und trappelte so , daß der Kahn heftig schwankte , » um Gotteswillen wir fallen ! « schrie alles , » ja , ja ! « rief ich , » wenn Sie noch ein Wort weiter sagen über Dinge , die Sie nicht verstehen . « Ich schwankte weiter , » haben Sie Ruh , es wird mir schwindlig « . - Westerhold wollte mich anrühren , aber da schwankte ich so , daß er sich nicht vom Platz getraute , der Schiffer lachte und half schwanken , ich hatte mich vor Jacobi gestellt , um ihn nicht in der fatalen Mütze zu sehen , jetzt , wo ich sie alle in der Gewalt hatte , wendete ich mich nach ihm , nahm die Mütze beim Zipfel und schwenkte sie weit hinaus in die Wellen ; » da hat der Wind die Mütze weggeweht « , sagte ich , ich drückte ihm meinen Kranz auf den Kopf , der ihm wirklich schön stand , Lene wollt es nicht leiden , die frischen Blätter könnten ihm schaden . Lasse ihn mir doch , sagte Jacobi sanft , ich legte die Hand über den Kranz . » Jacobi « , sagte ich : » Ihre feinen Züge leuchten im gebrochnen Licht dieser schönen Blätter wie die des verklärten Plato . Sie sind schön , und es bedarf nur eines Kranzes , den Sie so wohl verdienen , um Sie würdig der Unsterblichkeit darzustellen « ; ich war vor Zorn begeistert , und Jacobi freute sich ; ich setzte mich neben ihn an die Erde und hielt seine Hand , die er mir auch ließ , keiner sagte etwas , sie wendeten sich alle ab , um die Aussicht zu betrachten , und sprachen unter sich , da lachte ich ihn heimlich an . Da wir ans Ufer kamen , nahm ich ihm den Kranz ab und reichte ihm den Hut . - Das war meine kleine Liebesgeschichte jenes schönen Tages , ohne welche der Tag nicht schön gewesen sein würde ; nun hängt der Kranz verwelkt an meinem Spiegel , ich bin seitdem nicht wieder hingegangen , denn ich fürchte mich vor Helenen , die aus beleidigter Würde ganz stumm war und mir nicht Adieu sagte ; so mag denn Jacobi freundlich meiner gedenken , wenn ich ihn nicht wieder sehen sollte , dieser Abschied kann ihm keinen unangenehmen Eindruck in der Erinnerung lassen , und mir ist es grade recht , denn ich möchte doch nicht Kunst genug besitzen , den vielen Fallstricken und bösen Auslegungen zu entgehen , die jetzt wahrscheinlich im Gang sein mögen . Adieu , nun hab ich Dir auf alle Artikel Deines lieben Briefes geantwortet und Dir mein ganzes Herz ausgeschüttet . Versicherungen meiner Liebe gebe ich Dir nicht mehr , die sind in jedem Gedanken , im Bedürfnis , Dir alles ans Herz zu legen , hinlänglich beurkundet . 7. Juni Bettine An Goethe 16. Juni Gott lasse mir den einzigen Wunsch gedeihen , Dich wieder zu sehen , und zögere nicht allzulang . Soeben vernehme ich , daß jemand von meiner Bekanntschaft nach Weimar geht . Das bläst die Asche von der Glut , mich hält ' s , daß ich von hier aus die Tiroler Berge sehen kann , sonst nichts . Es martert mich alle Tage , nicht zu wissen , was dort vorgeht ; ich käme mir vor wie ein feiger Freund , wenn ich mich dem Einfluß , den die Nähe des bedrängten Landes auf mich hat , entziehen wollte ; wahrhaftig , wenn ich abends von meinem Schneckenturm die Sonne dort untergehen sehe , da muß ich immer mit ihr . Wir haben schon seit Wochen schlecht Wetter . Nebel und Gewölk , Wind und Regen und schmerzliche Botschaft wird indessen durch Dein Andenken wie durch einen Sonnenstrahl erhellt . - Beinah vier Wochen hab ich nicht geschrieben , aber ich hab Dich diese ganze Zeit über bedacht , mit Gedanken , Wort und Werken , und nun will ich ' s gleich auseinandersetzen : es ist auf der hiesigen Galerie ein Bild von Albrecht Dürer , in seinem achtundzwanzigsten