nicht treffliche alte Weine ? Speiste man bei ihm , das Gänsefett abgerechnet , nicht trefflich ? Hatte er nicht die schönsten jüdischen und christlichen Fräulein zusammengebeten , um die Gesellschaft zu unterhalten durch geistreiche Spiele und herrlichen Gesang ? Auch Graf Rebs , das treffliche Kaninchen , war geladen , und nur das brachte ihn einigermaßen in Verlegenheit , daß nicht weniger als zwanzig Frauen und Fräulein zugegen waren , mit denen er schon in zärtlichen Verhältnissen gestanden hatte . Er half sich durch ausdrucksvolle Liebesblicke , die er allenthalben umherwarf , wie auch durch die eigene Behendigkeit seiner Beinchen , auf welchen er überall umherhüpfte und jeder Dame zuflüsterte : sie allein sei es eigentlich , die sein zartes Herz gefesselt . Die übergroße Anstrengung , zwanzig auf einmal zu lieben , da er es sonst nur auf fünf gebracht hatte , richtete ihn aber dergestalt zugrunde , daß er endlich elendiglich zusammensank , und in seinem Wagen nach Hause gebracht werden mußte . Die Gesellschaft unterhielt sich ganz angenehm , und bewies sich nach Herrn Simons Begriffen sehr gesittet und anständig , denn als er am Abend , nachdem alle sich entfernt hatten , mit seiner Tochter Rebekka , das Silber ordnete und zählte , riefen sie einmütig und vergnügt : » Gotts Wunder ! Gotts Wunder ! was war das für noble Gesellschaft , für gesittete Leute ! Es fehlt auch nicht ein Kaffeelöffelchen , kein Dessertmesserchen oder Zuckerklämmchen ist uns abhanden gekommen ! Gotts Wunder ! « Der Festtag im Fegefeuer Fortsetzung Am Horizont in diesem Jahr Ist es geblieben , wie es war . M. Claudius 1. Der junge Garnmacher fährt fort , seine Geschichte zu erzählen Das Manuskript , aus welchem wir diese infernalischen Memoiren dechiffrieren und ausziehen , fährt bei jener Stelle , die wir im ersten Teile notgedrungen abbrachen , fort , die Geschichte des jungen deutschen Schneider-Baron zu geben . Er ist aus seiner Vaterstadt Dresden entflohen , er will in die weite Welt , fürs erste aber nach Berlin gehen , und erzählt was ihm unterwegs begegnete . » Meine Herren « , fuhr der edle junge Mann fort , » als ich mich umsah , stand ein Mann hinter mir , gekleidet wie ein ehrlicher , rechtlicher Bürger ; er fragte mich , wohin meine Reise gehe und behauptete , sein Weg sei beinahe ganz der meinige , ich solle mit ihm reisen . Ich verstand so viel von der Welt , daß ich einsah , es würde weniger auffallend sein , wenn man einen halberwachsenen Jungen mit einem älteren Mann gehen sieht , als allein . Der Mann entlockte mir bald die Ursache meiner Reise , meine Schicksale , meine Hoffnungen . Er schien sich sehr zu verwundern , als ich ihm von meinem Oncle , dem Herrn von Garnmacher in der Dorotheenstraße in Berlin erzählte . Euer Oncle ist ja schon seit zwei Monaten tot ! erwiderte er , o du armer Junge , seit zwei Monaten tot ; es war ein braver Mann , und ich wohnte nicht weit von ihm , und kannte ihn gut . Jetzt nagen ihn die Würmer ! Sie können sich leicht meinen Schrecken über diese Trauerpost denken , ich weinte lange und hielt mich für unglücklicher als alle Helden ; nach und nach aber wußte mich mein Begleiter zu trösten : Erinnerst du dich gar nicht , mich gesehen zu haben ? fragte er ; ich sah ihn an , besann mich , verneinte . Ei , man hat mich doch in Dresden so viel gesehen , fuhr er fort ; alle Alten und besonders die Jugend strömte zu mir und meinem jungen Griechen . Jetzt fiel mir mit einemmal bei , daß ich ihn schon gesehen hatte . Vor wenigen Wochen war nach Dresden ein Mann mit einem jungen unglücklichen Griechen gekommen ; er wohnte in einem Gasthof und ließ den jungen Athener für Geld sehen , das Geld war zur Erhaltung des Griechen und der Überschuß für einen Griechenverein bestimmt . Alles strömte hin , auch mir gab der Vater ein paar Groschen , um den unglücklichen Knaben sehen zu können . Ich bezeugte dem Mann meine Verwunderung , daß er nicht mehr mit dem Griechen reise . Er ist mir entlaufen , der Schlingel , und hat mir die Hälfte meiner Kasse und meinen besten Rock gestohlen , er wußte wohl , daß ich ihm nicht nachsetzen konnte ; aber wie wäre es , Söhnchen , wenn du mein Grieche würdest ? Ich staunte , ich hielt es nicht für möglich ; aber er gestand mir , daß der andere ein ehrlicher Münchner gewesen sei , den er abgerichtet und kostümiert habe , weil nun einmal die Leute die griechische Sucht hätten . « » Wie ? « unterbrach ihn der Engländer , » selbst in Deutschland nahm man Anteil an den Schicksalen dieses Volkes ? und doch ist es eigentlich ein deutscher Minister , der es mit der Pforte hält und die Griechen untergehen läßt . « » Wie es nun so geht in meinem lieben Vaterland « , antwortete Baron von Garnmacher , des Schneiders Sohn , » was einmal in einem anderen Lande Mode geworden , muß auch zu uns kommen . Das weiß man gar nicht anders . Wie nun vor kurzem die Parganioten ausgetrieben wurden und bald nachher die griechische Nation ihr Joch abschüttelte , da fanden wir dies erstaunlich hübsch , schrieben auf der Stelle viele und dicke Bücher darüber und stifteten Hilfsvereine mit sparsamen Kassen . Sogar Philhellenen gab es bei uns und man sah diese Leute mit großen Bärten , einen Säbel an der Seite , Pistolen im Gürtel , rauchend durch Deutschland ziehen . Wenn man sie fragte , wohin ? so antworteten sie : In den heiligen Krieg , nach Hellas gegen die Osmanen ! Bat sich nun etwa eine Frau , oder ein Mann , der in der alten Geographie nicht sehr erfahren , eine