und schlich , da es ihm von dem Fürsten untersagt worden , die Prinzessin zu sehen , leise , leise nach Hedwigas Schlafgemach , wo er sie in dem fortdauernden kataleptischen Zustande auf dem Ruhebette angekleidet liegen fand . Schlimm und , wie man sehen wird , zugleich gut war es , daß die Kammerfrau die Prinzessin eben verlassen . Ohne weiteres band nun der Prinz den Vogel an einen Leuchter , ließ die Armee in Reihe und Glied treten und lud die Kanone , dann hob er die Prinzessin vom Ruhebette , ließ sie an den Tisch treten und erklärte , daß sie jetzt den kommandierenden General vorstelle , er seinerseits bleibe der regierende Fürst und brenne nebenher die Artillerie ab , welche den Rebellen töte . - Überfluß an Munition hatte den Prinzen verführt und er nicht allein das Geschütz überladen , sondern auch Pulver rund umher auf den Tisch verstreut . Sowie er das Stück abprotzte , gab es nicht allein einen ungewöhnlichen Knall , sondern das umhergestreute Pulver flog auch auf und verbrannte ihm tüchtig die Hand , so daß er laut aufschrie und gar nicht einmal bemerkte , daß die Prinzessin in dem Augenblick der Explosion hart zu Boden gestürzt war . Der Schuß hallte durch die Korridors , alles stürzte , Unglück ahnend , herbei , und selbst Fürst und Fürstin drängten sich , alle Etikette im jähen Schreck vergessend , mit der Dienerschaft durch die Türe hinein . Die Kammerfrauen hoben die Prinzessin von dem Boden und legten sie auf das Ruhebett , während man nach dem Leibarzt , nach dem Chirurgus rief . Der Fürst ersah aus den Anstalten auf dem Tische sehr bald , was geschehen , und sprach zum Prinzen , der entsetzlich schrie und lamentierte , mit zornfunkelnden Augen : » Sieht Er , Ignaz ! das kommt von Seinen dummen kindischen Faxen . Lass ' Er sich Brandsalbe auflegen und heul ' Er nicht , wie ein Straßenjunge ! - Mit einem Birkenreis - sollt - Hint - « Die bebenden Lippen ließen keine Deutlichkeit der Sprache zu , der Fürst wurde unverständlich und verließ gravitätisch das Zimmer . Tiefes Entsetzen hatte die Dienerschaft erfaßt , denn erst zum drittenmal redete der Fürst den Prinzen an mit Er und Ignaz , und jedesmal bewies er den wildesten , schwer zu sühnenden Zorn . Als der Leibarzt erklärte , die Krisis sei eingetreten , und er hoffe , daß der bedrohliche Zustand der Prinzessin nun bald vorüber und sie völlig genesen werde , sprach die Fürstin mit weniger Teilnahme , als man wohl denken sollte : » Dieu soit loué , man gebe mir weitere Nachricht . « Den weinenden Prinzen schloß sie aber zärtlich in ihre Arme , tröstete ihn mit süßen Worten und folgte dann dem Fürsten . Indessen war die Benzon , die im Sinn gehabt , mit Julien die unglückliche Hedwiga zu sehen , im Schlosse angekommen . Kaum hörte sie , was geschehen , als sie hinaufeilte nach dem Zimmer der Prinzessin , zuflog auf das Ruhebette , niederkniete , Hedwigas Hand faßte und ihr starr in die Augen blickte , während Julia heiße Tränen vergoß , wähnend , daß wohl der Todesschlaf über die Herzensfreundin kommen werde . Da holte Hedwiga tief Atem und sprach mit dumpfer , kaum vernehmlicher Stimme : » Ist er tot ? « - Sogleich hielt Prinz Ignatius ein mit Weinen trotz seines Schmerzes und erwiderte in voller Freude über die gelungene Exekution lachend und kichernd : » Ja ja - Prinzessin Schwester , ganz tot , gerade durch das Herz geschossen . « - » Ja , « sprach die Prinzessin weiter , indem sie die Augen , die sie aufgeschlagen , wieder sinken ließ , » ja , ich weiß es . Ich sah den Blutstropfen der aus dem Herzen quoll , aber er fiel in meine Brust , und ich erstarrte zu Kristall , und er nur lebte in dem Leichnam ! « - » Hedwiga , « begann die Rätin leise und zärtlich , » Hedwiga , erwachen Sie aus bösen unglücklichen Träumen , Hedwiga , erkennen Sie mich ? « Die Prinzessin winkte sanft mit der Hand , als wolle sie verlassen sein . » Hedwiga , « fuhr die Benzon fort , » Julia ist hier . « Ein Lächeln schimmerte auf Hedwigas Wangen . Julia beugte sich über sie hin , drückte einen leisen Kuß auf die erblaßten Lippen der Freundin . Da lispelte Hedwiga kaum hörbar : » Es ist nun alles vorüber , in wenigen Minuten bin ich ganz erkräftigt , ich fühl ' es . « - Niemand hatte sich bis jetzt um den kleinen Hochverräter bekümmert , der mit zerfleischter Brust auf dem Tisch lag . Nun fiel er Julien ins Auge , und erst in dem Augenblick wurde sie auch inne , daß Prinz Ignatius wieder das abscheuliche , ihr verhaßte Spiel gespielt . » Prinz , « sprach sie , indem ihre Wangen sich hoch röteten , » Prinz , was hat Ihnen der arme Vogel getan , daß Sie ihn ohne Erbarmen töten hier im Zimmer ? - Das ist ein rechtes einfältiges grausames Spiel - Sie haben mir längst versprochen , es zu lassen , und doch nicht Wort gehalten - Aber ! tun Sie es noch einmal , niemals ordne ich mehr Ihre Tassen oder lehre Ihre Püppchen reden oder erzähle Ihnen die Geschichte vom Wasserkönig ! « - » Nicht böse sein , « wimmerte der Prinz , » nicht böse sein , Fräulein Julia ! Aber es war ein bunter Erzschelm . Er hatte allen Soldaten heimlich die Rockschöße abgeschnitten und überdem eine Rebellion angezettelt . Aber es tut weh - es tut weh ! « - Die Benzon blickte den Prinzen , dann Julien an mit seltsamem Lächeln , dann rief sie : » Was das für ein Wehklagen ist über ein paar verbrannte Finger ! - Aber es