Frömmigkeit , in Elend , und Laster , und Schande gestürzt ; er konnte doch nicht von ihr lassen . « - DER GRAF : » Die Geschichte ist furchtbar und so wahr , daß mir in tiefster Seele schaudert ; welchen Gefahren haben Sie sich in der Welt ausgesetzt ; es gehört auch dazu eigne Heldentugend , das alles mit Ihrer Überlegenheit zu bestehen ; bei Gott , ich bewundre Sie ; ich fühle in mir nicht die Stärke dieses Ungeheuer von Welt zu betrachten ; lassen Sie sich nun mit meiner Welt genügen . Hier lieber Marchese , hier , wo alle Wege und Felder ein fröhlicher Ansehen gewinnen , hier wird mir fröhlich ums Herz ; werden Sie es auch , geben Sie mir die Hand , Sie sind mein Freund ; hier ist die Grenze meiner Besitzung , sei Ihr Eingang ein Glückszeichen . « - Der Marchese bewunderte als Kenner die Gartenkunst des Grafen , dieses geniale Benutzen des zufälligen Gegebenen , um große landschaftliche Wirkungen mit den leichtesten Kunstmitteln daraus hervorgehen zu lassen ; nichts war leerer Zierat in den Gärten , keine Tempel mit Altären , auf denen niemals geopfert wird ; das Vergnügen der ganzen Gegend fand in dem Garten seinen Mittelpunkt ; jede Laune fand ihren willkommenen Gang und Ruheplatz . Zuletzt durchstrichen sie Feld und Wald ; der Graf machte den Marchese aufmerksam , welche Menge von Bäumen , Gesträuchen und Blumen fremder Gegend , die sich aber uns klimatisieren , bis in die entferntesten Punkte von ihm gepflanzt und gesäet wären , die nun notwendig ihre Art , wie die Perle , ins Meer fallend , in immer weiteren Kreisen dessen Wellen bewege , bis an die fernsten Küsten fortpflanzen müßten . » Alles andre « , sagte er , » kann bei einiger Nachlässigkeit künftiger Besitzer schnell untergehn ; dies allein ist nur durch ungeheure Naturrevolutionen zu vernichten , die unser Klima ganz abändern . « Voll Bewunderung und wirklicher Teilnahme an diesem schönen Bestreben kehrte der Marchese nach der Stadt ; noch von niemand fühlte sich der Graf so ganz verstanden ; mit seinem freundschaftlichsten Feuer verschwor er sich ihm zum Abschiede . Er gab ihm einen zärtlichen Brief zur Bestellung an seine Frau , worin er ihr den Marchese als seinen liebsten Freund nochmals empfahl ; der ganze übrige Tag blieb ihm trübe . Achtes Kapitel Des Grafen schwerer Traum . Warnungsbrief . Verzweiflung an der Liebe und Flucht In derselben Nacht träumte dem Grafen ein wunderbarer Traum , der ihm die Gräfin in fürchterlicher Untreue darstellte , daß er beim Erwachen auf sie schimpfte , und sich erst allmählich zu erinnern vermochte , was ihn so gewaltig aufgebracht . Als er zum Fenster hinaussah , am Sonnenscheine die trüben Gedanken aus den Augen zu wischen , da hörte er unten einen kleinen Buben , der ein bekanntes Abschiedslied so hinsang ohne zu wissen , was er gesungen ; er sang es so aus Nichtstuerei : Jetzunder geht mir mein Trauern an , Die Zeit ist leider kommen ; Die mir vorm Jahr die Liebste war , Die ist mir jetzt genommen . Mein Herz ist von lauter Eisen und Stahl , Dazu von Edelsteinen , Ach wenn doch das mein Schatzliebchen erführ , Es würde trauern und weinen . Es trauert mit mir die Sonne , der Mond , Dazu die hellen Sterne , Die haben den lebenden , schwebenden Garten an dem Himmel . Wollte Gott , daß ich gestorben wär In meinen jungen Jahren , So wär mir all mein Lebetag Keine größere Freude widerfahren . Es ist nicht hier ein kühler Brunn , Der mir mein Herz tät laben , Ein kühler Brunn zu aller Stund , Der fließt aus meinem Herzen . Der Graf mußte heftig weinen ; zum Weinen war er überhaupt leicht gebracht , wenn er allein oder mit Vertrauten war ; vor fremden Menschen fand er sich nie zu Tränen gerührt . Nachher fielen ihm einzelne Stücke seines Traumes ein , der ihm bald mit dem Liede wunderlich genug zusammenschmolz ; er schrieb es zu seiner Zerstreuung auf und diese undeutliche Erzählung wird seinen Zustand deutlicher darstellen , als wir es in unsrer Art zu tun vermöchten . Der böse Traum SIE : Mein Karl , was soll ich heut anziehn , Daß ich ins Auge dir falle , Soll ich in schimmerndem Rosa blühn , Ich ging so gern zum Balle . ICH : Es kleidet sich schwarz ein ganzes Jahr , Die Zeit ist schwarz gekommen , Die mir die Liebste noch gestern war , Ist schlecht mir vorgekommen . SIE : Du schauest mich an und sprichst mit dir , Als wär ich nicht zugegen , Nun sieh , der Zimmermann ließ die Tür Der lauten Grillen wegen . ICH : Die Grillen versingen sich die Nacht , Doch ich muß immer träumen , Es ist nun Morgen , ich bin verwacht , Was soll mich nun aufräumen . Mein Herz ist so voll von Höllenqual , Wie von dem Bild , dem deinen , Ach könnt ich doch alles nur einmal , Die Augen mir ausweinen . Es trauern mit mir die Blumen all , Die dir zum Kranze gebrochen , Die rissest du mit in den Sündenfall , Die hatten mich zerstochen . Es trauert mit mir die Sonne , der Mond , Dazu die hellen Sterne , Was hoch da lebend und schwebend wohnt , Das ziehet fort zur Ferne . Sie blühen im himmlischen Gartenland , Das steht auf Feuersäulen , Der Regen , der spület hinweg mein Land , Ach könnt er mich so zerteilen . Mein Garten aus blinder Lieb war erbaut Auf einem schwarzen Sumpfe , Und der ich lebend und schwebend vertraut , Die ist als Irrlicht versunken . Vergiftet ist der Spiegelbrunn , Der labte meine Schmerzen , Ein kühler Brunn zu aller Stund , Der fließt aus meinem Herzen . SIE : So sag doch