ersten Male zum Deckmantel kleinlicher Rache dienen mußte . Heliodor geht von hier nach Nikomedien , wo unter den Augen des Augustus der Verfolgungsgeist minder gesetzlos wüthet . Unter diesen Umständen bleibt dies Haus keine sichere Zuflucht mehr für mich . Allein zu reisen wage ich nicht , da ich mich so wenig persönlicher Sicherheit erfreuen kann . Es bleibt mir also kein Ausweg übrig , als mit Heliodor zu gehen . Marcius Alpinus ist in diesem Augenblick nach Cäsarea zum Galerius berufen , vielleicht ist dies der einzige Zeitpunkt , der mir zur Flucht übrig ist . Auch haben Heliodor und Lysias mich überzeugt , daß man in einer großen geräuschvollen Stadt viel eher hoffen kann , unbemerkt zu bleiben , als an einem kleinen Orte , wo jeder Nachbar um jeden Schritt des andern weiß . Ueberdies werde ich nicht in der Stadt selbst wohnen . Eine Viertelstunde davon , am Eingang eines kleinen Gehölzes , liegt ein Dörfchen , dessen ich mich noch wohl aus meiner Kindheit erinnere . Hier von Lärmen und Zerstreuung geschieden , bewohnen einige christliche Wittwen ein einsames kleines Haus , und widmen , da sie in der Welt nichts mehr zu wirken und zu hoffen haben , den Rest ihrer Tage den Uebungen der Frömmigkeit und Menschenliebe . Sie verfertigen die Geräthe und Kleidungsstücke für die Kirchen , und dienen in denselben als Diaconissinnen1 ; aber ihr schönster Wirkungskreis ist die Unterstützung der Armen , der Unterricht der Mädchen , die ihrer Aufsicht übergeben sind , und die Pflege der Kranken , die theils in ' s Haus gebracht , theils in ihren Wohnungen von den wohlthätigen Frauen besucht werden . Zu ihnen wird mich Heliodor bringen . In den Mauern dieses Hauses , das ich nicht verlassen muß , wenn ich nicht will , kann ich ganz unbemerkt und verborgen leben , und der Beruf dieser Wittwen gibt meinem gehaltlosen Daseyn Zweck und Werth . Morgen reise ich ab . Wir werden , um alle Nachforschungen zu täuschen , die Straße nach Apamäa einschlagen , und von dort erst auf einem Umwege nach Nikomedien gehen . Sobald ich in meiner stillen Freistätte angelangt bin , werde ich dir schreiben . Leb ' wohl ! Fußnoten 1 Diaconissinnen waren christliche Wittwen , welche in den Kirchen , besonders bei der Taufe weiblicher Katechumenen dienten . 67. Agathokles an Phocion . Nikomedien , im Februar 303 . Das Gewitter zieht sich von allen Seiten zusammen . Bald ist es nicht mehr möglich , seinen Schlägen auszuweichen ; so werde ich ihnen denn mit männlichem Muthe begegnen . Gestern ließ der Präfect der Leibwache mich rufen . Vielfache Neckereien , in denen der Sinn des kaiserlichen Edicts überschritten wurde , haben die lange Geduld der unglücklichen Christen ermüdet . Es sind hie und da unruhige Auftritte vorgefallen , und diese wahrlich natürlichen Regungen der Selbsterhaltung brandmarkt die Tyrannei mit dem Namen Rebellion . Man bot die bewaffnete Macht gegen sie auf - mit ungleichem Erfolge . An einigen Orten wurden die Verfolgten das Opfer der Uebermacht , an andern mußte der kleine Haufe der Soldaten der Ueberzahl der Unglücklichen weichen , die ihr Theuerstes und Höchstes mit der Wuth der Verzweiflung vertheidigten . Man hat nun beschlossen , wirksamere Maaßregeln zu ergreifen , und ich sollte mit ein paar Centurien , die ich mir aus den geprüftesten Kriegern selbst auswählen durfte , nach Cäsarea , wo die Mißhandlungen des Stadtpräfecten dem Bischof , einem ehrwürdigen Greis , bereits das Leben gekostet , und alle christlichen Einwohner zur Empörung gezwungen hatten . Hier zu schweigen war unmöglich . Aber die Pflicht des Sohnes gebot , das nicht mehr zu verhehlende Geheimniß dem Vater wenigstens zuerst zu entdecken . Ich bat mir Bedenkzeit aus , und kündigte meinem Vater meinen Entschluß , den Auftrag nicht zu übernehmen , und die Ursache desselben an . Er wüthete - das hatte ich vorhergesehen - er drohte mit Enterbung und Fluch - ich war darauf vorbereitet , es schreckte mich nicht - er verbannte mich zuletzt aus seinen Blicken , und verbot mir , sein Haus je wieder zu betreten . Ich würde unwahr seyn , wenn ich behaupten wollte , daß mich dies Betragen nicht geschmerzt habe ; aber es schmerzte mich mehr um seinetwillen , denn ich fürchtete die schädliche Wirkung des Zorns für den abgelebten Greis . Von ihm ging ich zum Präfecten der Leibwache , und erklärte ihm , warum ich unmöglich gegen die Christen streiten könnte . Er schien eben so erstaunt als aufgebracht , und nachdem er sich in Drohungen mit der Ungnade des Kaisers , mit Verlust meiner Stelle , und in leerer Wiederholung aller der seichten Beschuldigungen gegen das Christenthum , die man gewöhnlich vorbringen hört , erschöpft hatte , machte er zuletzt einen Versuch , mich zu bekehren . Ich hatte meines Vaters Zorn und Fluch ertragen , kaum konnte das Beginnen des Präfects mir mehr als ein Lächeln abnöthigen . Ich bat ihn zu thun , was seine Pflicht in diesem Falle von ihm fordern würde , und das Uebrige meiner Ueberzeugung zu überlassen . So verließ ich ihn . Als ich in dem Quartier meiner Kameraden angelangt war , brachten die Sclaven meines Vaters alle meine Gerätschaften , Bücher , Waffen , Kleider . Mein Vater wolle nichts mehr von mir wissen , er habe keinen Sohn mehr ; diese Botschaft gab er den Sclaven mit , und dachte mich dadurch sehr tief zu kränken . Mich rührte die Trauer und Liebe , die diese guten Menschen mir zeigten , und mein Herz öffnete sich mildern Empfindungen . Am Abend langte ein Brief aus Nicäa an . Theophania war verschwunden , Niemand wußte wohin . In Lysias Hause wird ein tiefes Schweigen darüber beobachtet . Heliodor hat sie begleitet . Marcius Alpinus ist einige Tage vorher nach Cäsarea abgereist . Sollte sie ihm dahin gefolgt seyn ? Unmöglich ! Heliodor kann die Frau , die sich seinem Schutze