, als sie die Gräfin Morynska an der Seite ihres Gutsherrn sahen , so nahe , daß ein Angriff , der ihm galt , sie mittreffen mußte . Waldemar dagegen stand einen Moment lang völlig verständnislos da ; er vermochte sich dieses plötzliche Erscheinen nicht zu erklären , auf einmal aber blitzte die Wahrheit in ihm auf . Wandas Totenblässe , der Ausdruck verzweiflungsvoller Energie , mit dem sie sich an seine Seite stellte , sagten ihm , daß sie um seine Gefahr gewußt hatte , daß sie um seinetwillen hier war . Die Lage war zu bedrohlich , als daß sie den beiden Zeit gelassen hätte , eine Erklärung oder auch nur ein Wort miteinander auszutauschen . Wanda hatte sich sofort zu den Angreifern gewandt und sprach zu ihnen , leidenschaftlich und gebieterisch . Waldemar , der des Polnischen nicht mächtig war und erst in der letzten Zeit angefangen hatte , sich einigermaßen damit vertraut zu machen , verstand nur so viel , daß es Befehle und Drohungen waren , die sie seinen Gegnern zuschleuderte , aber ohne Erfolg – sie stand hier an der Grenze ihrer Macht . Die Antworten klangen wild und drohend zurück , und der Förster stampfte mit dem Fuße auf den Boden ; er verweigerte augenscheinlich den Gehorsam . Die kurze und hastig geführte Unterredung dauerte kaum einige Minuten , aber niemand wich einen Schritt zurück , niemand senkte die Waffe . Die aufs äußerste gereizte Wut der Leute erkannte keine Autorität und keine Rücksicht mehr an . » Zurück , Wanda ! « sagte Waldemar leise , indem er sie seitwärts zu drängen versuchte . » Es kommt zum Kampfe . Sie können ihn nicht mehr verhindern . Geben Sie mir Raum zur Verteidigung ! « Wanda gehorchte der Mahnung nicht , im Gegenteil , sie behauptete nur fester ihren Platz . Sie wußte , daß er der Uebermacht erliegen mußte , daß die einzige Rettung für ihn in ihrer unmittelbaren Nähe lag . Noch scheute man sich , sie zu berühren , noch wagte es keiner , sie von seiner Seite wegzureißen , aber der Moment nahte , wo auch diese letzte Schonung ein Ende nahm . » Gehen Sie zur Seite , Gräfin Morynska ! « tönte die Stimme des Försters rauh und unheilverkündend mitten durch den Tumult . » Zur Seite – oder ich treffe Sie mit ! « Er hob die Büchse . Wanda sah , wie er den Finger an den Drücker legte ; sie sah das von Wut und Haß entstellte Antlitz des Mannes , und bei diesem Anblick schwanden ihr Besinnung und Ueberlegung . Vor ihrer Seele stand nur noch ein einziger klarer Gedanke , die Todesgefahr Waldemars , und zum letzten Mittel greifend , warf sie sich an seine Brust und deckte ihn mit ihrem eigenen Körper . Zum letzten Mittel greifend , warf sich Wanda an seine Brust und deckte ihn mit ihrem Körper . Es war zu spät – der Schuß krachte , und schon in der nächsten Sekunde antwortete die Waffe Nordecks . Mit einem dumpfen Schrei stürzte der Förster zusammen und blieb regungslos auf dem Boden liegen . Die Kugel Waldemars hatte mit furchtbarer Sicherheit ihr Ziel getroffen , er selbst stand aufrecht und Wanda mit ihm . Die Bewegung , mit der sie ihn zu schützen versuchte , hatte ihn aus der Bahn des tödlichen Geschosses gezogen , und ihn und sie gerettet . Das alles geschah so blitzschnell , daß keiner von den übrigen Zeit hatte , sich an dem Kampf zu beteiligen . In ein und derselben Minute sahen sie die Gräfin Morynska sich dazwischen werfen , den Förster am Boden liegen und den Gutsherrn mit hochgehobener Waffe sich gegenüberstehen , zum zweiten Schuß bereit . Es folgte eine sekundenlange totenstille Pause – niemand regte sich . Waldemar hatte unmittelbar nach dem Schuß Wanda in seine eigene einigermaßen gedeckte Stellung gedrängt und sich vor sie gestellt . Mit einem einzigen Blick überschaute er die ganze Lage . Er war umringt , der Ausgang ihm verwehrt ; sechs geladene Büchsen standen gegen seine einzige Waffe . Wenn es überhaupt zum Kampf kam , so war er auch verloren und Wanda mit ihm , sobald sie es versuchte , ihn noch einmal zu schützen . An eine wirkliche Verteidigung war nicht zu denken . Hier konnte nur die Kühnheit retten , die Tollkühnheit vielleicht , aber gleichviel , sie mußte versucht werden . Er richtete sich zu seiner vollen Höhe empor , warf mit einer energischen Bewegung das Haar zurück , das ihm über die Stirn gefallen war , und die nächsten beiden Flintenläufe mit der Hand zur Seite schlagend , trat er mitten unter die Angreifer . Seine riesige Gestalt überragte sie allesamt , und sein Blick flammte nieder auf die rebellischen Untergebenen , als könne er mit diesem Auge allein sie vernichten . » Die Waffen nieder ! « donnerte er mit der ganzen Kraft seiner mächtigen Stimme . » Ich dulde keine Rebellion auf meinem Gebiet . Da liegt der erste , der es versucht hat . Wer es ihm nachthut , teilt sein Schicksal . Nieder die Büchsen , sage ich . « Die Leute standen wie gelähmt vor Ueberraschung und starrten sprachlos ihren Herrn an . Sie haßten ihn , sie waren in vollem Aufstand gegen ihn begriffen , und er hatte ihnen soeben den Führer erschossen ; das nächste und natürlichste wäre nur gewesen , daß sie Rache dafür übten , hier , wo die Rache in ihre Hand gelegt war . Sie hatten auch zweifellos die Absicht , sich auf Waldemar zu stürzen , aber als er nun mitten unter sie trat und ihre Waffen mit der bloßen Hand zur Seite schlug , als sei er wirklich gefeit gegen die Kugeln , als er Unterwerfung forderte mit der Miene und dem Tone des unumschränkten Gebieters : da regte sich die alte Gewohnheit des blinden Gehorsams , der , ohne nach dem Warum zu