ganz merkwürdig benommen . So ohne weiteres zurückzubleiben und die Gesellschaft im Stiche zu lassen ! Man merke es , daß ihm der Hinterwäldler noch im Blute stecke . Ob er denn wenigstens einen Abschiedsbesuch gemacht habe ? » Nein ! « rief der Geheimrat , der jetzt den letzten Rest seiner Geduld verlor . » Aber ich habe hier noch einige Einkäufe zu machen , und Sie sollten sich bei meiner Tochter melden lassen . Sie befindet sich heute besser , viel besser , ich glaube , sie nimmt Besuch an . « Dies Mittel that endlich die gewünschte Wirkung , der junge Mann machte schleunigst kehrt und wandte sich nach eiliger Verabschiedung zu dem Hotel zurück , während Rottenstein ebenso eilig nach dem Rahnsdorfschen Hause steuerte , das er denn auch ohne weiteren Zwischenfall erreichte . Er kam gerade zur rechten Zeit . Adlau war eben im Begriff , von den Seinigen Abschied zu nehmen , und über seine heute sehr düsteren Züge flog der Ausdruck einer freudigen Ueberraschung , als er den alten Herrn erblickte , er hatte ein Lebewohl von dieser Seite wohl nicht erwartet . Auch der Konsul schien verstimmt , er sagte nach der ersten Begrüßung etwas ärgerlich : » Das trifft sich heute sehr ungeschickt , jetzt können wir unserem Robert nicht einmal das Geleit bis zum Dampfer geben ! Sie wissen es vermutlich , daß Prinz Karl heute in Korfu erwartet wird . Seine Jacht ist bereits in Sicht und wird in einer halben Stunde landen , ich muß in meiner amtlichen Eigenschaft beim Empfange sein und Meta soll der Prinzessin einen Blumenstrauß überreichen . Es hilft nichts , Schwager , du mußt allein hinausfahren . « » Aber ich bitte dich , « wehrte Adlau ab . » Je kürzer wir den Abschied machen , um so besser ist es , und übrigens wird es jetzt Zeit zum Aufbruch . « » Ich werde Sie vertreten , Herr Rahnsdorf , « sagte der Geheimrat . » Keine Einwendung , Robert , ich gebe Ihnen das Geleit bei der Abfahrt . Die See ist ja heute spiegelglatt , und in spätestens einer Stunde bin ich wieder zurück . « Robert fügte sich , und man ging gemeinsam zu dem Boote , das mit dem Gepäck bereits am Ufer harrte . Der Abschied war in der That kurz , aber um so herzlicher . Adlau hob noch einmal die Kinder empor , um sie zu küssen , schüttelte dem Schwager die Hand und ließ der Schwester eine letzte Umarmung zu teil werden . » Also im Sommer in Brankenberg ! Ich rechne auf euer Versprechen , und die Kinder bringt ihr selbstverständlich mit . Weine nicht , Meta , es ist ja diesmal nur eine Trennung auf Monate . Behüt ' Gott , Schwager ! Auf frohes Wiedersehen ! « Er sprang in das Boot und Rottenstein folgte ihm , noch ein Grüßen und Winken hinüber und herüber , dann steuerte die Barke hinaus und dem Dampfer zu . Dort herrschte bereits reges Leben , die Boote legten an und stießen ab , die Reisenden kamen an Bord und auf dem Verdeck wurden die Vorbereitungen zur Abfahrt getroffen . Es war immer noch eine halbe Stunde bis dahin und die beiden Herren , die sich einen stilleren Platz auf dem Vorderdeck gesucht hatten , konnten ungestört plaudern . Aber das Gespräch stockte öfter , es lag doch ein gewisser Zwang darauf , obgleich der vorgestrige Tag und Adlaus Zurückbleiben von keiner Seite erwähnt wurde . Endlich sagte dieser , im Tone der Entschuldigung : » Ich habe im Drange der Abreise nicht einmal mehr Zeit gefunden , Ihnen einen Abschiedsbesuch zu machen . Ich konnte nur meine Karte senden , und es war sehr freundlich , daß Sie trotzdem gekommen sind . « » Die Karte war mir doch gar zu förmlich , « entgegnete der Geheimrat , mit einem leisen Vorwurf . » Ich wollte Sie wenigstens noch einmal sehen und Ihnen einen Gruß an die Heimat mitgeben . « » Herzlichen Dank ! Und Sie gehen also wirklich nach Aegypten ? « » Ich muß ja wohl , da Elfriede darauf besteht ! « Die Antwort wurde in sehr beweglichem Tone gegeben , und dabei ließ der Geheimrat einen sehnsüchtigen Blick über den Dampfer hingleiten . » Wenn Sie wüßten , Robert , wie ich Sie um die Heimkehr beneide ! « schloß er wehmütig , » Wie gern ginge ich mit Ihnen nach Haus ! « Adlau stäubte ruhig die Asche von seiner Cigarre und fragte ganz gelassen : » Nun , warum thun Sie es denn nicht ? « » Was – soll ich thun ? « » Mit mir nach Triest fahren und von da weiter nach dem Rhein . « » Jawohl , nach unserem Rhein ! Machen Sie mir doch das Herz nicht noch schwerer mit Ihrem Scherz ! « » Ich scherze durchaus nicht , es ist mir vollkommen Ernst mit dem Vorschlage . In meiner Kabine ist der zweite Platz noch frei , wie ich heute morgen zufällig erfuhr . Das Wetter verspricht uns eine ganz ruhige Seefahrt , es bedarf nur einer kurzen Rücksprache mit dem Kapitän , und an mir haben Sie einen bequemen Reisegefährten . Allerdings können Sie nicht mehr ans Land , aber das ist auch nicht nötig . Meine Reisekasse steht Ihnen zur Verfügung , meine Koffer gleichfalls . Für die paar Tage kann ich Ihnen mit dem Nötigen aushelfen , und in Triest ordnen wir telegraphisch die sofortige Nachsendung Ihres Gepäckes an , die Sache ist ganz einfach . « Der Geheimrat blickte ihn höchst verdutzt an , jetzt wußte er wirklich nicht mehr , ob das Scherz oder Ernst sei . » Aber Robert , was fällt Ihnen denn ein ? Meine Tochter ist ja doch hier in Korfu und will nach Aegypten . « » Nun , daran hindert Ihre Abreise sie doch nicht ? Natürlich