bis auf diese Stunde abgeleugnet . „ Eugenie ! “ Die junge Frau athmete auf , als sei eine Bergeslast von ihrer Brust gesunken . Der Blick , der Ton , mit dem er ihren Namen rief , gaben ihr endlich die so lang bezweifelte Gewißheit , und wenn er auch mitten in seiner stürmischen Bewegung inne hielt , wenn er wie zum Schutze gegen sich selbst die alte Maske wieder vorzunehmen strebte und den verrätherischen Blick verschleierte , es war zu spät , sie hatte zu viel gesehen ! „ Wo kommst Du her ? “ fragte er endlich , sich mühsam fassend , „ so plötzlich – so unerwartet – und wie gelangtest Du in ’ s Haus ? Die Werke sind noch in vollem Aufruhr . Du kannst sie unmöglich passirt haben . “ Eugenie näherte sich langsam . „ Ich bin erst vor wenigen Minuten angekommen . Den Zugang habe ich mir freilich erst erzwingen müssen ; frage mich jetzt nicht wie – genug daß ich ihn erzwang . Ich wollte zu Dir , ehe die Gefahr Dich erreichte . “ Arthur machte einen Versuch , sich abzuwenden . „ Was soll das , Eugenie ? Was willst Du mit diesem Tone ? Curt wird Dich geängstigt haben mit seinen Berichten , trotz meiner Bitte , trotz meines ausdrücklichen Verbotes . Ich will kein Opfer der Pflicht und Großmuth . Du weißt es . “ „ Ja , ich weiß es ! “ entgegnete die junge Frau fest . „ Du hast mich ja schon einmal damit von Dir gewiesen . Du konntest es mir nicht verzeihen , daß ich Dir einmal Unrecht gethan , und der Rache dafür hättest Du beinahe mich und Dich geopfert . Arthur , wer war der Schroffste , der Härteste von uns beiden ? “ „ Es war keine Rache , “ sagte er leise . „ Ich gab Dich frei – Du hast es selbst gewollt . “ Eugenie stand jetzt dicht vor ihm ; das Wort , das einst um keinen Preis der Welt seinen Weg über ihre Lippen gefunden hätte , es wurde ihr jetzt so leicht , seit sie sich geliebt wußte . Sie hob das dunkle thränenfeuchte Auge voll zu ihm empor . „ Und wenn ich nun meinem Manne sage , daß ich die Freiheit nicht will ohne ihn , daß ich zurückgekommen bin , um alles mit ihm zu theilen , was uns auch treffen mag , daß ich ihn – lieben gelernt habe : wird er mich dann zum zweiten Male gehen heißen ? “ Sie erhielt keine Antwort , wenigstens in Worten nicht , aber sie lag bereits in seinen Armen , und in diesen Armen , die sie so heiß und fest umschlossen , als wollten sie das endlich Errungene nie wieder von sich lassen , unter den leidenschaftlichen Liebkosungen , mit denen er sie überströmte , fühlte Eugenie , wie tief ihn einst ihr Verlust getroffen und was ihre Rückkehr ihm war in solchem Augenblick . Sie sah das Aufstrahlen der großen braunen Augen in einem Glanze , wie sie ihn trotz alles blitzähnlichen Leuchtens darin doch noch nie gesehen . Die gebannte , versunkene Welt war herauf gestiegen aus ihrer Tiefe zum hellsten Sonnenlicht , und die junge Frau mußte doch wohl eine Ahnung haben von all den Schätzen , die sie ihr verhieß , denn sie legte mit dem Ausdruck des hingebendsten Vertrauens ihr Haupt an die Brust des Gatten , als er sich zu ihr herabbeugend leise sagte : „ Mein Weib ! Mein Alles . “ Durch das offene Fenster wehte es herein wie ein Rauschen und Grüßen von den grünen Waldbergen drüben . Die Stimme mußte doch auch mitflüstern in dem neu erstandenen Glück ; sie hatte es ja mit erbauen helfen . Sie hatte die Beiden längst erkannt , als sie sich selbst noch nicht kannten , als sie noch im herben Trotz und Kampf gegen einander standen und das Trennungswort aussprachen , gerade da , wo ihre Herzen sich fanden . Aber es nützt nichts , dieses Kämpfen und Trotzen der Menschenkinder , wenn sie mit ihrem Lieben und Hoffen in den Bann gerathen , den der Berggeist über sein Reich legt im wallenden Nebel der ersten Frühlingsstunde – und was sich da findet , das gehört zusammen für immer ! Der Tag , der für die Berkow ’ sche Colonie so stürmisch begonnen hatte , ging verhältnißmäßig ruhiger zu Ende , als man es nach den Scenen vom Morgen hätte erwarten sollen . Ein mit den Verhältnissen Unbekannter hätte vielleicht die Ruhe , die gegen Abend über den Werken lag , für den tiefsten Frieden halten können , und doch war es nur die Ruhe des Sturmes , der einen Augenblick inne hält , um dann mit erneuter Wuth wieder loszubrechen . Auch in der Wohnung des Schichtmeisters herrschte jene [ 302 ] dumpfe , drückende Stille , die so viel Unheil in ihrem Schoße barg . Der Schichtmeister saß stumm in seinem Lehnstuhl am Ofen ; Martha machte sich hier und da in der Stube zu schaffen und warf von Zeit zu Zeit einen Blick auf Ulrich , der mit verschränkten Armen schweigend , aber unaufhörlich in dem kleinen Raume auf und nieder ging . Niemand sprach zu ihm und er zu Niemand ; das ehemalige Vertrautsein , das bei dem unbändigen Charakter des jungen Steigers zwar oft genug zu heftigen Scenen und Auftritten , aber ebenso oft auch wieder zur Versöhnung geführt hatte , war längst geschwunden . Ulrich herrschte jetzt im Hause so unbedingt , wie draußen bei seinen Cameraden ; selbst der Vater wagte es nicht mehr , sich gegen seine Beschlüsse und Unternehmungen aufzulehnen ; aber hier wie dort war es nur die Furcht noch , die ihm das erzwang ; von Liebe und Vertrauen war nicht die Rede mehr . Das Schweigen dauerte bereits eine geraume Zeit und hätte vielleicht noch länger gewährt , wäre